Abstract – E.M.S. Electro Medical Systems: Stoßwellengeräte Orthopädie Schmerztherapie
- E.M.S. Electro Medical Systems (Nyon, Schweiz; gegr. 1981) ist technologische Referenz für radiale Stoßwellengeräte (RSWT®) in Orthopädie und Schmerzmedizin und hält seit 1997 das Patent auf die ballistische Technologie zur Erzeugung radialer Druckwellen; das Unternehmen ist darüber hinaus in den Bereichen Dentalprophylaxe (AIRFLOW®, PIEZON®, GBT) und Urologie (LithoClast®, endoskopische Lithotripsie) aktiv.
- Das Pain-Therapy-Portfolio umfasst radiale Geräte (DolorClast® Radial Shock Waves, Smart20, Master, Classic; Eindringtiefe 1–45 mm; ca. 7.000–15.000 € netto), das fokussierte Swiss PiezoClast® (piezoelektrisch, bis 80 mm; ca. 20.000–25.000 € netto), das Kombigerät Swiss DuoClast® sowie den DolorClast® High Power Laser (905 nm, 300 W, bis 120 mm Gewebedurchdringung) als Komponente der Guided DolorClast® Therapy (GDT).
- Abrechnungsrelevant: Die GKV erstattet ESWT ausschließlich bei Fasciitis plantaris (ICD-10: M72.2G) nach EBM GOP 30440 (247 Punkte, 31,47 € extrabudgetär, Stand 2026), beschränkt auf Fachärzte für Orthopädie/Unfallchirurgie und Physikalische Rehabilitative Medizin mit KV-Genehmigung; alle weiteren Indikationen werden privatärztlich abgerechnet (fokussierte ESWT: GOÄ Analog A1800, 1.480 Punkte; radiale ESWT: GOÄ Nr. 302, 250 Punkte).
- Im Praxisbetrieb unterliegen EMS-Geräte der MDR 2017/745 (CE-Kennzeichen) sowie der MPBetreibV (§ 8 Instandhaltung, § 11 Meldepflicht gegenüber BfArM); das Swiss DolorClast® Classic ist das einzige radiale ESWT-Gerät weltweit mit FDA-Zulassung (PMA P050004) für die plantare Fasziopathie.
Inhaltsverzeichnis
Kennzahlen im Überblick
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1981 |
| Gründungsort | Vallée de Joux, Schweiz |
| Hauptsitz | Nyon, Schweiz |
| Deutschlandsitz | Stahlgruberring 12, 81829 München |
| Mitarbeiter | rund 1.000 weltweit |
| Geschäftsführung Deutschland | Tanja Reichenberg |
| Kernbereiche | Stoßwellentherapie (Pain Therapy), Dentalprophylaxe, Urologie |
| Patente | Patent auf ballistische RSWT®-Technologie (1997) |
| Behandelte Patienten | über 100 Millionen (seit 1999, DolorClast®-Lösungen) |
| Website | ems-company.com |
E.M.S. Electro Medical Systems: Hintergrund und Positionierung
E.M.S. Electro Medical Systems wurde 1981 von Bernd Bühner und Pierre Mabille im schweizerischen Vallée de Joux gegründet. Die Region steht seit über 200 Jahren für Mikromechanik und Schweizer Präzision. Uhrenmarken wie Jaeger-LeCoultre zählten zu den frühen Entwicklungspartnern von EMS.
Das Unternehmen ist heute in drei klinischen Feldern aktiv. In der Dentalprophylaxe bezeichnet sich EMS als Marktführer: Als Erfinder der AIRFLOW®-Methode (1982) und der PIEZON®-Ultraschalltechnologie hat das Unternehmen die zahnärztliche Prophylaxe maßgeblich geprägt und ist nach eigenen Angaben führend in den Segmenten Air-Polishing und Ultraschall-Scaler. Das aktuelle Konzept der Guided Biofilm Therapy (GBT) — ein standardisiertes Protokoll zur evidenzbasierten Biofilmkontrolle — wird weltweit in über 70 Ländern gelehrt. In der Urologie ist EMS mit dem LithoClast®-System Marktführer in der endoskopischen Lithotripsie: Das Gerät gilt als etablierter Standard zur Zertrümmerung von Harn- und Nierensteinen. Der dritte Geschäftsbereich — Stoßwellentherapie und Schmerzmedizin — ist der für niedergelassene Ärzte und Orthopäden relevante Bereich und Gegenstand dieses Artikels.
Der entscheidende technologische Meilenstein in der Schmerztherapie folgte 1997: EMS patentierte die ballistische Technologie zur Erzeugung radialer Druckwellen — seitdem gilt das Unternehmen als technologische Referenz für radiale Stoßwellengeräte (RSWT®). 2020 führte EMS die Guided DolorClast® Therapy (GDT) ein — ein standardisiertes Behandlungsprotokoll, das Stoßwellen- und Lasertherapie kombiniert.
Das Unternehmen beschäftigt heute rund 1.000 Mitarbeiter weltweit. Der deutsche Vertriebssitz liegt in München (Stahlgruberring 12). Mit über 100 Millionen behandelten Patienten seit 1999 belegt EMS eine klare Marktführerposition im Segment der Stoßwellengeräte für Orthopädie und Schmerztherapie.
Das Produktportfolio von E.M.S. Electro Medical Systems
EMS adressiert mit seinem Pain-Therapy-Portfolio drei Geräteklassen: radiale Stoßwellen, fokussierte Stoßwellen und Hochleistungslasertherapie. Ihre Kombination ist das konzeptionelle Herzstück der Guided DolorClast® Therapy.
Radiale Stoßwellengeräte: DolorClast®-Reihe
Radiale Stoßwellengeräte dieser Klasse arbeiten über einen ballistischen Mechanismus: Druckluft beschleunigt ein Projektil, das auf den Applikator trifft. Die kinetische Energie wird in eine Druckwelle umgewandelt, die von der Hautoberfläche aus in das Zielgewebe eindringt — mit variabler Eindringtiefe von 1 bis 45 mm.
Die aktuelle DolorClast®-Reihe umfasst vier Modelle:
- DolorClast® Radial Shock Waves — das leistungsstärkste radiale Gerät im Portfolio, ausgelegt auf bis zu 25 Hz. Eine Vergleichsstudie von Reinhardt et al. (Helmholtz-Institut RWTH Aachen) misst beim Radial Shock Waves nur 18,8 % Energieverlust bei hohen Frequenzen — beim Referenzgerät waren es 90,2 %. Das Gerät wiegt 15 kg, ist mobil einsetzbar und bietet fünf Smart-Protokolle sowie drei Aktionsmodi (Analgesic, Ramp-Up, Burst). 5.000 Impulse mit maximaler Leistung werden in 3:20 Minuten abgegeben.
- Swiss DolorClast® Smart20 — die kompaktere und budgetfreundlichere Variante der radialen Linie, ebenfalls bis 25 Hz. Für Praxen, die in die radiale ESWT einsteigen und dabei maximale Flexibilität bei überschaubarer Investition suchen.
- Swiss DolorClast® Master — das Einstiegsgerät für radiale ESWT mit externem Kompressor. Geeignet für alle oberflächlichen muskuloskelettalen Indikationen. Preisklasse: ca. 7.000–15.000 € netto.
- Swiss DolorClast® Classic — das originale radiale Stoßwellengerät von EMS, seit 1999 im Einsatz bei Tendopathien und Verkalkungen. Es war das weltweit erste Gerät, das 2001 für die Behandlung von Triggerpunkten eingesetzt wurde. Als einziges radiales ESWT-Gerät weltweit trägt es eine FDA-Zulassung (PMA P050004) für die plantare Fasziopathie. Frequenzbereich: 1–20 Hz, Luftdruck 1–4 bar, individuell einstellbar.
Tipp: Das Swiss DolorClast® Classic eignet sich durch seinen stufenlosen Druckbereich (unter 1,5 bar einstellbar) auch für sensible Behandlungsregionen — z. B. Kinderpatienten oder Extremitäten.
Fokussierte Stoßwellentherapie: Swiss PiezoClast®
Das Swiss PiezoClast® arbeitet mit piezoelektrischer Stoßwellengenerierung: Hochspannung wird auf 1.000 Piezokristalle angelegt. Die entstehenden Druckwellen fokussieren sich auf ein zigarrenförmiges Gewebevolumen — mit Eindringtiefe bis 80 mm. Tiefliegende Pathologien, die radialen Systemen nicht zugänglich sind, lassen sich so gezielt behandeln.
Technisch relevante Eckdaten:
- Spitzendruck doppelt so hoch wie bei Vergleichsgeräten
- Gewicht: 10 kg, kein Wasserkühlsystem erforderlich
- Handstücklebensdauer: über 5 Millionen Impulse, wartungsfrei
- Piezoelektrische Generierung vermeidet mechanische Verschiebungen — relevant bei Enthesopathien und empfindlichen Patienten
- Preisklasse: ca. 20.000–25.000 € netto.
Tipp: Das Swiss PiezoClast® ist die Wahl für chronische Tendinopathien tiefer Strukturen — etwa an der distalen Bizepssehne, der Achillessehne oder bei Knochenmarködem-Syndromen — wo die radiale ESWT an ihre physikalischen Grenzen stößt.
Kombilösung: Swiss DuoClast®
Das Swiss DuoClast® vereint die Swiss DolorClast® Master-Einheit (radiale ESWT) und das Swiss PiezoClast® (fokussierte ESWT) in einem Gerät. Es deckt damit das vollständige Indikationsspektrum ab — von oberflächlichen bis zu tiefliegenden Pathologien. Softwarefunktionen für Behandlungshistorie und Schmerzreduktionstracking sind integriert.
Das DuoClast® eignet sich für Praxen mit breitem muskuloskelettalen Behandlungsspektrum — vor allem dort, wo beide ESWT-Technologien regelmäßig gefragt sind.
DolorClast® High Power Laser
Als ergänzende Komponente der GDT bietet EMS den DolorClast® High Power Laser — einen 905-nm-Superpuls-Laser mit 300 W Spitzenleistung und 100 ns Pulsdauer. Die kurze Pulsdauer hält das Gewebe unterhalb der thermischen Schwelle. Die hohe Spitzenleistung ermöglicht eine Gewebedurchdringung bis 120 mm.
Klinische Wirkprofile:
- Analgetische Wirkung durch Hemmung der Nozizeptoren — bereits innerhalb von 5 Minuten nach Behandlungsende
- Entzündungsreduktion ab der ersten Sitzung (Reduktion von Prostaglandin E2)
- Stimulierung von Gewebereparatur und Zellstoffwechsel
Das Gerät bietet 40 Protokolle und 7 Aktionsmodi, wiegt 8 kg und ist im Automatikmodus freihändig bedienbar. Gemäß GDT-Protokoll wird der Laser entweder 5 Minuten oder 1 Stunde vor der Stoßwellenbehandlung eingesetzt — je nach angestrebter Wirktiefe.
| Gerät | Technologie | Eindringtiefe | Indikationsprofil | Preisklasse (netto) |
|---|---|---|---|---|
| Swiss DolorClast® Master | Radiale ESWT (ballistisch) | 1–45 mm | Oberflächliche MSK-Pathologien | ca. 7.000–15.000 € |
| Swiss DolorClast® Smart20 | Radiale ESWT, bis 25 Hz | 1–45 mm | MSK, breites Indikationsspektrum | ca. 10.000–15.000 € |
| Swiss DolorClast® Classic | Radiale ESWT, 1–20 Hz | 1–45 mm | Fasciitis plantaris (FDA), seit 1999 | ca. 7.000–12.000 € |
| Swiss PiezoClast® | Fokussierte ESWT (piezoelektrisch) | 5–80 mm | Tiefe Tendinopathien, Enthesopathien | ca. 20.000–25.000 € |
| Swiss DuoClast® | Radial + fokussiert | 1–80 mm | Kombinationstherapie, breites Spektrum | auf Anfrage |
| DolorClast® High Power Laser | 905-nm-Superpuls, 300 W | bis 120 mm | Akute MSK-Schmerzen, Entzündungen | auf Anfrage |
Guided DolorClast® Therapy: Das Behandlungskonzept
Die Guided DolorClast® Therapy (GDT) ist das seit 2020 von EMS etablierte Therapieprotokoll für muskuloskelettale Pathologien. Es strukturiert die Kombination aus Hochleistungslaser und Stoßwellentherapie in einem evidenzbasierten Ablauf.
Studien von Prof. Dr. Christoph Schmitz (LMU München) belegen: Die Vorbehandlung mit einem 905-nm-Hochleistungslaser erhöht die Wirksamkeit der nachfolgenden Stoßwellentherapie. Der vorab erzeugte analgetische Effekt senkt Behandlungsschmerzen und verbessert die Patientenakzeptanz — relevant für die Therapietreue über mehrere Sitzungen.
GDT integriert zudem Rehabilitationsübungen als funktionellen Bestandteil. Ziel ist vollständige Heilung, nicht nur Schmerzreduktion.
Für Praxen ist GDT ein Differenzierungsmerkmal: Das standardisierte Protokoll verkürzt die Einarbeitung, sichert reproduzierbare Ergebnisse und erzeugt dokumentierbare Outcomes — relevant für Qualitätssicherung und IGeL-Kommunikation.
Regulatory: Medizinprodukteklassifizierung und MPBetreibV
EMS-Stoßwellengeräte sind nach der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR 2017/745) zugelassen und tragen das CE-Kennzeichen. Das Swiss DolorClast® Classic verfügt zusätzlich über eine FDA-Zulassung (PMA P050004) für die plantare Fasziopathie.
Im Praxisbetrieb gelten die Anforderungen der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV). Für Medizinprodukte in der Arztpraxis sind relevant:
- § 8 MPBetreibV (Instandhaltung): Wartung durch autorisierten Kundendienst oder gleichwertig qualifiziertes Personal.
- § 11 MPBetreibV (Meldepflicht): Schwerwiegende Vorkommnisse sind dem BfArM zu melden.
Haftungsrisiko: Das Swiss PiezoClast® ist wartungsfrei (Lebensdauer > 5 Mio. Impulse, keine beweglichen Teile im Handstück). Die Dokumentationspflicht nach MPBetreibV gilt dennoch — insbesondere beim Kombibetrieb im Swiss DuoClast®.
FAQ — Häufige Fragen zu E.M.S. Electro Medical Systems
Welche EMS-Stoßwellengeräte eignen sich für die Orthopädie?
Für die orthopädische Praxis empfiehlt sich je nach Indikation entweder ein radiales Gerät (DolorClast® Master oder Smart20 für oberflächliche Pathologien bis 45 mm) oder das Swiss PiezoClast® für tiefe Strukturen bis 80 mm. Das Swiss DuoClast® deckt beide Technologien in einem Gerät ab.
Ist die Stoßwellentherapie eine GKV-Leistung?
Nur für Fasciitis plantaris (EBM GOP 30440) — abrechnungsfähig für Fachärzte für Orthopädie/Unfallchirurgie und Physikalische Rehabilitative Medizin nach KV-Genehmigung. Alle anderen Indikationen werden als Privatleistung oder IGeL abgerechnet.
Was ist der Unterschied zwischen radialer und fokussierter ESWT?
Radiale Stoßwellen verteilen die Energie divergierend von der Hautoberfläche — Wirkzone bis ca. 45 mm. Fokussierte Stoßwellen (Swiss PiezoClast®) bündeln die Energie auf ein definiertes Volumen in 5–80 mm Tiefe. Die Wahl richtet sich nach der anatomischen Lage der Zielstruktur.
Was bedeutet Guided DolorClast® Therapy (GDT) für die Praxis?
GDT ist ein standardisiertes Behandlungsprotokoll, das Hochleistungslaser und Stoßwellentherapie kombiniert. Es verkürzt die Einarbeitung durch vordefinierte Abläufe, sichert reproduzierbare Ergebnisse und erzeugt dokumentierbare Outcomes — relevant für IGeL-Abrechnung und Patientenkommunikation.