Was ist ein abnormales EKG?

Ein Elektrokardiogramm (EKG) ist ein medizinisches Testverfahren, das mit Hilfe eines EKG-Gerätes die elektrische Aktivität des Herzens über einen bestimmten Zeitraum aufzeichnet. Diese elektrische Aktivität steuert den Herzrhythmus und die Herzfrequenz. Wenn das Herz normal arbeitet, erzeugt es ein spezifisches, gut erkennbares Muster auf dem EKG.

Ein abnormales EKG weist von diesem standardmäßigen Muster ab. Solche Abweichungen können durch eine Vielzahl von Bedingungen oder Faktoren verursacht werden, von geringfügigen Anomalien, die kein Grund zur Besorgnis sind, bis hin zu ernsthaften Herzerkrankungen, die sofortige medizinische Behandlung erfordern.

Es gibt viele verschiedene Arten von Abnormalitäten, die auf einem EKG erscheinen können. Einige Beispiele sind:

  • Arrhythmien: Unregelmäßige Herzschläge oder Rhythmen. Dies kann bedeuten, dass das Herz zu schnell (Tachykardie), zu langsam (Bradykardie) oder in einem unregelmäßigen Rhythmus schlägt.
  • Ischämie: Ein Zustand, bei dem ein Teil des Herzmuskels nicht genug Sauerstoff erhält, oft aufgrund einer verstopften Arterie.
  • Hypertrophie: Eine Verdickung eines Teils des Herzmuskels, die die Art und Weise verändern kann, wie das Herz elektrische Signale sendet und empfängt.
  • Elektrolytstörungen: Unausgewogene Niveaus von Mineralien wie Kalium und Kalzium können die elektrische Aktivität des Herzens stören.

Nicht alle abnormalen EKG-Ergebnisse weisen auf ein ernsthaftes Problem hin. Manchmal können vorübergehende Faktoren wie Medikamente, Stress oder sogar die Struktur des Brustkorbs eines Individuums ein EKG-Ergebnis beeinflussen. Daher ist es entscheidend, dass ein abnormales EKG von einem qualifizierten Arzt interpretiert wird, um festzustellen, ob weitere Untersuchungen oder Behandlungen erforderlich sind.

Ein abnormales EKG kann der erste Hinweis auf ein zugrunde liegendes Herzproblem sein, das bisher nicht erkannt wurde. In solchen Fällen kann die frühzeitige Erkennung und Behandlung lebensrettend sein. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, regelmäßige medizinische Untersuchungen durchzuführen und bei Verdacht auf Herzprobleme sofort einen Arzt aufzusuchen.

Wann ist ein EKG auffällig?

  • Unregelmäßiger Herzrhythmus (Arrhythmien): Der normale Ruheherzschlag eines Erwachsenen liegt zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute (bpm).
    • Werte unterhalb dieser Spanne werden als Bradykardie bezeichnet. Ein Herzschlag von weniger als 60 bpm bei einem ruhenden Erwachsenen gilt als zu langsam. 
    • Tachykardie hingegen bezieht sich auf einen Herzschlag, der über 100 bpm liegt, was als zu schnell betrachtet wird. Das EKG wird jede Unregelmäßigkeit in diesen Rhythmen erfassen.
  • Herzrhythmusstörungen: Ein Herz schlägt normalerweise in einem gleichmäßigen Rhythmus. Ein EKG kann Aufschluss darüber geben, ob das Herz vom Rhythmus abweicht.
  • Zeichen einer Ischämie: Das EKG kann ST-Senkungen oder -Hebungen zeigen, was auf eine verminderte Blutversorgung des Herzmuskels oder einen Herzinfarkt hinweisen kann.
  • Herzmuskelvergrößerung (Hypertrophie): Ein verdickter Herzmuskel kann zu veränderten EKG-Mustern führen. Beispielsweise kann eine Linksherzhypertrophie zu einem verstärkten QRS-Komplex führen.
  • Herzblock: Es gibt verschiedene Grade des Herzblocks. Bei einem vollständigen Herzblock (Drittgradiger AV-Block) erreichen die elektrischen Impulse aus den Vorhöfen nicht die Herzkammern. Dies kann zu einem sehr langsamen Herzschlag führen und erfordert oft einen Herzschrittmacher.
  • Längere Intervalle: Das QT-Intervall repräsentiert die Zeit von der Kontraktion bis zur Erholung des Herzmuskels. Ein verlängertes QT-Intervall kann das Risiko für lebensbedrohliche Arrhythmien erhöhen.
  • Veränderungen der Herzachse: Die Herzachse beschreibt die durchschnittliche Richtung der elektrischen Erregungsausbreitung im Herzen während eines Herzschlags. Eine verschobene Herzachse kann Hinweise auf bestimmte Herzprobleme geben, wie zum Beispiel eine Hypertrophie des linken oder rechten Ventrikels oder bestimmte Arten von Herzblockaden.
  • Elektrolytungleichgewichte: Kalium, Kalzium und Magnesium sind für die elektrische Aktivität des Herzens wesentlich. Abnorme Werte können zu charakteristischen EKG-Veränderungen führen, wie z. B. einer verlängerten QT-Zeit bei einem niedrigen Kalziumspiegel.
  • Einfluss von Medikamenten oder Drogen: Einige Medikamente, wie Antiarrhythmika oder Antidepressiva, können das EKG-Muster beeinflussen. Drogen wie Kokain können ebenfalls zu auffälligen EKG-Veränderungen führen.
  • Infarkt-Scarring: Ein vorheriger Herzinfarkt kann Narbengewebe hinterlassen, welches als pathologische Q-Wellen im EKG sichtbar ist.
Normale und abnormale Herzfrequenz.
EKG Kurve
Eine EKG-Kurve mit P-Welle, QRS-Komplex, ST-Strecke und T-Welle.
PR Interval (englisch) = PQ Intervall (deutsch)

Wie sieht ein abnormales EKG aus?

Hier sind einige Charakteristika und Anomalien, die auf einem abnormalen EKG auftreten können:

Ein abnormales EKG kann viele verschiedene Muster aufweisen, je nachdem, welche spezifische Herzerkrankung vorliegt. Einige der in der Quelle beschriebenen abnormalen EKG-Muster sind:

  • Langes PR-Intervall: Ein Intervall von mehr als fünf kleinen Quadraten vom Beginn der P-Welle bis zum Beginn der R-Welle stellt einen AV-Block ersten Grades dar.
  • Q-Wellen: Ein normales EKG hat nur sehr kleine Q-Wellen. Eine große und breite Q-Welle kann auf einen früheren Herzinfarkt hinweisen.
  • Große QRS-Komplexe: Können auf eine linksventrikuläre Hypertrophie hinweisen.
  • ST-Segment-Veränderungen: Eine Erhöhung des ST-Segments kann auf einen Myokardinfarkt hinweisen, während eine Senkung des ST-Segments auf Ischämie hinweisen kann.
  • T-Wellen: In einem normalen EKG sind T-Wellen in jeder Ableitung außer aVR aufrecht. Eine T-Wellen-Umkehr kann eine aktuelle Ischämie oder einen früheren Infarkt repräsentieren.
  • Langes QT-Intervall: Das QT-Intervall sollte weniger als die Hälfte des R-R-Intervalls betragen. Ein verlängertes QT-Intervall kann mit bestimmten Erkrankungen oder Medikamenten in Verbindung gebracht werden.
  • Präsenz von zusätzlichen Wellen oder Komplexen: Zum Beispiel kann das Vorhandensein eines Delta-Wellen-Komplexes auf eine Wolf-Parkinson-White-Syndrom (eine spezifische Art von Tachykardie) hinweisen.

Nachfolgend einige Bilder, die dieser Quelle entstammen. Eine konvexe oder gerade nach oben gerichtete ST-Strecken-Hebung (z. B. Ableitungen II, III, aVF) ist abnormal und deutet auf eine transmurale Verletzung oder einen Infarkt hin:

Quelle: ecg.utah.edu

Eine ST-Streckendepression ist immer ein abnormaler Befund, wenn auch oft unspezifisch (siehe EKG unten).

Quelle: ecg.utah.edu

Die ST-Strecken-Senkung wird oft als „aufsteigend“, „horizontal“ oder „abfallend“ charakterisiert.

Quelle: ecg.utah.edu
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Was sind die Ursachen für ein abnormales EKG?

Ein abnormales EKG kann durch eine Vielzahl von Faktoren und Erkrankungen bedingt sein. Einige häufige Ursachen für EKG-Veränderungen sind:

  • Koronare Herzkrankheit: Verengungen oder Blockaden der Herzkranzgefäße können zu Durchblutungsstörungen des Herzmuskels führen.
  • Herzinfarkt: Ein abgestorbenes Herzmuskelgewebe aufgrund einer unzureichenden Blutversorgung zeigt sich in spezifischen EKG-Veränderungen.
  • Vorhofflimmern: Eine unregelmäßige und oft schnelle Herzfrequenz, die in den Vorhöfen des Herzens beginnt.
  • Herzrhythmusstörungen: Abnormale elektrische Aktivitäten wie Tachykardie (schneller Herzschlag) oder Bradykardie (langsamer Herzschlag).
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Eine Entzündung des Herzmuskels, oft durch eine Viruserkrankung verursacht.
  • Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien): Erkrankungen, die die Struktur und Funktion des Herzmuskels beeinflussen.
  • Elektrolytstörungen: Ungleichgewicht von Mineralstoffen wie Kalium und Kalzium im Blut.
  • Herzklappenerkrankungen: Funktionsstörungen einer oder mehrerer Herzklappen.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann das EKG beeinflussen.
  • Medikamente und Drogen: Einige Medikamente sowie Drogen können zu EKG-Veränderungen führen.
  • Lungenembolie: Ein Blutgerinnsel in einer der Lungenarterien.
  • Alter: Altersbedingte Veränderungen im Herzen können zu EKG-Veränderungen führen.

Was tun, wenn das EKG auffällig ist?

Ein abnormales EKG kann Anlass zur Sorge geben, insbesondere wenn es unerwartet auftritt oder mit klinischen Symptomen einhergeht. Doch was sollten Patienten und Ärzte tun, wenn Anomalien im EKG festgestellt werden? 

  • Nicht in Panik geraten: Ein abnormales EKG bedeutet nicht zwangsläufig das Vorliegen einer schweren Herzerkrankung. Es gibt viele Faktoren, einschließlich vorübergehender Zustände und Medikamenteneinflüsse, die das EKG beeinflussen können.
  • Genaue Überprüfung: Zunächst sollte das EKG von einem Kardiologen oder einem anderen Facharzt überprüft werden, um Artefakte (Bildfehler), technische Fehler oder andere nicht klinische Gründe für das abnormale Ergebnis auszuschließen.
  • Patientenanamnese: Der behandelnde Arzt sollte eine gründliche Anamnese des Patienten erheben. Hierbei werden Symptome, Risikofaktoren, frühere Herzereignisse oder Operationen, Familiengeschichte und aktuell eingenommene Medikamente berücksichtigt.
  • Weitere Untersuchungen: Abhängig von der Art der EKG-Anomalie können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein, dazu gehören:
    • Echokardiographie: Ein Ultraschall des Herzens, der seine Struktur und Funktion zeigt.
    • Belastungs-EKG: Ein Test, bei dem das EKG während körperlicher Aktivität aufgezeichnet wird, um Anomalien aufzudecken, die unter Belastung sichtbar werden.
    • Langzeit-EKG: Ein Gerät, das über 24 Stunden oder länger getragen wird, um intermittierende Rhythmusstörungen zu erkennen.
    • Koronarangiographie: Ein bildgebendes Verfahren, das die Herzgefäße darstellt und Verstopfungen oder Engstellen aufdecken kann.
  • Medikamentöse Behandlung: Je nach Diagnose können Medikamente wie Beta-Blocker, Antiarrhythmika oder Blutverdünner verschrieben werden, um das Herz zu schützen oder den Rhythmus zu regulieren.
  • Nicht medikamentöse Interventionen: In bestimmten Fällen, insbesondere bei schwerwiegenden Rhythmusstörungen oder blockierten Arterien, können Verfahren wie die Ablation, die Implantation eines Herzschrittmachers oder ein Bypass notwendig werden.
  • Lebensstiländerungen: Oft ist ein auffälliges EKG ein Weckruf, um den Lebensstil zu überdenken. Raucherentwöhnung, eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Stressreduktion können dazu beitragen, das kardiovaskuläre Risiko zu senken und das Wohlbefinden zu verbessern.
  • Regelmäßige Überwachung: Einmal identifizierte Herzprobleme erfordern häufig eine regelmäßige Überwachung. Dazu gehören regelmäßige Arztbesuche, wiederholte EKGs und andere Tests.
  • Patientenaufklärung: Es ist entscheidend, dass Patienten über ihre Herzgesundheit informiert werden und wissen, wie sie auf Symptome wie Brustschmerzen, Atemnot oder Schwindel reagieren sollten.

Wenn Anomalien festgestellt werden, ist es entscheidend, dass sowohl der Patient als auch das medizinische Team proaktiv handeln, um die Ursache zu bestimmen und geeignete Schritte zur Behandlung und Prävention zu unternehmen.

Wie muss ein EKG aussehen, wenn alles gut ist? Das erfahren Sie in unserem Beitrag über die normale EKG-Kurve.

Wann sollte man zum Arzt gehen und ein EKG durchführen lassen?

  • Typische Herzsymptome: Dazu gehören Brustschmerzen, Engegefühl in der Brust, Herzstolpern, Herzrasen oder anhaltendes Unwohlsein in der Herzgegend.
  • Kurzatmigkeit: Unerklärte oder plötzliche Atemnot kann ein Anzeichen für Herzprobleme sein.
  • Schwindel oder Ohnmachtsanfälle: Wenn diese Symptome ohne ersichtlichen Grund auftreten, kann dies auf eine Rhythmusstörung oder andere Herzprobleme hindeuten.
  • Familiäre Vorgeschichte: Bei einer Familiengeschichte von plötzlichem Herztod, Herzinfarkt in jungen Jahren oder bekannten genetischen Herzerkrankungen kann ein präventives EKG sinnvoll sein.
  • Vor chirurgischen Eingriffen: Ein EKG kann vor geplanten Operationen durchgeführt werden, um das Risiko von herzbedingten Komplikationen während des Eingriffs zu bewerten.
  • Medikamentöse Therapie: Einige Medikamente können das EKG beeinflussen oder zu Herzrhythmusstörungen führen. In solchen Fällen kann ein EKG vor Beginn der Therapie und in regelmäßigen Abständen danach sinnvoll sein.
  • Regelmäßige Gesundheitskontrollen: Bei älteren Personen oder Personen mit Risikofaktoren für Herzerkrankungen, wie Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhten Cholesterinwerten, kann ein EKG Teil regelmäßiger Kontrolluntersuchungen sein.
  • Unklare körperliche Beschwerden: In einigen Fällen können unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Schwäche oder verringerte Belastbarkeit auf ein Herzproblem hinweisen.
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FAQ

Welche Krankheiten lösen Herzrhythmusstörungen aus?

Herzrhythmusstörungen können durch verschiedene Krankheiten ausgelöst werden, darunter Koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, Herzklappenfehler, Herzinsuffizienz und bestimmte Lungenerkrankungen. Zudem können Elektrolytstörungen und einige Medikamente das Risiko für Rhythmusstörungen erhöhen.

Wie merkt man, dass man Vorhofflimmern hat?

Vorhofflimmern kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen, darunter unregelmäßiger Herzschlag, Herzstolpern, Müdigkeit, Atemnot, Schwindel oder Brustschmerzen. Viele Menschen fühlen jedoch keine Symptome.

Wie lange kann man einen Herzinfarkt im EKG nachweisen?

Ein Herzinfarkt hinterlässt im EKG typische Veränderungen. Unmittelbar nach einem Infarkt zeigen sich akute Veränderungen, die innerhalb von Stunden bis Tagen sichtbar werden. Einige dieser Veränderungen können nach einigen Tagen bis Wochen wieder verschwinden. Jedoch können Narben, die durch den Infarkt im Herzmuskel entstanden sind, lebenslang im EKG als sogenannte Q-Zacken nachgewiesen werden. Es ist wichtig zu betonen, dass das Vorhandensein oder Fehlen von EKG-Veränderungen allein nicht immer ausreicht, um einen Herzinfarkt zu bestätigen oder auszuschließen. Weitere Untersuchungen, wie Bluttests, sind oft erforderlich.


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Autor: Nils Buske, zuletzt aktualisiert am