Ultraschall-Gerät im Krankenhaus und Klinikum: Kaufprozess und Preise

Medizinio führte ein Experten-Interview mit einem Gastroenterologen aus Hannover durch, der uns einen Einblick in den Anschaffungsprozess von Medizintechnik in deutschen Krankenhäusern gab. Wir stellten Herrn Dr. G. Fragen rund um das medizinische Ultraschall-Gerät und wollten wissen, inwieweit der Arzt in den Kaufprozess eines Krankenhauses eingebunden wird.

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Sie verwenden ein Ultraschall-Gerät von GE?

Richtig. Das Ultraschall-Gerät ist auf unsere individuellen Ansprüche und Bedürfnisse zugeschnitten. Wir benötigen eine Software für Kontrastmittel, die in dem Gerät integriert ist und extra erworben werden muss. Das Bild ist sehr gut. Zudem haben wir die Option zu punktieren, also ultraschallgesteuerte Gewebeentnahmen zu machen.


Haben Sie als Arzt Einfluss darauf, welche medizintechnischen Geräte für das Krankenhaus angeschafft werden?

Immer weniger. Würde die Geschäftsführung sich für einen anderen Hersteller entscheiden, weil dieser günstiger ist, müssten wir uns danach richten. Wir könnten zwar eine Präferenz abgeben, die Entscheidung würde dennoch die Geschäftsführung fällen.


Worauf würden Sie beim Kauf eines Endoskopie-Geräts achten, wenn Sie die Wahl hätten?

Die Optik und Auflösung, die Größe der Arbeitskanals. Je größer der Arbeitskanal bei einem Endoskopen zum Beispiel, desto mehr Auswahl an Instrumentarium für unterschiedliche Behandlungen habe ich, beispielsweise bei Blutungen.


Und bei dem Kauf eines Ultraschall-Geräts?

Genau das Gleiche – Optik und Auflösung. Außerdem wäre ein Fibroscan wünschenswert, mit dem man die Gewebefestigkeit darstellen kann, beispielsweise bei Lebererkrankungen, die aufgrund einer chronischen Entzündung entstanden sind und zu einer Zirrhose führen können. Bislang konnte man das nur händisch – durch eine Probeentnahme – feststellen, die von einem Pathologen untersucht wurde. Heutzutage kann man diese Vorgänge aber auch qualitativ und quantitativ mithilfe einer Software und einem Schallkopf darstellen. Die Fibroscan-Software ist auch für Verlaufskontrollen geeignet, selbst wenn die Gewebeprobe zu einem bestimmten Zeitpunkt fällig wäre. Für die Patienten und Patientinnen wäre das eine angenehme Alternative zur Probeentnahme. Es stellt sich allerdings die Frage, ob man das tatsächlich braucht, da es eine sehr kostenintensive Anschaffung ist. Es muss sich die Waage von Investition und Qualität halten.

Was ist Ihnen bei dem Kauf einer Datenmanagement-Software wichtig?

Wie beim iPhone – am besten intuitiv. Alles, was nicht intuitiv ist, ist in der Beziehung schlecht. Unser Krankenhaus arbeitet mit dem Krankenhausinformationssystem KIS von der Firma Agfa zusammen, worauf wir wiederum keinen Einfluss hatten. Allerdings kann Software auch abstürzen, und dann geht hier gar nichts mehr. Von jetzt auf gleich so einen Betrieb auf Papier umzustellen, funktioniert nicht.


Wissen Sie, was bei einer Neuanschaffung mit den Gebrauchtgeräten passiert?

Wenn wir unsere Geräte käuflich erworben haben, bleiben die hier stehen, bis sie kaputt sind. Ob es irgendwelche Zwischenhändler gibt, weiß ich aber nicht.


Ist bei einem Kauf der Preis des Ultraschall-Geräts ausschlaggebend oder der Umstand, wie lange das Krankenhaus mit dem jeweiligen Hersteller kooperiert?

Das ist eine gute Frage. Sicherlich erzielt man bessere Preise vom Ultraschall-Gerät, wenn man mit dem Hersteller näher und länger zusammenarbeitet, weil dieser natürlich den Wunsch hat, dass man weiterhin bei der Firma bleibt und nicht zur Konkurrenz wechselt. Inwieweit das aber ausschlaggebend ist, kann ich nicht genau sagen. Beispielsweise hatten wir für ein Modell eine Zeit lang einen sogenannten ,Versorgungsvertrag‘. In diesen ,Versorgungsvertrag‘ sind Wartung, Reparatur sowie der Austausch von älteren Geräten auf neuere auf 5 Jahre festgeschrieben. Hat aber zur Folge – wenn ich es richtig verstanden habe –, dass die Geräte einem nicht gehören, sondern dass sie nur geleast sind. Das ist wirtschaftlich wohl schwierig, weil man das nicht so gut steuerlich absetzten kann, als wenn die Geräte Eigentum des Krankenhauses wären – so wurde es uns zumindest verkauft. Dann ist der Versorgungsvertrag ausgelaufen, die Geräte wurden abbezahlt und unser Eigentum. Man hat uns gesagt, es wäre besser, man kaufe das Gerät für über 100.000 Euro netto und zahlt es 3 Jahre lang ab, als dass ich dieses Gerät in einem Versorgungsvertrag drin habe, wo ich 200.000 bis 300.000 Euro über 5 Jahre lang netto zahlen muss. Allerdings muss nun immer ein neuer Antrag gestellt werden, wenn ein neues Gerät gebraucht wird. Und dann kommt irgendein Nicht-Mediziner und entscheidet darüber, ob eine Neunanschaffung tatsächlich notwendig ist. Die wirtschaftlichen Aspekte nehmen immer weiter zu. Zudem fallen Reparaturkosten an, die zuvor in dem Versorgungsvertrag geregelt wurden, und das kann recht teuer werden. Bei einem Ultraschall-Gerät können die Reparaturkosten zwischen 30.000 und 40.000 Euro netto liegen.


Wie bewerten Sie das Konzept von Medizinio – den Ärzten und Ärztinnen mehr Transparenz in dem Medizintechnik-Markt zu verschaffen?

Auch wenn das eher auf niedergelassene Ärzte zugeschnitten ist, wenn ich das richtig verstanden habe, finde ich es sehr interessant.

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Name
Ultraschall-Gerät

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