Experteninterview mit der Radiologin Dr. med. Beate Christ aus Hannover

Medizinio führte ein Experten-Interview mit der Leitenden Oberärztin Dr. med. Beate Christ aus Hannover durch. Frau Christ hat uns erzählt, welche Funktionen ein Röntgengerät aufweisen muss, wie der Kaufprozess von Medizintechnik im Krankenhaus vonstatten geht, was bei dem Kauf eins Röntgengeräts für die Praxis zu beachten ist und was die Zukunftstrends auf dem Fachgebiet der Radiologie sind.

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Werden Sie als Leitende Oberärztin in den Kaufprozess von Röntgengeräten und Röntgen-Software eingebunden?

Wenig, weil ich einen sehr starken Chef habe, der uns zwar um Rat fragt, aber auch selbst sehr gut informativ aufgestellt ist, sodass er bereits im Vorfeld sehr viel macht. Und man muss dazu sagen, dass es im Krankenhaus etwas anders als in einer privaten Praxis ist: Man ist ja teilweise auch gebunden in irgendeiner Form, das heißt, man bekommt Preisvorteile, wenn man mehrere Geräte einer Firma abnimmt, die dann für das ganze Krankenhaus gelten.


Wenn Sie wählen könnten: Was wäre Ihnen bei einem Röntgengerät besonders wichtig? Muss es zwangsläufig digital sein?

In der heutigen Zeit reden wir nur noch über digitale Röntgen-Geräte. Heute würde sich kein Mensch mehr Röntgen-Geräte mit Filmen anschaffen. Das ist so, als würden Sie sich heute ein Telefon mit Wählscheibe kaufen. Das macht kein Mensch mehr.


Wir haben vor kurzem eine Anfrage von einer Zahnärztin erhalten, die ein analoges Röntgengerät kaufen wollte.

Ja, bei Zahnärzten ist es wahrscheinlich etwas anders, denn a) das ist ein ganz kleines Gebiet und b) das sind spezielle, dentale Röntgengeräte, die ja wirklich nichts anderes können als kleine Ausschnitte zu machen. Dafür würde ich das noch verstehen. Dafür wird es auch noch Filme geben und es kann sein, dass es sich noch eine Zeit lang hält, ganz klar.


Was sind weitere Funktionen, die ein Röntgengerät heutzutage auf jeden Fall erfüllen muss?

Ich denke mir, wenn der niedergelassene Arzt sich einfach nur ein Röntgen-Gerät in die Praxis stellen will, wird er wirklich nach dem Preis gehen müssen. Das wichtigste ist jetzt eigentlich, dass das Gerät eine gute Anbindung an irgendein System hat, das die Bilder ausgibt, dass sie also in irgendeiner Form digitalisiert irgendwo ankommen. Ansonsten haben Röntgen-Geräte vergleichbare Funktionen: Sobald ein Hersteller etwas Neues entwickelt, sind die anderen ganz schnell dabei.


Die Röntgen-Software muss immer zusätzlich zum Röntgengerät angeschafft werden?

Ja, die Software muss man normalerweise zusätzlich anschaffen. Zum Beispiel die Verarbeitung: Wohin wird die Röntgen-Aufnahme geschickt? Das muss natürlich alles vernetzt sein – mithilfe des PACS.

Haben Sie das Gefühl, dass es schwierig ist, Preise für ein digitales Röntgengerät vor dem Kauf online einzusehen?

Ich denke mir, das ist wie wenn Sie ein Auto kaufen. Es gibt einen offiziellen Preis und es gibt Sachen, die man verhandeln kann und die nicht im Internet stehen. Und wie gesagt – wenn Sie mehrere Geräte von der Firma abnehmen, zum Beispiel einen Bucky Tisch und ein CT-Gerät, dann kriegen Sie wahrscheinlich beides etwas preisgünstiger. Das wird im Internet so nicht abgebildet sein.

Aus diesem Grund wollen wir niedergelassenen Ärzten und Ärztinnen, die Medizintechnik für ihre Praxis anschaffen möchten, eine ungefähre Preis-Vorstellung davon liefern, wie viel ein Röntgengerät mit und ohne Zubehör kosten könnte, um mit der bestehenden Marktintransparenz zu brechen.

Was sind für Sie die wichtigsten Neuerungen bei Röntgengeräten sowie Zukunftstrends auf dem Gebiet der Radiologie?

In dem klassischen Röntgen – dem Lungen-Röntgen oder dem Sprunggelenk-Röntgen – hat sich im Bereich der Verarbeitung, also der Digitalisierung, sehr viel getan. Man kann viel wettmachen, zum Beispiel schlechte Belichtung. Was jetzt in der Computertomographie kommen wird, ist die intelligente Bildverarbeitung: Computer assistieren praktisch dem ärztlichen Personal. Das ist jetzt das Neueste – was man unter künstlicher Intelligenz bezeichnet. Da muss man abwarten, wie sich das weiterentwickeln wird. Beim MRT werden die Magnetstärken immer größer, da wird man irgendwann an eine Grenze kommen. Neuerungen gibt es aber jedes Jahr – da hinterherzukommen ist schwierig.


Wissen Sie, ob das von Ihnen verwendete Röntgengerät eine sogenannte Predictive Maintenance-Funktion hat, also Prognosen über die restliche Lebensdauer der Komponenten von einem Röntgengerät stellt und so potenzielle Ausfälle verhindert?

Ich wüsste nicht, dass wir das hätten, habe ich aber auch selber noch nie so erlebt. Denn die Technik geht bei uns immer dann kaputt, wenn wir es nicht erwarten. Kann sein, dass dieser Zukunftstrend bei uns noch nicht implementiert ist. Die Röntgen-Geräte werden aber regelmäßig gewartet – vier Mal im Jahr.


Welche Funktionen und Entwicklungen weisen Computertomographen (CT-Geräte) heutzutage auf?

Computertomographen finden neben Krankenhäusern und Kliniken vor allem in Radiologien Verwendung. Das ist auch Röntgenstrahlung, aber in Ringform. Hier rotieren Röntgenstrahlung und Detektor ringförmig umeinander und werden digital zu Grauwerten umgerechnet. Ein Computertomograph ist ein sehr teures und ein sehr spezielles Gerät. Die sind mittlerweile richtig schnell geworden. Früher konnten die nur eine Rotation machen und dann haben sie sich wieder zurückgedreht. Und dann hat eine Untersuchung dementsprechend eine Stunde gedauert. Zu dem CT-Gerät gehört eine Workstation, wo man spezielle Auswertungen durchführen kann. Das kann man auch nur an dieser Workstation machen und nicht im PACS.

Mittlerweile weisen die CT-Geräte so eine Art Strahlen-Fächer auf – 64 Zeilen mit einer Umdrehung. Und da gibt es mittlerweile auch sehr viele unterschiedliche Sachen: Dual-Source, sodass zwei Röntgen-Strahlen praktisch parallel und etwas versetzt rotieren. Es gibt ständig Neuerungen. Aber das kann sich natürlich auch nicht jeder leisten. Wenn in Deutschland 10 Dual-Source-CT-Geräte stehen, ist das viel.


Haben Sie oft stark übergewichtige Patienten, die geröntgt werden müssen?

Ja, da hat sich im Laufe der Zeit sehr viel getan. Ich kann mich erinnern, dass Röntgen-Tische früher für maximal 140 kg konfiguriert waren, mittlerweile ist man da auf 200 kg und mehr hochgegangen. Das nimmt stetig zu, dass Patienten immer übergewichtiger werden. Bei der Kernspintomographie ist beispielsweise auch der Röhren-Durchmesser teilweise auch schon erweitert worden.


Bekommen Sie oft Fragen von Patienten zur Strahlenbelastung beim Röntgen?

Ja, bekommt man ab und zu, ganz klar. Aber man muss natürlich sagen: Die Medizin ist immer eine Kosten-Nutzen-Rechnung, und manches kann man nur damit feststellen.

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Röntgen-Gerät

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