Mobiles EKG-Gerät für die Arztpraxis: Typen, Preise & Kauf

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Abstract – Mobiles EKG-Gerät: Typen, Kosten und Kaufkriterien

  • Ein mobiles EKG-Gerät kostet je nach Kanalzahl und Ausstattung zwischen 800 und 5.000 Euro netto und eignet sich für Hausbesuch, Bereitschaftsdienst und Erstdiagnostik am Patientenbett – nicht jedoch für den Rettungsdienst, für den eigene Gerätestandards mit Defibrillationsfunktion gelten.
  • Kaufentscheidend sind Kanalzahl (1-, 3- oder 12-Kanal), Akkulaufzeit sowie die BDT-/GDT-Schnittstelle zum Praxisverwaltungssystem, die lediglich Datenexport und -import zu einem festen Zeitpunkt regelt – keine echte bidirektionale Integration.
  • Patientenseitige Mobil-EKGs wie AliveCor KardiaMobile, Apple Watch oder die PPG-basierte App FibriCheck tragen unterschiedliche CE-Klassifizierungen als Medizinprodukt und ersetzen kein diagnostisches 12-Kanal-EKG in der Praxis; bei automatisierter Datenübertragung greifen DSGVO Art. 9 und MDR-Risikoklassen.
  • Für den Betrieb gilt die seit 20. Februar 2025 novellierte Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV): Ein mobiles EKG-Gerät gehört ins Bestandsverzeichnis nach § 14, eine sicherheitstechnische Kontrolle ist jedoch nur für Anlage-1-Produkte wie Defibrillatoren zwingend vorgeschrieben.

Was ist ein mobiles EKG-Gerät — und wo liegt der Einsatzbereich in der Praxis?

Ein mobiles EKG-Gerät zeichnet die elektrische Herzaktivität über Oberflächenelektroden auf und macht sie als EKG-Kurve sichtbar. Ein integrierter EKG-Rekorder verstärkt die Signale und speichert sie – technisch identisch zum stationären Gerät. Das Gehäuse wiegt unter 500 Gramm und vereint Akku, Elektronik und oft den Ausdruck. Diese Bauform unterscheidet das mobile EKG-Gerät von fest installierten Praxisgeräten.

Bild: Mobiles EKG-Gerät
Mobiles EKG-Gerät für Hausbesuch und Rettungswagen | © Kostastudio / shutterstock.com

Abgrenzung zu Ruhe-, Belastungs- und Langzeit-EKG

Ein Ruhe-EKG-Gerät misst am liegenden Patienten im Untersuchungsraum. Ein Belastungs-EKG-Gerät koppelt die Messung an ein Ergometer. Ein Langzeit-EKG-Gerät zeichnet über 24 bis 72 Stunden auf. Das mobile EKG-Gerät übernimmt keine dieser Funktionen dauerhaft, sondern ergänzt sie um Transportfähigkeit. Details zu den stationären Varianten finden Sie in den Ratgebern zu Langzeit-EKG-Geräten und Belastungs-EKG-Geräten.

Typische Einsatzszenarien: Hausbesuch, Bereitschaftsdienst, Kitteltaschen-EKG

Niedergelassene Ärzte setzen mobile EKG-Geräte vor allem in drei Situationen ein: beim Hausbesuch bei immobilen Patienten, im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst außerhalb der Praxisräume und bei der schnellen Erstdiagnostik am Patientenbett. So bringen Sie den Patienten nicht erst in den EKG-Raum. Ein Kitteltaschen-EKG mit einem Kanal deckt den zweiten und dritten Fall meist ausreichend ab. Für den Rettungsdienst mit höheren Anforderungen an Interpretationssicherheit gelten eigene Gerätestandards, die der Ratgeber für Notfall-EKG-Geräte im Detail beschreibt.

Kanalzahl im mobilen Einsatz: 1-, 3- und 12-Kanal-Geräte im Vergleich

Die Kanalzahl bestimmt, wie viele Ableitungen ein Gerät gleichzeitig aufzeichnet, und damit die diagnostische Aussagekraft. 1-Kanal-Geräte liefern einen groben Rhythmusstreifen und eignen sich für die Verlaufskontrolle bekannter Arrhythmien. 3-Kanal-EKG-Geräte bilden die Extremitätenableitungen ab und reichen für viele Hausbesuchsszenarien aus. 12-Kanal-EKG-Geräte entsprechen dem diagnostischen Standard eines Ruhe-EKGs und sind bei Verdacht auf einen akuten Myokardinfarkt indiziert.

Was kostet ein mobiles EKG-Gerät für die Praxis?

Die Anschaffungskosten für ein mobiles EKG-Gerät liegen zwischen 800 und 5.000 Euro netto und richten sich vor allem nach Kanalzahl, Displaygröße und Interpretationssoftware. Innerhalb dieser Spanne unterscheiden sich Basis- und gehobene Ausstattung erheblich, wie die folgende Übersicht zeigt.

GerätetypAusstattungPreisspanne (netto)BeispielmodellPreis (netto)
Mobiles Ruhe-EKG-GerätBasic800 – 5.000 €Biocare iE 6990 €
Mobiles Ruhe-EKG-GerätErweitert800 – 5.000 €Fukuda Denshi CardioMax FX-72022.300 €
Mobiles Langzeit-EKG-GerätBasic900 – 3.000 €Braemer Inc. DL 800900 €
Mobiles Langzeit-EKG-GerätGehoben900 – 3.000 €Medical Econet Cardio M Holter2.700 €
Mobiles Tablet-EKGErweitert1.000 – 2.500 €Edan PADECG1.395 €

Zubehör- und Folgekosten: Elektroden, Akkus, Übertragungsmodule

Zum Gerätepreis kommen Elektroden, Ersatzakkus und gegebenenfalls ein Übertragungsmodul für die PVS-Anbindung hinzu. Praxen kalkulieren hierfür 50 bis 700 Euro netto zusätzlich, abhängig davon, ob Einweg- oder Mehrwegelektroden eingesetzt werden. Wartungskosten fallen in der Regel jährlich an. Praxen sollten sie bereits bei der Kaufentscheidung einpreisen.

Tipp: Kalkulieren Sie Zubehör- und Wartungskosten von Anfang an ein. Bei mobilen Geräten mit häufigem Elektrodenwechsel übersteigen die Folgekosten über drei Jahre nicht selten 20 Prozent des Anschaffungspreises.

Worauf sollten Ärzte beim Kauf achten?

Akkulaufzeit und Gewicht für den mobilen Dauereinsatz

Ein mobiles EKG-Gerät im Bereitschaftsdienst muss mehrere Einsätze ohne Zwischenladung überstehen. Modelle mit austauschbarem Akku reduzieren das Risiko eines Ausfalls im entscheidenden Moment gegenüber fest verbauten Akkus. Das Gewicht wirkt sich unmittelbar auf die Praxistauglichkeit beim Hausbesuch aus: Geräte über 1,5 Kilogramm werden in der Kitteltasche schnell unpraktisch.

Datenübertragung ins PVS: BDT-/GDT-Schnittstelle — Export/Import vs. echte Integration

BDT (Behandlungsdatenträger) und GDT (Gerätedatenträger) bezeichnen Dateiformate, über die EKG-Software und Praxisverwaltungssystem Befunde austauschen. Beide Standards regeln den Datenexport und -import zu einem bestimmten Zeitpunkt. Eine durchgehende, bidirektionale Integration entsteht dadurch nicht – dafür müssten beide Systeme in Echtzeit lesend und schreibend aufeinander zugreifen. Wer „volle PVS-Integration“ als Kaufargument hört, sollte konkret nachfragen: Handelt es sich um einen einmaligen GDT-Export oder um eine tatsächliche Anbindung mit Rückschreibefunktion? Der Unterschied entscheidet darüber, ob Befunde doppelt erfasst werden müssen.

Interpretationsmodul: Selbstauswertung oder Weiterleitung an Kardiologen

Ein Interpretationsmodul wertet die EKG-Kurve automatisch aus und markiert Auffälligkeiten. Für die Selbstauswertung genügt häufig ein Basis-Algorithmus; bei komplexen Rhythmusstörungen bleibt die Weiterleitung an einen Kardiologen der sicherere Weg.

Haftungsrisiko: Eine fehlerhafte Selbstinterpretation ohne fachärztliche Rückversicherung kann im Schadensfall zum Vorwurf des Diagnosefehlers führen. Dokumentieren Sie die Entscheidung für oder gegen eine externe Auswertung nachvollziehbar in der Patientenakte.

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Mobiles EKG gebraucht kaufen — lohnt sich die Alternative?

Ersparnis gegenüber Neugeräten (Richtwert)

Gebrauchte mobile EKG-Geräte kosten bis zu 30 Prozent weniger als Neugeräte und eignen sich für Zweitgeräte oder die Erstausstattung einer neuen Praxis mit begrenztem Budget. Voraussetzung ist ein lückenloser Nachweis der letzten sicherheitstechnischen Prüfung durch den Vorbesitzer oder Händler.

Worauf beim Gebrauchtkauf zu achten ist

  • [ ] Prüfprotokoll und Wartungshistorie vollständig vorhanden
  • [ ] Software-Lizenz auf den neuen Betreiber übertragbar
  • [ ] Elektroden- und Kabelverschleiß funktional geprüft
  • [ ] Herstellerseitiger Support für das Modell noch verfügbar

Eine ausführliche Übersicht zu Anbietern, Preisen und Risiken beim Gebrauchtkauf finden Sie im Ratgeber zu gebrauchten EKG-Geräten.

Patientenseitige Mobil-EKGs: Was Praxen zu Wearables & Co. wissen müssen

Neben Geräten für die Praxis selbst bringen Patienten zunehmend eigene Messwerte mit – erfasst über Smartwatch, EKG-Pflaster oder Smartphone-App. Diese Formfaktoren ersetzen kein mobiles EKG-Gerät der Praxis, verändern aber die Erstanamnese.

Formfaktoren im Überblick

Der AliveCor KardiaMobile misst 1-Kanal-EKGs für etwa 100 bis 140 Euro. Das 6-Kanal-Modell KardiaMobile 6L liegt je nach Anbieter bei rund 150 bis 250 Euro. Das EKG-Pflaster Zio Monitor von iRhythm wird bis zu 14 Tage getragen und trägt die CE-Kennzeichnung nach EU-MDR – in Deutschland ist es allerdings noch nicht erhältlich, gelistet sind bislang nur Österreich, die Niederlande, Spanien, die Schweiz und Großbritannien. Die EKG-Funktion der Apple Watch trägt die CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt und ist seit März 2019 auch in Deutschland verfügbar. Die 30-Sekunden-Messung ersetzt jedoch kein klinisches Mehrkanal-EKG. Die App FibriCheck trägt eine CE-Zertifizierung als Medizinprodukt der Klasse IIa. Sie misst dabei aber über die Smartphone-Kamera die Pulswelle (Photoplethysmographie) – kein tatsächliches Elektrokardiogramm.

IoMT-Datenübertragung an die Praxis: Anforderungen nach DSGVO und MDR

Sobald ein Patientengerät Messwerte automatisiert an die Praxis überträgt, verarbeitet die Praxis Gesundheitsdaten im Sinne von Art. 9 DSGVO – mit entsprechenden Datenschutz-Konsequenzen (Verschlüsselungs- und Dokumentationspflicht). Auf Herstellerseite bestimmt die MDR-Risikoklasse den Prüfaufwand der zugrunde liegenden Software. Reine Fitness-Funktionen ohne Diagnoseanspruch bleiben unreguliert; Anwendungen mit Diagnose- oder Therapieentscheidungsfunktion fallen nach Regel 11 MDR mindestens in Klasse IIa. Praxen sollten vor Einbindung eines Patientengeräts in den Behandlungspfad prüfen, ob der Hersteller eine gültige CE-Kennzeichnung für den medizinischen Verwendungszweck ausweist. Eine reine Fitness-Zertifizierung reicht dafür nicht aus. Eine „Zulassung“ im behördlichen Sinne sieht das europäische Medizinprodukterecht dabei nicht vor – maßgeblich ist die CE-Kennzeichnung nach durchlaufener Konformitätsbewertung.

Wann sind Patienten-Selbstmessungen für die Diagnostik ausreichend — und wann nicht?

Ein 1-Kanal-Signal von Smartwatch oder Fingersensor eignet sich zur Verlaufskontrolle bei bekanntem Vorhofflimmern und als Trigger für eine Praxisvorstellung. Für die Erstdiagnose komplexer Herzrhythmusstörungen oder den Ausschluss eines akuten Koronarsyndroms ersetzt keines der genannten Geräte ein 12-Kanal-EKG in der Praxis. Bei PPG-basierten Apps kommt hinzu, dass keine elektrische Herzaktivität, sondern nur die Pulswelle gemessen wird – die Aussagekraft bleibt entsprechend begrenzt.

FAQ: Häufige Fragen zum mobilen EKG-Gerät

Ist ein mobiles EKG-Gerät für den Bereitschaftsdienst zulassungspflichtig nach MPBetreibV?

Eine behördliche Einzelzulassung sieht das europäische Medizinprodukterecht nicht vor – Voraussetzung für den Verkauf ist die CE-Kennzeichnung nach MDR. Die novellierte Medizinprodukte-Betreiberverordnung regelt seit dem 20. Februar 2025 stattdessen den Betrieb. Praxen führen aktive, nicht implantierbare Geräte wie ein mobiles EKG-Gerät im Bestandsverzeichnis nach § 14 MPBetreibV. Eine turnusmäßige sicherheitstechnische Kontrolle ist nur für die in Anlage 1 gelisteten, besonders kritischen Produktgruppen vorgeschrieben – etwa Defibrillatoren oder Beatmungsgeräte. Ein reines EKG-Aufzeichnungsgerät ohne Defibrillationsfunktion fällt in der Regel nicht darunter, sofern der Hersteller keine abweichende Vorgabe macht.

Kann ein mobiles EKG-Gerät ein Ruhe-EKG-Gerät in der Praxis vollständig ersetzen?

Bei 12-Kanal-Ausführung liefert ein mobiles Gerät technisch dieselbe diagnostische Tiefe wie ein stationäres Ruhe-EKG-Gerät. In der Praxis sprechen Bedienkomfort, Displaygröße und oft fehlende Anbindung an einen fest installierten Drucker gegen den dauerhaften Ersatz im Untersuchungsraum. Sinnvoll ist die Kombination aus stationärem Gerät für den Regelbetrieb und mobilem Gerät für Hausbesuch und Ausweichszenarien.

Wie sicher sind über IoMT übertragene EKG-Daten von Patienten-Wearables?

Die Übertragungssicherheit hängt vom jeweiligen Hersteller ab und lässt sich nicht pauschal für alle Wearables beantworten. Verschlüsselte Übertragung und eine CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt sind Mindestanforderungen; unzertifizierte Fitness-Gadgets ohne medizinischen Verwendungszweck bieten hierfür keine verbindliche Garantie. Praxen, die solche Daten in die Behandlungsdokumentation übernehmen, sollten Herkunft und Zertifizierung des Ursprungsgeräts dokumentieren.

Warum ist ein tragbares EKG-Gerät für den Stallbesuch bei Pferden notwendig?

Pferde lassen sich für ein EKG in der Regel nicht in die Praxis transportieren – die Untersuchung findet stehend im Stall statt. Ein tragbares EKG-Gerät mit Bauchgurt oder Klebeelektroden zeichnet die Herzaktivität direkt vor Ort auf, teils ergänzt um GPS-Daten für ein Belastungs-EKG während der Bewegung. Einen Vergleich geeigneter Modelle nach Tierart finden Sie im Ratgeber für EKG-Geräte in der Tiermedizin.

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