EKG (Elektrokardiogramm) einfach erklärt

Abstract – EKG: Ablauf, Dauer und Vorbereitung

  • Das EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf und ist beim Ruhe-EKG als 12-Kanal-EKG mit zehn Elektroden und zwölf Ableitungen der diagnostische Standard; es liefert jedoch keine Aussage zu Koronardurchblutung oder Pumpleistung, sondern ausschließlich zur elektrischen Erregung.
  • Ablauf und Vorbereitung unterscheiden sich nach EKG-Art: Das Ruhe-EKG dauert 1–2 Minuten reine Aufzeichnung, das Belastungs-EKG (Ergometrie) 6–15 Minuten, das Langzeit-EKG 18–24 Stunden; bei Ruhe- und Belastungs-EKG ist der Oberkörper vollständig zu entkleiden, inklusive BH.
  • Die Abrechnung erfolgt privatärztlich über GOÄ-Ziffer 651 (253 Punkte), während das Ruhe-EKG in der GKV mit der Versichertenpauschale abgegolten ist; das Belastungs-EKG rechnet der Arzt über EBM-Ziffer 03321 ab. Ohne medizinische Indikation zahlen Patienten das EKG als IGeL selbst, in der Regel 20 bis 75 Euro.
  • Neben Ruhe-, Belastungs- und Langzeit-EKG existieren Loop-Recorder für seltene Rhythmusstörungen sowie Smartwatch-EKGs als 1-Kanal-Verfahren; Letztere erkennen Vorhofflimmern, ersetzen aber keine ärztliche Diagnostik und schließen einen Herzinfarkt nicht aus.

Was ist ein EKG (Elektrokardiogramm)?

Definition: Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität

Das EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens über die Zeit auf. Jeder Herzschlag entsteht durch elektrische Impulse, die im Sinusknoten starten und sich über Vorhöfe und Kammern ausbreiten. Elektroden auf der Haut erfassen diese Spannungsänderungen und leiten sie an das EKG-Gerät weiter. Das Gerät wandelt die Signale in eine charakteristische Kurve um — die EKG-Kurve mit den bekannten P-, Q-, R-, S- und T-Zacken.

Abkürzung und Herkunft: EKG vs. ECG, Elektrokardiogramm ausgeschrieben

EKG steht für Elektrokardiogramm, zusammengesetzt aus den griechischen Wurzeln „elektro“ (elektrisch), „kardia“ (Herz) und „gramm“ (Aufzeichnung). Im englischsprachigen Raum verwendet man die Abkürzung ECG, abgeleitet von „electrocardiogram“. Beide Begriffe bezeichnen dieselbe Untersuchung; deutschsprachige Praxen und Kliniken nutzen nahezu ausschließlich EKG.

Abgrenzung: EKG vs. Herzfrequenz/Puls, EKG vs. EEG

Das EKG misst die elektrische Aktivität des Herzens, nicht allein die Herzfrequenz. Ein Pulsmesser oder eine Smartwatch erfasst lediglich die Anzahl der Schläge pro Minute, ohne die Form der elektrischen Erregung darzustellen. Nur das EKG zeigt, ob die Erregungsausbreitung regelrecht verläuft oder Störungen wie Blockierungen und Rhythmusstörungen vorliegen. Das EEG (Elektroenzephalogramm) untersucht dagegen die elektrische Aktivität des Gehirns und hat mit der Herzdiagnostik nichts zu tun — die Namensähnlichkeit führt in der Praxis häufig zu Verwechslungen.

Wofür wird ein EKG gemacht?

Häufigste Indikationen (Vorsorge, Symptomabklärung, Check-up 35)

Ärzte setzen das EKG bei drei Anlässen am häufigsten ein: 

  1. zur Abklärung akuter Symptome wie Brustschmerz, Herzstolpern oder Luftnot,
  2. zur Verlaufskontrolle bekannter Herzerkrankungen und
  3. ergänzend im Rahmen der Vorsorge.

Ein EKG gehört nicht zum regulären Leistungsumfang des Gesundheits-Check-up 35 der gesetzlichen Krankenversicherung. Stellt der Hausarzt bei der Puls- oder Rhythmuskontrolle jedoch eine Auffälligkeit fest, veranlasst er ergänzend ein Ruhe-EKG. Auch vor Operationen mit Narkose fordern Anästhesisten häufig ein aktuelles EKG an, um das Herz-Kreislauf-Risiko einzuschätzen.

Was ein EKG erkennen kann — und was nicht

Ein EKG erkennt Rhythmusstörungen, Erregungsleitungsblöcke und Hinweise auf einen akuten oder abgelaufenen Herzinfarkt. Es dokumentiert außerdem Anzeichen einer Herzmuskelverdickung oder einer gestörten Erregungsrückbildung. Über die tatsächliche Durchblutung der Herzkranzgefäße trifft das EKG jedoch keine direkte Aussage, solange die elektrische Erregungsausbreitung selbst nicht beeinträchtigt ist. Das ist meist erst bei einer fortgeschrittenen Durchblutungsstörung der Fall. Ebenso wenig zeigt das EKG die tatsächliche Pumpleistung des Herzens, da es ausschließlich die elektrische Erregung, nicht die mechanische Kontraktionskraft erfasst; Auskunft über die Auswurfleistung liefert erst eine Echokardiographie (Herz-Ultraschall). 

Nicht jede EKG-Auffälligkeit bedeutet eine ernsthafte Erkrankung, und ein unauffälliges EKG schließt eine Herzerkrankung nicht in jedem Fall aus — insbesondere in den ersten Stunden nach Symptombeginn kann die Aussagekraft eingeschränkt sein. Welche Befunde als abnormal gelten und was sie im Einzelfall bedeuten, erläutert der Artikel zum abnormalen EKG im Detail.

Wie läuft eine EKG-Untersuchung ab?

Ablauf Schritt für Schritt (Ruhe-EKG als häufigste Form)

Beim Ruhe-EKG, der häufigsten EKG-Form, kommt in der Praxis meist ein 12-Kanal-EKG zum Einsatz — der Standard in Diagnostik und Notfallmedizin. Dafür klebt die medizinische Fachangestellte zehn Elektroden auf Brustkorb, Arme und Beine, aus denen das Gerät zwölf Ableitungen gleichzeitig berechnet. Die Aufzeichnung selbst dauert nur wenige Sekunden bis Minuten. Sie liegen dabei ruhig auf der Liege, ohne zu sprechen oder sich zu bewegen, da Muskelaktivität die Kurve verfälscht. Nach der Aufzeichnung entfernt das Personal die Elektroden, und der Arzt wertet die Kurve unmittelbar aus. 

Wo wird ein EKG gemacht? (Hausarzt, Kardiologe, Klinik)

Hausärzte führen das Ruhe-EKG als Basisdiagnostik in der eigenen Praxis durch. Kardiologen ergänzen es um Belastungs- und Langzeit-EKG sowie spezialisierte Ableitungsverfahren. In Kliniken gehört das EKG zur Standardausstattung jeder Notaufnahme und jeder kardiologischen Station.

Übersicht: Anwendungsort und Dauer je EKG-Art

EKG-ArtTypischer AnwendungsortDauer der Aufzeichnung
Ruhe-EKGHausarztpraxis, Kardiologie1–2 Minuten
Belastungs-EKG (Ergometrie)Kardiologische Praxis, Klinik6–15 Minuten
Langzeit-EKGKardiologische Praxis18–24 Stunden (teils bis 7 Tage)

Wie lange dauert ein EKG?

Dauer je nach Kontext (Hausarzt, Klinik, Vorbereitung inklusive)

Die reine Aufzeichnung eines Ruhe-EKG dauert ein bis zwei Minuten. Inklusive Anlegen der Elektroden und Entkleiden rechnen Praxen fünf bis zehn Minuten Terminzeit ein. In der Klinik verlängert sich die Wartezeit je nach Auslastung der Station, die Untersuchung selbst bleibt gleich kurz.

Unterschied zur Auswertungsdauer

Die Aufzeichnungsdauer unterscheidet sich von der Auswertungsdauer. Der Arzt liest die Kurve unmittelbar nach der Aufzeichnung, bei Auffälligkeiten folgt eine ausführlichere Analyse. Ein Langzeit-EKG benötigt nach Ende der Trageperiode zusätzliche Zeit für die computergestützte Auswertung der aufgezeichneten Daten.

Muss ich mich beim EKG ausziehen? Vorbereitung für Patienten

Kleidung und BH: Was bei Ruhe- und Belastungs-EKG gilt

Für ein Ruhe-EKG oder Belastungs-EKG entkleiden Sie den Oberkörper vollständig, da die Brustwandelektroden direkten Hautkontakt benötigen. Frauen ziehen dafür auch den BH aus, weil das Gerät Elektroden unterhalb und seitlich der Brust platziert. Ein BH würde diese Positionen verdecken oder die Klebeelektroden lösen. Das Praxispersonal reicht ein Einmal-Hemd oder ein Tuch zur Abdeckung, sodass Sie nicht durchgehend unbekleidet auf der Liege liegen.

Oberkörper frei, Schmuck ablegen — was ist notwendig?

Metallschmuck im Bereich der Elektroden stört die Signalübertragung und sollte vor der Untersuchung abgelegt werden. Ketten, die über den Brustkorb reichen, oder Armbänder im Bereich der Extremitätenelektroden entfernen Sie am besten schon vor dem Termin. Bei den Beinelektroden reicht es, Hosenbeine hochzukrempeln oder Strümpfe kurzzeitig auszuziehen.

Weitere Vorbereitung (Koffein, Hautkontakt der Elektroden)

Koffein und Nikotin kurz vor dem Termin beeinflussen Herzfrequenz und Blutdruck und können die Kurve geringfügig verändern. Eine strikte Nüchternheit verlangt das Ruhe-EKG jedoch nicht. Trockene oder stark behaarte Haut verschlechtert den Elektrodenkontakt; das Praxispersonal reinigt die Haut bei Bedarf vor dem Aufkleben und rasiert bei starker Brustbehaarung die betroffenen Stellen, damit die Elektroden sicher haften. Moderne Geräte werten die Kurve zwar vor, die endgültige Beurteilung übernimmt jedoch immer der Arzt.

Welche EKG-Arten gibt es?

Ruhe-EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG im Überblick

Das Ruhe-EKG erfasst die Herzaktivität im Liegen und dient als Basisuntersuchung. Das Belastungs-EKG (Ergometrie) zeichnet die Herzaktivität unter definierter körperlicher Belastung auf einem Fahrradergometer auf und deckt belastungsabhängige Durchblutungsstörungen auf. Das Langzeit-EKG registriert die Herzaktivität über 18 bis 24 Stunden im Alltag und erfasst so Rhythmusstörungen, die im kurzen Ruhe-EKG unentdeckt blieben. Bei sehr selten auftretenden Rhythmusstörungen kommt ergänzend ein Loop-Recorder zum Einsatz, den Patienten über mehrere Tage am Gürtel tragen oder als kleines Gerät implantiert bekommen.

Smartwatches und spezielle Smartphone-Sensoren zeichnen zusätzlich ein sogenanntes 1-Kanal-EKG auf und erkennen damit vor allem Vorhofflimmern zuverlässig. Ein solches Gerät ersetzt jedoch keine ärztliche Untersuchung und kann insbesondere einen Herzinfarkt nicht ausschließen; die Beurteilung der aufgezeichneten Kurve gehört in ärztliche Hände.

Ablauf, Normwerte und Vorbereitung der einzelnen Verfahren finden Sie in den Detailartikeln zum Ruhe-EKG, Belastungs-EKG und Langzeit-EKG.

FAQ: Häufige Fragen zum EKG

Ist ein EKG schmerzhaft oder gefährlich?

Ein EKG verursacht keine Schmerzen. Die Elektroden kleben auf der Haut und senden keine Signale in den Körper, sie zeichnen ausschließlich die ohnehin vorhandene elektrische Aktivität des Herzens auf. Beim Belastungs-EKG steigt durch die körperliche Anstrengung kurzzeitig das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse. Ein Arzt überwacht die Untersuchung deshalb durchgehend und bricht sie bei einem zu starken Blutdruckanstieg, bei Angina pectoris, bei ausgeprägter Erschöpfung oder beim Erreichen des altersabhängigen Maximalpulses ab (Faustregel: 220 minus Lebensalter).

Wer rechnet ein EKG ab — welche GOÄ-/EBM-Ziffer wird verwendet?

Privatärztlich rechnet der Arzt das Ruhe-EKG über die GOÄ-Ziffer 651 (253 Punkte) ab. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist das Ruhe-EKG Bestandteil der hausärztlichen Versichertenpauschale (GOP 03000) und wird nicht gesondert vergütet. Das Belastungs-EKG rechnet der Arzt dagegen über die EBM-Ziffer 03321 ab.

Was kostet ein EKG?

Besteht eine medizinische Indikation wie Symptome oder eine bekannte Herzerkrankung, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten vollständig. Wünschen Sie ein EKG ohne konkreten Anlass, etwa im Rahmen einer erweiterten Vorsorge, zahlen Sie es als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) selbst; der Preis für ein Ruhe-EKG beträgt in der Regel zwischen 20 und 75 Euro. Privatversicherte werden über die GOÄ abgerechnet, die Kosten variieren je nach Steigerungssatz der Praxis. 

Kann ein EKG einen Herzinfarkt sicher ausschließen?

Ein unauffälliges EKG schließt einen Herzinfarkt nicht mit letzter Sicherheit aus, insbesondere in den ersten Stunden nach Symptombeginn. Ärzte kombinieren das EKG bei Verdacht auf einen Herzinfarkt deshalb regelmäßig mit Bluttests auf Troponin und der klinischen Symptomatik.

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Autor: Nils Buske, zuletzt aktualisiert am