Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Dampfsterilisation im Autoklaven ist der medizinische Goldstandard zur vollständigen Eliminierung pathogener Keime, Viren und hochresistenter Sporen durch gesättigten, unter Druck stehenden Wasserdampf.
- Der physikalische Wirkmechanismus nutzt Temperaturen von 121 °C bis 134 °C und Drücke bis zu 3 bar, wobei das fraktionierte Vorvakuum die isolierende Luft evakuiert, damit die kondensierende Latentwärme des Dampfes Eiweißstrukturen selbst in komplexen Hohlkörperinstrumenten irreversibel zerstört.
- Die regulatorische Relevanz ergibt sich aus der Notwendigkeit validierter Prozesse und lückenloser digitaler Dokumentation, die durch normgerechte Geräteklassen (primär Klasse B) Patientensicherheit garantiert und den Betreiber rechtlich gegen Haftungsansprüche absichert.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Autoklav?
Ein Autoklav ist ein gasdichter Druckbehälter zur Sterilisation von medizinischen Instrumenten und Labormaterialien. Er arbeitet mit gesättigtem Wasserdampf unter hohem Druck und Temperaturen zwischen 121 °C und 134 °C. Durch diesen Prozess werden Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Sporen zuverlässig abgetötet. Die Funktionsweise ähnelt technisch einem leistungsstarken Schnellkochtopf.
Der Begriff “Autoklav” leitet sich vom griechischen autos (selbst) und dem lateinischen clavis (Schlüssel) ab – was so viel bedeutet wie „selbstschließend“. Dies ist entscheidend, da das Gerät im Überdruckbereich arbeitet und der Deckel somit konstruktionsbedingt sicher verriegelt sein muss.
Einsatzgebiete: Von der Chirurgie bis zum Nagelstudio
Hier sehen Sie die vielfältigen Bereiche, in denen die Autoklaventechnik eine zentrale Rolle spielt:
| Bereich | Anwendung / Ziel |
| Medizin & Zahnmedizin | Sterilisation von OP-Besteck, Skalpellen und zahnärztlichen Bohrern zur Vermeidung von Infektionen. |
| Labor & Forschung | Keimfreiheit von Glasgefäßen und Kulturmedien, um unverfälschte Versuchsreihen zu garantieren. |
| Pharmaindustrie | Sterilisation von Medikamentenbehältern, Ampullen und Produktionsanlagen unter strengen Reinraumvorgaben. |
| Lebensmittelindustrie | Haltbarmachung von Konserven (Pasteurisierung/Sterilisation), um Keime ohne Chemie abzutöten. |
| Glasindustrie | Herstellung von Verbundsicherheitsglas (VSG); Schichten werden unter Druck und Hitze blasenfrei verpresst. |
| Baustoffindustrie | Dampfhärtung von Sandstein oder Porenbeton. |
| Alltag (Kosmetik/Tattoo) | Reinigung von Instrumenten in Nagelstudios oder Tattoo-Shops, die mit Haut oder Blut in Kontakt kommen. |
Sterilisation vs. Desinfektion: Was ist der Unterschied?
In der Infektionsprävention ist die Grenze zwischen „sauber“ und „steril“ rechtlich wie medizinisch entscheidend. Während die Desinfektion lediglich das Ziel verfolgt, die Keimlast auf ein klinisch unbedenkliches Maß zu senken, etabliert die Sterilisation im Autoklaven den Goldstandard der Patientensicherheit.
Die entscheidenden Unterschiede im Praxisbetrieb:
- Desinfektion: Reduziert pathogene Mikroorganismen (z. B. durch Wischdesinfektion), stößt jedoch bei hochresistenten Erregern und bakteriellen Sporen an ihre Grenzen.
- Sterilisation (Autoklavieren): Erzielt durch das physikalische Verfahren (gesättigter, gespannter Wasserdampf) eine vollständige Keimfreiheit. Die gezielte Abtötung sämtlicher Mikroorganismen eliminiert selbst thermoresistente Sporen, die herkömmlichen Desinfektionsmethoden standhalten. Darüber hinaus ist der Autoklav in der Lage, hochresistente Erreger wie Prionen (z. B. die Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) zuverlässig zu deaktivieren.
Warum dieser Unterschied für Sie zählt: Nur die maschinelle Aufbereitung im Autoklaven garantiert Ihnen eine reproduzierbare Validität Ihrer Hygiene-Workflows. Damit schützen Sie nicht nur Ihre Patienten vor Kreuzinfektionen, sondern sichern sich auch juristisch gegen Haftungsansprüche ab. Erfahren Sie hier, wie Sie Ihren Autoklav rechtssicher validieren.
Aus welchen Komponenten besteht ein Autoklav?
Damit ein Autoklav die hohen Anforderungen an die Instrumentenaufbereitung erfüllt, müssen Mechanik und Sensorik als geschlossenes System agieren. Wir analysieren die zentralen Bauteile, die für Sicherheit, Effizienz und Rechtskonformität sorgen.
Druckbehälter & Verschluss: Maximale Integrität
Das Herzstück des Autoklaven ist auf extreme Belastungen ausgelegt.
- Kesselgeometrie: Die zylinderförmige Sterilisationskammer aus hochfestem Edelstahl widersteht Drücken von bis zu 3 bar.
- Oberflächengüte: Hochwertige Modelle verfügen über eine elektropolierte Innenseite. Dies minimiert Keimnischen und erleichtert die Reinigung massiv.
- Verschlusstechnik: Ob Bajonett- oder Schraubverschluss – moderne Deckel nutzen aufblasbare Dichtungen (Silikon/EPDM) und Sicherheitssensoren, die den Prozessstart bei unvollständiger Verriegelung unterbinden.
Vakuumsystem & Entlüftung: Die Basis der Keimfreiheit
Luft ist der natürliche Feind der Sterilisation, da sie isolierend wirkt. Ein effektives strömungs-basiertes Entlüftungsverfahren sorgt dafür, dass die Luft evakuiert und durch gesättigten Dampf ersetzt wird.
- Vakuumfunktion: Über ein Entlüftungsventil und eine Vakuumpumpe wird ein gezielter Unterdruck erzeugt, um die Kammer vor der eigentlichen Sterilisation zu evakuieren. Das fraktionierte Vorvakuum ist hier der Goldstandard: Die Luft wird schrittweise entzogen und durch gesättigten Dampf ersetzt, um auch bei Hohlkörperinstrumenten eine vollständige Dampfdurchdringung zu garantieren.
Thermodynamik: Dampferzeugung & Heizung
- Heizeinheit: Je nach Bauart kommen interne Tauchsieder oder externe Dampfgeneratoren zum Einsatz. Externe Generatoren bieten oft eine präzisere Steuerung und schnellere Zykluszeiten.
- Temperaturregelung: Hochpräzise PT100-Fühler oder Thermoelemente überwachen die Soll-Werte (121 °C oder 134 °C). Ein Abgleich zwischen digitaler Steuerung und analogem Manometer sorgt für die notwendige Redundanz.
Sicherheit & Überwachung: Redundante Schutzsysteme
- Überdruckventil: Diese rein mechanische Komponente ist die letzte Instanz. Sie öffnet bei definiertem Maximaldruck automatisch, sollte die Elektronik versagen.
- Sensorsysteme: Eine lückenlose Überwachung von Wasserstand, Druck und Türstatus ermöglicht eine sofortige Notabschaltung bei kritischen Abweichungen.
- Bajonettverschluss: Diese mechanische Sperre verhindert, dass der Autoklav unter Druck versehentlich geöffnet wird.
Kühlung: Schutz für Gut und Anwender
Nach der Sterilisation muss der Autoklav sicher herunterfahren. Man unterscheidet technisch zwischen der Evaporation (langsamer Dampfablass) und der Schnellrückkühlung mit Stützdruck. Letztere ist besonders im Laborbereich wichtig, um bei Flüssigkeiten einen gefährlichen Siedeverzug (schlagartiges Überkochen beim Öffnen) zu verhindern.
Zyklus-Abschluss: Trocknung & Dokumentation
Ein steriles Instrument ist nur dann sicher, wenn es absolut trocken entnommen wird.
- Trocknungseinrichtung: Mittels Vakuum oder aktiver Lufttrocknung wird Restfeuchtigkeit entzogen. Dies verhindert Kondensatbildung und damit das Risiko einer Re-Kontamination bei der Lagerung.
- Steuerung & Protokoll: Das Bedienfeld erlaubt die Auswahl spezifischer Programme (z. B. für Textilien, Flüssigkeiten oder massive Instrumente). Die integrierte Protokollfunktion sichert die digitale Dokumentation für die Praxisbegehung.
Wie funktioniert die Sterilisation durch Druck und Dampf?
Die Aufbereitung von Medizinprodukten duldet keine Kompromisse. Während die Reinigung und Desinfektion die Keimzahl lediglich reduzieren, ist das Ziel der Sterilisation die absolute Keimfreiheit (Sterilität) – einschließlich hochresistenter Bakteriensporen. Warum die einfache Thermik bei 100 °C für die Abtötung nicht ausreicht, begründet sich in der physikalischen Überlegenheit, die ein Sterilisationsverfahren mit feuchter Hitze gegenüber trockenen Methoden bietet.
Vor der Sterilisation ist die maschinelle Aufbereitung in einem Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) oder einem RDG-E (für Endoskope) zwingend erforderlich. Dieser Prozess entfernt organische Verschmutzungen und reduziert die Keimlast durch thermische Desinfektion auf ein Minimum. Erst diese standardisierte Vorreinigung garantiert, dass der anschließende Dampf ungehindert auf alle Oberflächen einwirken kann und bildet somit die notwendige Basis für eine erfolgreiche Sterilisation.
Das physikalische Prinzip: Druck erhöht das Energielevel
In offenen Systemen limitiert der atmosphärische Druck den Siedepunkt von Wasser auf 100 °C. Erst gesättigter Dampf unter Druck ermöglicht das erforderliche Energieniveau zur Deaktivierung von thermoresistenten Sporen (z. B. Geobacillus stearothermophilus).
- Druckkammer-Effekt: Durch das hermetische Abriegeln im Autoklaven wird der Innendruck erhöht.
- Temperatur-Shift: Erst unter Überdruck erreicht der Wasserdampf die erforderlichen Zieltemperaturen von 121 °C (bei ca. 2 bar) oder 134 °C (bei ca. 3 bar).
Feuchte vs. trockene Hitze: Der Vorteil der Kondensation
Dampf ist nicht gleich Dampf. In der modernen Praxishygiene nutzen Sie gesättigten, mikrobenwirksamen Wasserdampf. Dieser bietet gegenüber Heißluft sterile entscheidende Vorteile:
- Kondensationsenergie: Trifft der Dampf auf das kühlere Instrumentarium, kondensiert er. Dabei wird die enorme Latentwärme (Phasenumwandlungsenergie) schlagartig frei.
- Tiefenwirkung: Im Gegensatz zu trockener Luft durchdringt feuchte Hitze die Zellwände von Mikroorganismen deutlich schneller. Dies ermöglicht die effiziente Deaktivierung von Keimen wie Bakterien oder Pilze bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen.
- Proteindenaturierung: Die Kombination aus Feuchtigkeit und Hitze führt zur irreversiblen Koagulation (Verklumpung) von Eiweißstrukturen. Dieser Prozess erfolgt bei feuchter Hitze wesentlich effizienter und bei niedrigeren Temperaturen als in Trockenhitze-Systemen.
Die biologische Deaktivierung im Detail
Der Sterilisationserfolg im Autoklaven basiert auf der Zerstörung der biologischen Funktionsfähigkeit:
- Strukturverlust: Zellmembranen und Enzyme verlieren ihre Tertiärstruktur.
- Sporenvernichtung: Selbst die extrem widerstandsfähigen Schutzhüllen von Bakteriensporen werden durch den thermo-mechanischen Stress des Sattdampfes aufgebrochen.
Nur die exakte Steuerung von Druck, Temperatur und Einwirkzeit (Plateauzeit) während der Sterilisierphase garantiert eine rechtssichere Instrumentenaufbereitung gemäß RKI-Empfehlungen.
Welche verschiedenen Arten von Autoklaven gibt es?
Der Kauf eines passenden Autoklaven ist für die normgerechte Aufbereitung und Patientensicherheit essenziell. Die DGSV betont, dass sich Geräte nicht primär über ihre Bauform, sondern über ihre Leistungsfähigkeit im Entlüftungsverfahren definieren.
Klassifizierung und Eignung (DIN EN 13060 & DIN EN 285)
Entscheidend ist, dass das Spektrum Ihrer aufzubereitenden Medizinprodukte (MP) mit der Leistungsklasse korreliert:
| Sterilisator-Typ | Norm | Eignung & Beladung | Prüfzyklen (Auszug) |
| Klasse B (Kleinsterilisator) | DIN EN 13060 | Universal: Alle verpackten/unverpackten massiven MP, Hohlkörper Typ A und poröse Güter. | Vakuumtest, Indikator Kl. 1, ggf. Bowie-Dick. |
| Klasse S (Kleinsterilisator) | DIN EN 13060 | Spezifisch: Nur nach Herstellerangabe (massiv, teils porös oder Hohlkörper Typ A+B). | Vakuumtest, Indikator Kl. 1, ggf. Bowie-Dick. |
| Klasse N (Kleinsterilisator) | DIN EN 13060 | Eingeschränkt: Nur unverpackte, massive MP ohne Hohlräume. | Validierung nach DIN EN ISO 17665, Indikator Kl. 1. |
| Dampf-Großgeräte (> 54 l / 1 StE) | DIN EN 285 | Klinik-Standard: Alle verpackten/unverpackten massiven und porösen MP sowie Hohlkörper. | Vakuumtest, arbeitstäglich Bowie-Dick-Test. |
| Niedrigtemperatur (Plasma, EO, FO) | DIN EN ISO 25424 / DIN EN 1422 | Thermolabil: Speziell für Optiken und flexible Endoskope nach Herstellerangabe. | Prüfung nach DIN EN 14180 / DIN 58948-7. |
Wichtiger Hinweis der DGSV: Beim Kauf eines Sterilisators der S-Klasse müssen Sie unbedingt eine schriftliche Bestätigung über das genaue Leistungsspektrum des Gerätes verlangen.
In der modernen Praxis bleibt der Klasse-B-Autoklav aufgrund seiner universellen Einsetzbarkeit der sicherste Standard. Im Gegensatz zum Gravitationsverfahren ermöglicht die Vakuum-Technik der Klasse-B-Autoklaven auch die sichere Aufbereitung komplexer Hohlkörperinstrumente.
Bauformen und spezifische Einsatzgebiete
- Tischautoklaven (Kompaktgeräte)
- Dies ist die gängigste Bauform in Arzt- und Zahnarztpraxen.
- Charakteristik: Platzsparende Geräte für die Arbeitsplatte.
- Technik: Meist Klasse B. Sie verfügen über integrierte Wassertanks oder einen Festwasseranschluss.
- Einsatz: Ideal für das tägliche Instrumentarium in der niedergelassenen Praxis.
- Großautoklaven (Klinik-Standard)
- Diese Geräte kommen in Krankenhäusern oder Fachkliniken (ZSVA) zum Einsatz.
- Kapazität: Die Leistung wird in Sterileinheiten (StE) gemessen (1 StE = 54 l). Großgeräte fassen oft 6, 9 oder 18 StE.
- Durchreichesystem: Oft als „2-Tür-Modell“ verbaut, um eine strikte Trennung zwischen der unreinen Seite (Packzone) und der reinen Seite (Sterilgutlager/OP) zu gewährleisten.
- Versorgung: Häufig Anschluss an die zentrale Hausdampfversorgung für schnellere Chargenzeiten.
- Laborautoklaven
- Im Gegensatz zu medizinischen Geräten sind diese auf Flexibilität in der Forschung getrimmt.
- Einsatz: Sterilisation von Nährmedien, Glasgeräten, Abfällen oder Flüssigkeiten.
- Besonderheit: Funktionen wie Schnellkühlung, Mediensensoren oder Abluftfiltration.
- Achtung: Sie sind oft nicht für die Aufbereitung von Medizinprodukten am Patienten zugelassen.
Weitere Autoklav-Typen:
- Heißluftsterilisatoren (Trockenschrank)
- Gas- und Plasmasterilisatoren (Niedrigtemperatur-Verfahren)
- Für thermolabile Instrumente (z. B. flexible Endoskope oder Optiken), die den hohen Temperaturen des Dampfes nicht standhalten, werden chemisch-physikalische Verfahren im Niedrigtemperaturbereich (40 °C bis 60 °C) genutzt:
- Verfahren: Nutzung von Ethylenoxid (EO), Formaldehyd (FO) oder Wasserstoffperoxid-Plasma.
- Normen: DIN EN ISO 25424 (FO) oder DIN EN 1422 (EO).
- Praxis-Realität: Aufgrund extrem hoher Anschaffungskosten und strenger Anforderungen der Gefahrstoffverordnung (besonders Toxizität und Explosionsgefahr bei EO/FO) empfiehlt die DGSV für Arztpraxen meist die Fremdvergabe an eine Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA).
- Mikrowellen-Autoklaven (Schnellsterilisation)
- Dieses Verfahren nutzt elektromagnetische Wellen zur Erzeugung von Wärme direkt im Medium.
- Verfahren: Die Mikrowellen regen Wassermoleküle zur Schwingung an, wodurch Reibungswärme entsteht. In Kombination mit Druck wird so eine sehr schnelle Sterilisation erreicht.
- Einsatzgebiet: Vor allem in Laboren zur schnellen Herstellung von Nährmedien oder zur Vernichtung von infektiösen Abfällen.
- Vorteil: Enorme Zeitersparnis gegenüber konventionellen Dampfverfahren.
- Einschränkung: Nicht für metallische Instrumente geeignet (Funkenbildung/Reflektion) und daher in der klassischen medizinischen Instrumentenaufbereitung kaum verbreitet.
- Hochdruck-Autoklaven (Forschungs- und Industrie-Autoklaven)
Periodische Prüfungen & Qualitätssicherung
Der sichere Betrieb ist an strikte Prüfzyklen gebunden, um die Sterilisationssicherheit zu garantieren:
- Vakuumtest: Muss bei Geräten der Klassen B und S sowie bei Großsterilisatoren nach Herstellerangaben durchgeführt werden.
- Arbeitstägliche Prüfung: Bei Großsterilisatoren ist ein Dampfdurchdringungstest (Bowie-Dick-Test) obligatorisch. Bei Klasse B und S erfolgt dies nach aktuellen Herstellerangaben.
- Chargenbezogene Prüfung: Die Festlegung der erforderlichen Indikatoren erfolgt individuell im Rahmen der Validierung nach DIN EN ISO 17665.
- Prozessindikatoren: Jede Verpackung muss zwingend mit einem Indikator der Klasse 1 versehen sein.
Wie läuft ein typischer Sterilisationsprozess ab?
Ein rechtssicherer Sterilisationsprozess im Autoklaven folgt einem streng definierten Protokoll. Um die Keimfreiheit lege artis zu garantieren und Haftungsrisiken zu minimieren, muss jede Phase präzise aufeinander abgestimmt sein.
- Vorbereitung und Konditionierung
- Bevor der Autoklav gestartet wird, steht die korrekte Beladung im Fokus. Fehler in dieser Phase gefährden den gesamten Erfolg.
- Reinigungserfolg: Nur rückstandsfrei gereinigte und trockene Instrumente dürfen sterilisiert werden. Organische Reste können Keime unter einer Kruste abschirmen.
- Normverpackung: Verwendung von dampfdurchlässigen Klarsichtbeuteln, die nach dem Prozess als Keimbarriere fungieren.
- Beladungskonzept: Achten Sie auf ausreichende Abstände. „Dampf braucht Platz“ – Überladung führt zu Kaltluftinseln und damit zu unsterilen Chargen.
- Die Entlüftungsphase (Fraktioniertes Vorvakuum)
- Dies ist der technisch anspruchsvollste Schritt. Da Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, muss sie vollständig aus der Kammer verdrängt werden. Erst durch ein mehrstufiges Vakuumverfahren wird sichergestellt, dass der heiße Wasserdampf auch in das Lumen von Hohlkörperinstrumenten vordringt
- Vakuum-Erzeugung: Moderne Klasse-B-Geräte evakuieren die Luft mehrfach im Wechsel mit Dampfstößen.
- Tiefenwirkung: Erst durch dieses Verfahren wird sichergestellt, dass der heiße Wasserdampf auch in das Lumen von Hohlkörperinstrumenten (z. B. Übertragungsinstrumente, Absaugkanülen) vordringt.
- Die Haltezeit (Sterilisationsphase)
- Sobald die Zieltemperatur erreicht ist, beginnt die eigentliche Abtötungsphase. Hierbei gelten zwei etablierte Standards:
- Standard-Programm: 134 °C bei ca. 2,1 bar Überdruck. Die Haltezeit beträgt in der Regel 5 Minuten. Dies ist das Standardverfahren für thermostabile Instrumente.
- Schon-Programm: 121 °C bei ca. 1,1 bar Überdruck. Die Haltezeit verlängert sich auf 20 Minuten. Ideal für Textilien oder spezifische Kunststoffe.
- Prionen-Programm: Zur Inaktivierung von Prionen wird in bestimmten Fachbereichen ein spezielles Programm mit einer verlängerten Plateauzeit von 18 Minuten bei 134 °C gewählt.
- Sicherheit: In dieser Phase wird die thermische Energie des gesättigten Wasserdampfs auf die Mikroorganismen übertragen und deren Eiweißstrukturen irreversibel zerstört.
- Trocknung und fachgerechte Entnahme
- Das Ende des Heizzyklus ist nicht das Ende des Prozesses. Die Trocknungsphase ist entscheidend für die Lagerungsfähigkeit.
- Vakuum-Trocknung: Restfeuchtigkeit wird durch ein finales Vakuum aus den Verpackungen gezogen.
- Prävention der Rekontamination: Nur absolut trockenes Sterilgut ist lagerfähig. Feuchte Verpackungen sind durchlässig für Keime (Docht-Effekt). Entnommenes Gut, das Restfeuchte aufweist, muss als unsteril deklariert und erneut aufbereitet werden.
- Dokumentation: Der Prozess endet mit der Freigabe durch die sachkundige Person unter Berücksichtigung der Prozessindikatoren.
Warum ist die regelmäßige Wartung und Prüfung so wichtig?
Die Aufbereitung von Medizinprodukten mittels Dampfsterilisation unterliegt strengen physikalischen und regulatorischen Parametern. Dampfautoklaven arbeiten unter Hochdruck und thermischer Belastung – ein Versagen der Systemintegrität gefährdet nicht nur die Patientensicherheit, sondern birgt auch erhebliche Haftungsrisiken für den Praxisinhaber.
Qualifizierung: Die Basis bei der Erst-Inbetriebnahme
Ein Versagen der Systemintegrität bei der Sterilisation ist für jeden Anwendungsfall ein Worst-Case-Szenario. Da Sie die thermische Durchdringung im Inneren des Autoklaven visuell nicht prüfen können, ist die formale Qualifizierung vor dem ersten Einsatz unverzichtbar.
Um einen normgerechten Betrieb zu garantieren, unterteilt sich der Prozess in vier essenzielle Phasen:
- Designqualifizierung (DQ): Erfüllt das Sterilisationsgerät bereits in der Planung alle spezifischen Anforderungen Ihrer Praxis?
- Installationsqualifizierung (IQ): Belegt die korrekte Aufstellung und den ordnungsgemäßen Anschluss am Standort.
- Funktionsqualifizierung (OQ): Bestätigt, dass der Autoklav innerhalb der definierten Toleranzgrenzen einwandfrei arbeitet.
- Leistungsqualifizierung (PQ): Der entscheidende Nachweis, dass Ihre spezifischen Beladungen unter Realbedingungen sicher sterilisiert werden.
Validierung der Sterilisationsleistung
Da die thermische Durchdringung im Inneren der Sterilisiergutverpackung visuell nicht prüfbar ist, sichert der Sterilisationsassistent den Erfolg durch ein mehrstufiges Monitoring-System ab:
- Chemische Indikatoren (Klasse 4-6): Chemische Indikatoren werden direkt bei den zu sterilisierenden Materialien platziert, um den Farbumschlag zu überwachen. Ein Farbumschlag bestätigt, dass die definierten Grenzwerte für Temperatur und Zeit erreicht wurden.
- Bowie-Dick-Test: Für Klasse-B-Autoklaven ist dieser Test obligatorisch. Er validiert die effektive Entlüftung und Dampfpenetration (Vakuum-Prüfung).
- Bio-Indikatoren: Die Verwendung von Sporenstreifen (z. B. Geobacillus stearothermophilus) gilt als Goldstandard. Die erfolgreiche Inaktivierung dieser hochresistenten Sporen ist der definitive Nachweis der Sterilisationsleistung.
Rechtssicherheit durch lückenlose Dokumentation
Gemäß Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) sind Sie zur lückenlosen Dokumentation verpflichtet. Dies dient nicht nur der Qualitätssicherung, sondern ist Ihre primäre Absicherung im Haftungsfall:
- Digitale Protokollierung: Erfassung von Chargennummer, Druckverlauf, Temperatur und Haltezeit.
- Freigabeentscheidung: Jede Charge muss durch autorisiertes Fachpersonal (MFA mit Sachkenntnis) explizit freigegeben und dokumentiert werden.
- Archivierung: Im Falle einer nosokomialen Infektion liegt die Beweislast beim Betreiber. Eine lückenlose Historie schützt Sie vor Regressansprüchen. Nur die Aufzeichnung der Prozessparameter ermöglicht den Nachweis, dass das gewählte Sterilisationsverfahren ordnungsgemäß durchgeführt wurde.
Zwar fordert § 8 MPBetreibV primär die Verwendung validierter Verfahren, die konkrete Pflicht zur Aufzeichnung der Prozessparameter ergibt sich jedoch aus den gemeinsamen Empfehlungen von KRINKO und BfArM. In der Praxis bedeutet dies: Nur eine lückenlose Chargendokumentation (Druck, Temperatur, Haltezeit) ermöglicht im Haftungsfall den Nachweis einer ordnungsgemäßen Aufbereitung und schützt Sie vor der Beweislastumkehr.
Technische Sicherheit und Geräteintegrität
Ein Autoklav ist ein Druckgerät und unterliegt damit der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Um Materialermüdung und Funktionsausfälle zu vermeiden, sind regelmäßige Autoklav Wartungen nötig. Mit steigender Betriebszeit müssen Verschleißteile wie Dichtungen und Ventile konsequent getauscht werden.
- Sicherheitsventile: Mechanische Redundanzsysteme verhindern einen unzulässigen Druckanstieg.
- Wiederkehrende Prüfungen: Neben der jährlichen Wartung durch den Medizintechniker sind regelmäßige Prüfungen durch zugelassene Überwachungsstellen (ZÜS) oder befähigte Personen gesetzlich vorgeschrieben.
Tipp: Vernachlässigte Wartungsintervalle führen im Schadensfall häufig zum Verlust des Versicherungsschutzes. Prüfen Sie jetzt Ihr Wartungsbuch auf Aktualität.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen einem Autoklav und einem Sterilisator?
Der Hauptunterschied liegt in der Klassifizierung: Sterilisator ist der Oberbegriff für alle Geräte zur Keimabtötung. Ein Autoklav ist eine spezifische Art von Sterilisator, die mit feuchter Hitze (gespanntem Wasserdampf) und Druck arbeitet. Während Sterilisatoren auch Hitze oder Gas nutzen, gelten Dampfautoklaven in der Medizin als Goldstandard für effiziente und materialschonende Sterilisation.
Merksatz: Jeder Autoklav ist ein Sterilisator, aber nicht jeder Sterilisator ist ein Autoklav.
Kann man alles im Autoklav sterilisieren?
Nicht alle Materialien sind für den Autoklaven geeignet; sie müssen autoklavierbar (hitzebeständig) sein. Geeignet sind Edelstahl-Instrumente, Textilien, Glas sowie spezielle Kunststoffe wie Polypropylen. Ungeeignet sind hitzeempfindliche Elektronik, brennbare Flüssigkeiten und Kunststoffe mit niedrigem Schmelzpunkt, da diese bei den Standardtemperaturen von 121 °C bis 134 °C beschädigt werden.
Wie lange dauert ein durchschnittlicher Sterilisationsvorgang?
Ein durchschnittlicher Sterilisationszyklus dauert inklusive Aufheiz- und Trocknungsphase 30 bis 50 Minuten. Die Dauer hängt maßgeblich davon ab, welche Sterilisationstemperatur für das jeweilige Sterilisiergut gewählt wurde. Die reine Haltezeit (Abtötungszeit) variiert je nach Programm: Bei 134 °C beträgt sie ca. 5 Minuten, bei 121 °C etwa 20 Minuten. Faktoren wie Beladungsmenge, Verpackungsart und Gerätetyp (z. B. Klasse B) beeinflussen die Gesamtdauer maßgeblich.
Warum wird destilliertes (oder demineralisiertes) Wasser verwendet?
In Autoklaven wird demineralisiertes Wasser (Aqua dem) verwendet, um Kalkablagerungen zu verhindern. Normales Leitungswasser enthält Mineralien, die Heizelemente beschädigen und feine Düsen verstopfen können. Zudem schützt demineralisiertes Wasser die Instrumente vor Lochkorrosion und unschönen Kalkflecken, was die Lebensdauer von Autoklav und Sterilgut erheblich verlängert.
Kann ein Autoklav explodieren?
Theoretisch ja, da ein Autoklav als Druckbehälter unter hohem Innendruck (ca. 2,1 bar bei 134 °C) arbeitet. In der Praxis ist eine Explosion bei modernen Geräten jedoch durch mehrstufige Sicherheitssysteme wie mechanische Sicherheitsventile, elektronische Überwachung und massive Türverriegelungen nahezu ausgeschlossen, sofern die vorgeschriebenen Wartungsintervalle und TÜV-Prüfungen eingehalten werden.
Wer hat den Autoklav erfunden?
Der Autoklav wurde 1879 vom französischen Mikrobiologen Charles Chamberland erfunden. Als Mitarbeiter von Louis Pasteur entwickelte er das Sterilisationsgerät, um durch kontrollierten Dampfdruck Temperaturen über 100 °C zu erreichen. Damit schuf er die technische Grundlage für die moderne Sterilisation. Seine Erfindung basierte auf dem „Digester“ von Denis Papin (1679), einem frühen Vorläufer, der heute als erster Druckkochtopf der Geschichte gilt.
