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Inhaltsverzeichnis

Praxisgründung oder Praxisübernahme?

Bild: Ein Arzt mit einer Familie im Gespräch
Begegnen Sie ihren Patienten auf Augenhöhe | © VGstockstudio / shutterstock.com

Wer sich als Arzt in einer eigenen Praxis niederlassen möchte, steht vor vielen Entscheidungen. Grundlegend ist zu klären, ob eine Praxisübernahme oder eher eine Praxisgründung der richtige Weg ist. Die beiden Varianten unterscheiden sich hinsichtlich der Kosten und der Gestaltungsmöglichkeiten.

Ein wichtiger Faktor ist jedoch auch die Bedarfsplanung in der jeweiligen KV Region. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) bestimmen zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV, ob ein Planungsbereich “offen” oder “gesperrt” ist, um eine flächendeckende ambulante medizinische Versorgung sicherzustellen.

Auch die Form der Niederlassung sollten Sie sich gut überlegen, denn das ist meistens eine Entscheidung fürs Leben. Ärzte haben viele verschiedene Möglichkeiten sich in einer Praxis niederzulassen und deswegen wird es immer schwieriger, vor allem für junge Ärzte, sich zu entscheiden. Informieren Sie sich unabhängig, sprechen Sie mit anderen Ärzten und erstellen Sie Pro- und Contra-Listen, um Ihren perfekten Weg zu finden.

Bild: Tipps für den Medizingeräten-Kauf

Je nach Planungsbereich ist eine Niederlassung nur dann möglich, wenn ein Jungarzt den Kassensitz eines Kollegen übernimmt: Entweder bei einer Einzel-Praxis-Übernahme oder beim Einstieg in eine BAG. Weitere Formen der Niederlassung sind eine Praxisgemeinschaft oder eine MVZ (Medizinischen Versorgungszentrum).

Niederlassung in Einzelpraxis, BAG oder Praxisgemeinschaft?

Bild: Ein Praxis-Team in einer Gemeinschaftspraxis
Arbeiten im Team: Die Gemeinschaftspraxis | © kurhan / shutterstock.com

Viele junge Ärzte stehen vor der Frage, in welcher Form sie sich niederlassen möchten. Denn selbstverständlich ist die typische Einzel-Praxis weiterhin die am weitesten verbreitete Praxis-Form. Doch vor allem die Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) bzw. Gemeinschaftspraxis ist bei Ärzten beliebt.

Auch Praxis-Gemeinschaften und die Arbeit in einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) sind attraktive Alternativen der Niederlassung für den Arzt. Ob die Praxisübernahme von einem KV-Sitz in einer Einzel-Praxis, BAG oder Praxisgemeinschaft geschieht, bestimmt maßgeblich das zukünftige Arbeitsumfeld und sollte zu den eigenen Lebensentwürfen passen.

Doch auch hier gilt: Keine Entscheidung ist endgültig. Wer sich bei einer Praxisübernahme oder Praxisgründung beispielsweise für eine Niederlassung in der Einzel-Praxis entscheidet, kann bereits im Vorhinein genügend Platz einplanen, um die Praxis zu einer Gemeinschaftspraxis zu erweitern. Jede Form der Praxis-Eröffnung oder Praxis-Übernahme geht mit vielen Vorteilen und Nachteilen einher.

Rechtsformen für die Einzelpraxis, BAG und Praxisgemeinschaft

Ist die richtige Arzt-Praxis gefunden, steht mit der Wahl der Rechtsform auch schon die nächste Entscheidung an: Niedergelassene Ärzte, die eine Einzel-Praxis betreiben, einen Anteil an einer BAG halten oder in einer Praxisgemeinschaft arbeiten, sind nach § 18 EstG freiberuflich in einem sogenannten Katalogberuf tätig.

Jedoch gibt es auch die Möglichkeit, sich als Arzt in einer Praxis oder einem MVZ anstellen zu lassen. Je nach Art der Praxis stehen verschiedene Rechtsformen zur Auswahl. In diesem Artikel finden Sie alle relevanten Informationen rund um die Wahl der Rechtsform für Ihre Arzt-Praxis, BAG, MVZ und Praxis-Gemeinschaft verständlich erklärt.

Rechtsform Praxisform
Freiberufler Einzelpraxis
Gesellschaft bürgerlichen Rechts Gemeinschaftspraxis / BAG
Praxisgemeinschaft
MVZ
Partnerschaftsgesellschaft Gemeinschaftspraxis / BAG
MVZ
GmbH MVZ

Kosten der Praxisübernahme und Praxisgründung

Bild: Kostenkalkulation von einem Arzt
Planen Sie die Kosten rechtzeitig | © ronstilk / shutterstock.com

Wie jede Existenzgründung ist auch die Eröffnung einer Arztpraxis sowie der Einstieg in eine BAG oder Praxis-Gemeinschaft mit erheblichen Kosten verbunden. Aber wie viel kostet eine Arztpraxis genau?

Hierbei ist zu beachten, dass es erhebliche Unterschiede bei den Kaufpreisen gibt und bei den einzelnen Niederlassungsformen mit unterschiedlich hohen Kosten zu rechnen ist. Etwa 55 Prozent der Ärzte entschließen sich zu der Übernahme einer bestehenden Arztpraxis. Eine Praxisübernahme kostet für einen Humanmediziner ca. 150.000 Euro netto. Nur etwa 5 Prozent der Humanmediziner entschließen sich für die Neugründung einer Arztpraxis.

Die Kosten für eine Neugründung der eigenen Praxis liegen bei einem Preis von ca. 130.000 Euro netto. Die Kosten für die Neugründung einer Gemeinschaftspraxis (BAG) sind mit ca. 120.000 Euro fast genauso hoch wie bei der Neugründung einer Einzelpraxis. Die Übernahme einer bestehenden BAG ist mit etwa 150.000 Euro deutlich höher als die Neugründung. Der Eintritt bzw. der Beitritt in eine Gemeinschaftspraxis schließlich kostet genauso viel wie die Übernahme einer BAG.

Den richtigen KV Sitz zur Übernahme kaufen

Der erste Schritt zur eigenen Praxis ist häufig die Suche nach einer geeigneten Praxis oder Immobilie über eine Praxis-Börse. Hier finden Angebot und Nachfrage zueinander: Ärzte, die in Rente gehen suchen einen Nachfolger und Jungärzte suchen eine geeignete Praxis, da es aufgrund der Bedarfsplanung häufig nicht möglich ist eine eigene Praxis zu neu zu gründen.

Eine Praxis-Börse funktioniert ähnlich einem Portal zur Immobilien- oder Autosuche. Der Benutzer legt ein Konto an, auf dem er die Spezifika seiner Suche speichern kann: Standort, Größe der Praxis, Mitarbeiterzahl und vieles mehr. Die Praxis-Börse zeigt anschließend die Ergebnisse der Suche an oder informiert per Mail, wenn ein geeignetes Praxis-Angebot eingegangen ist. Vielen Ärzten, die auf einer Praxis-Börse inserieren, ist Diskretion sehr wichtig, deshalb erfolgt eine Kontaktaufnahme meist per Chiffre.

Bild: Tipps für den Medizingeräten-Kauf

Nur die wenigsten Praxis-Börsen sind kostenlos. Teilweise müssen Ärzte mit einer Gebühr von 3 Prozent des Kaufpreises (im Falle einer erfolgreichen Praxis-Übernahme) rechnen. Die Konditionen und das Angebot sind je nach Praxis-Börse sehr unterschiedlich.

Bewertung der Arztpraxis bei Praxisübernahme

Bei der Praxisübernahme erfolgt die Praxiswert-Ermittlung durch einen Sachverständigen oder einen Gutachter, wobei zwei Verfahen zur Ermittlung vom Praxiswert angewendet werden: Das modifizierte Ertragswertverfahren und die Ärztekammermethode. Das branchenübliche Verfahren ist das modifizierte Ertragswertverfahren. Dieses orientiert sich am IDWS 1 2008-Standard des Instituts der Deutschen Wirtschaftsprüfer und ist eine auf die Spezifika von einer Arztpraxis und Zahnarzt-Praxis angepasste Variante von dem herkömmlichen Ertragswertverfahren.

Auch die Bundesärztekammer (BÄK) hat eine Methode zur Praxiswert-Ermittlung entwickelt. Dabei orientiert sich die Bewertung an den Umsätzen einer Praxis in den vorangegangenen drei Jahren. Es wird ein Durchschnittsumsatz errechnet, von dem ein kalkulatorischer Arzt-Lohn abgezogen wird. Diese Methode der Praxiswert-Ermittlung hat allerdings zwei entscheidende Nachteile. Zum einen ist sie rein vergangenheitsorientiert und errechnet den Praxiswert nicht, wie heute üblich, anhand zukunftsorientierter prognostizierter Werte. Außerdem werden bei der Ärztekammermethode nur die Umsätze, nicht jedoch der tatsächliche Gewinn einer Arztpraxis berücksichtigt.

Praxiswert-Ermittlung Modifiziertes Ertragswertverfahren Ärztekammermethode
Verfahren Zukünfitge Gewinne werden für einen bestimmten Zeitraum in der Zukunft prognostiziert, so genanntes "Abzinsen" 1987 unter dem Namen „Richtlinie zur Bewertung von Arztpraxen" von der Bundesärztekammer veröffentlicht
Abzinsen: Wert zukünftiger Gewinne wird in der Gegenwart bestimmt durch Berücksichtigung von Zinsen und Zinseszinsen Berechnung Durchschnittsumsatz unter Berücksichtigung von einem kalkulatorischen Arzt-Lohn
Modifikation: Substanzwert der Praxis wird bei der Bewertung berücksichtigt Grundlage ist der durchschnittliche Jahresumsatz in den letzten drei Jahren vor der Praxisübergabe
Vorteile Zeitraum der Bewertung wird realisitisch für die Arzt-Praxis gewählt Konzentration auf Umsatzpotential der Praxis
Berücksichtigt Zinsen, Zinseszinsen und Substanzwert der Praxis Berücksichtigt materiellen und immateriellen Praxiswert
Nachteile Unternehmergehalt stellenweise willkürlich mit 35 Prozent bestimmt Vergangenheitsorientiert
Angebot und Nachfrage bestimmten den Wert Praxiswert wird nicht berechnet
Zukunftsprognose Nur Umsätze, nicht tatsächliche Gewinne berücksichtigt

Die richtige Praxis-Finanzierung finden

Bild: Ein Arzt mit einem Sparschwein (Finanzierung)
Mit der richtigen Finanzierung zur neuen Praxis | © Dmytro Flisak / shutterstock.com

Ist die Traum-Praxis erst einmal gefunden, steht mit der Finanzierung das Kernstück des Praxis-Vorhabens an. Denn von den Konditionen der Finanzierung hängt später ab, wie flexibel der Arzt auf finanzielle Veränderungen in der Praxis reagieren und in welchem Zeitraum die Praxis abbezahlt werden kann.

Tatsächlich wird die Frage der Finanzierung einer Arzt-Praxis laut apoBank häufig überschätzt. Aufgrund des geringen wirtschaftlichen Risikos einer Praxis ist die Finanzierung durch eine Bank in der Regel kein Hindernis auf dem Weg in die eingene Praxis. Als erstes fertigt Ihr Berater bei der Bank eine Mindestumsatzkalkulation an, auf Basis derer alle weiteren Konditionen festgelegt werden.

Um der Finanzierung Ihrer Arzt-Praxis zuzustimmen, benötigt die Bank umfangreiche Unterlagen von Ihnen, die zusammengefasst als Finanzplan bezeichnet werden. Welche Unterlagen Sie für das Kredit-Gespräch bei der Bank zur Finanzierung Ihrer Arzt-Praxis bereitstellen müssen haben wir in diesem Artikel mit detaillierten Checklisten zusammengestellt.

Businessplan und SWOT-Analyse

Niedergelassene Ärzte tragen das volle wirtschaftliche Risiko für Ihre Praxis und profitieren daher auch von hohen Gewinnen. Um die Praxis zu wirtschaftlichem Erfolg zu führen, lohnt sich ein Blick in den betriebswirtschaftlichen Werkzeugkasten. Hier hat sich der klassische Businessplan bewährt, um die geplante Praxis auf Herz und Nieren zu prüfen.

Als weiteres Instrument der BWL ist die SWOT-Analyse hilfreich, um Ihre Arzt-Praxis für die Zukunft auszurichten. Mit der SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) können Sie sich auf eine recht einfache Art ein realistisches Bild von der Marktsituation machen. So können Sie Ihre eigenen Stärken reflektieren und im Hinblick auf die äußeren Umstände zielgerichtet einsetzen. Auch bestehende Schwächen werden betrachtet, sodass Sie Strategien entwickeln können, um diese auszugleichen.

Praxis-Einrichtung und Ausstattung

Bild: Ein Stethoskop
Der Klassiker: Ein Stethoskop | © Martin Barraud / istockphoto.com

Die Einrichtung und Ausstattung einer Arzt-Praxis hat nicht nur unter praktischen Gesichtspunkten zu erfolgen. Vielmehr geben Möbel, Farben und andere Gestaltungselemente der Praxis erst ihr Gesicht und sind Ausdruck der Praxis-Philosophie.

Mit Hilfe des Innendesigns hat der Arzt die Möglichkeit Empfang, Wartezimmer, Behandlungszimmer, Mitarbeiterräume, Labor und Sterilisation so zu gestalten, dass sie seinen eigenen Vorstellungen entsprechen und eine angenehme Atmosphäre für das Praxis-Team und die Patienten entsteht.

Für seine Arbeit braucht ein Arzt neben seinem Fachwissen auch vielerlei medizinische Geräte. Je nach Praxis-Art und Facharzt-Ausbildung gehören erhebliche Investitionen in Medizintechnik und Equipment wie Behandlungsstühle dazu. Auch das digitale Zeitalter hat in der Arzt-Praxis Einzug gefunden. Heute ist ein Praxisverwaltungssystem (PVS) der Dreh- und Angelpunkt Ihrer Praxis. Mithilfe einer effizienten Software-Lösung regeln Sie alle Aufgaben in Verwaltung, Organisation und Betrieb. Weitere Informationen rund um das Thema Praxis-Einrichtung finden Sie hier.

Praxis-Einrichtung Gestaltungs-Elemente Funktion Kosten (Richtwert)
Möbel und Gestaltungselemente Empfangsbereich inkl. Empfangstheke Erste Anlaustelle für den Patienten ab 10.000 €
Wartezimmer-Möbel und Ausstattung Ruhe-Bereich und Warte-Bereich für die Patienten ab 3.500 €
Labor und Sterilisation Optimiert Arbeitsbedingungen und gewährleistet die Prozesssicherheit ab 3.500 €
Ausstattung des Mitarbeiterraumes Pausen-Raum für das Ärzte-Team ab 1.000 €
Medizintechnik Medizintechnik-Geräte Je nach Praxisschwerpunkt elementarer Bestandteil der Ausstattung individuell
Technisches Equipment Ermöglicht Spezialisierungen und Sonder-Behandlungen individuell
Behandlungsstühle Sitz- und Liege-Möglichkeit für den Patienten während der Untersuchung ab 2.500 €
Digitalisierung Software Digitales Herzstück der Praxis ab 35 € pro Monat

Die Abrechnung in einer Arztpraxis

Bild: Eine Ärztin bei der Abrechnung
Das Abrechnungssystem birgt Optimierungspotential | © Lisa S. / shutterstock.com

Für Vertragsärzte birgt das Abrechnungssystem nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) erhebliche Potentiale zur Optimierung des Gewinns in der Arzt-Praxis. Deshalb ist es wichtig sich mit den verschiedenen Budgets und EBM-Ziffern auszukennen. Aus der Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) rechnet der Arzt freie Leistungen ab.

Hinzu kommen qualitätsgebundene Zusatzvolumina (QZV) sowie das Regelleistungsvolumen (RLV), die bei der Abrechnung nach EBM je nach Arzt-Praxis individuell vergeben werden. Darüber hinaus verstecken sich laut apoBank Umsatzpotentiale von bis zu 30.000 Euro in der Abrechnung der extrabudgetären Leistungen der Einzelleistungsvergütung.

Doch auch Privatärzte haben sich bei der Abrechnung Ihrer Leistungen an gesetzliche Vorgaben zu halten. Für Sie ist die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) maßgeblich. Ausführliche Informationen und Erklärungen rund um die Abrechnung nach EBM Ziffern und GOÄ Ziffern finden Sie in diesem Artikel.