KI in der Arztpraxis: 10 Beispiele

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Abstract – KI in der Arztpraxis: Anwendungen und Rechtsrahmen

  • Künstliche Intelligenz entlastet Arztpraxen vor allem in der Praxisorganisation und Dokumentation, etwa durch KI-Telefonassistenten, Online-Terminmanagement mit No-Show-Prognose, digitale Anamnese, Ambient Documentation und KI-gestützte Abrechnung nach EBM, GOÄ und ICD-10-GM. In der Diagnostik sind KI-Systeme für Röntgen, CT, MRT, Ultraschall und EKG überwiegend als Medizinprodukt nach MDR (Verordnung (EU) 2017/745) zertifiziert.
  • Für den KI-Einsatz gelten DSGVO, EU AI Act, Medizinprodukterecht und ärztliches Haftungsrecht parallel: Erforderlich sind ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO, gegebenenfalls eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO und seit 2. Februar 2025 die KI-Kompetenz des Personals nach Art. 4 AI Act. Software mit diagnostischer oder therapeutischer Zweckbestimmung fällt nach Regel 11 MDR mindestens in Klasse IIa; die Haftung für ungeprüft übernommene KI-Empfehlungen verbleibt nach § 630a BGB beim Arzt.
  • Die PRAIM-Studie (Nature Medicine, 2025) mit über 460.000 Frauen belegt im Mammographie-Screening eine um 17,6 % höhere Karzinom-Detektionsrate mit KI-Unterstützung ohne steigende Recall-Rate. Die KI-Nutzung in deutschen Praxen liegt je nach Erhebung zwischen 15 % (Bitkom/Hartmannbund, 05/2025) und 37,6 % (Medizinio, 12/2025).
  • Die Einführung beginnt mit einer Prozessanalyse des größten Zeitverlusts, meist Telefon oder Dokumentation, gefolgt von einer befristeten Pilotphase mit definierten Kennzahlen. Zentrale Auswahlkriterien sind PVS-Schnittstelle, CE-Kennzeichnung bei diagnostischen Funktionen, EU-Hosting mit AVV und die Bestätigung des Versicherungsschutzes durch die Berufshaftpflichtversicherung.

Was leistet KI in der Arztpraxis heute?

Künstliche Intelligenz in der Arztpraxis umfasst drei technisch unterschiedliche Ansätze:

  • Regelbasierte Software folgt fest programmierten Wenn-dann-Logiken, etwa bei Plausibilitätsprüfungen in der Abrechnung.
  • Machine Learning erkennt Muster in großen Datenmengen und liefert Wahrscheinlichkeiten, zum Beispiel für einen auffälligen Befund im Röntgenbild.
  • Generative KI nutzt große Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) und erzeugt neue Texte, etwa Gesprächszusammenfassungen oder Arztbrief-Entwürfe.
Leuchtende Knotenpunkte und weiße Verbindungsstränge eines abstrakten neuronalen Netzwerks auf dunklem Hintergrund.
Künstliche neuronale Netzwerke bilden die funktionale Basis moderner KI-Systeme und ermöglichen komplexe Datenverarbeitungen in Echtzeit.

Diese Unterscheidung hat praktische Folgen. Sie bestimmt, ob ein System als Medizinprodukt zertifiziert sein muss. Und sie legt fest, wie hoch das Fehlerrisiko ist und wie genau Sie den Output kontrollieren müssen. Generative KI formuliert flüssig, kann aber Fakten erfinden (Halluzination). Diagnostische Machine-Learning-Systeme sind dagegen auf eine eng begrenzte, validierte Fragestellung beschränkt.

Im Praxisalltag setzt sich KI zuerst in der Verwaltung durch: bei Telefon, Terminvergabe und Dokumentation. Den übergeordneten Rahmen bildet die Digitalisierung der Arztpraxis.

Nr.BeispielEinsatzbereichMedizinprodukt (MDR)Reifegrad (Einschätzung)
1KI-TelefonassistentPatientenkommunikationNeinWachsend
2TerminmanagementPraxisorganisationNeinEtabliert
3Digitale RezeptionPraxisorganisationNeinWachsend
4Digitale AnamnesePatientenaufnahmeIn der Regel neinWachsend
5Spracherkennung und Ambient DocumentationDokumentationIn der Regel neinSpracherkennung etabliert, Ambient früh
6Arztbriefe mit generativer KIDokumentationIn der Regel neinFrüh
7Abrechnung und KodierungAbrechnungNeinWachsend
8Bildgebende DiagnostikDiagnostikJaEtabliert in der Radiologie
9KI im UltraschallDiagnostikJa, als GerätefunktionWachsend
10EKG-Auswertung und CDSSDiagnostik und TherapieJa, je nach ZweckbestimmungEKG etabliert, CDSS wachsend

Patientenkommunikation und Praxisorganisation: 4 Beispiele

1. KI-Telefonassistent: Anrufannahme und Anliegen-Triage

Ein KI-Telefonassistent nimmt eingehende Anrufe an, erkennt das Anliegen per Spracherkennung und leitet es strukturiert weiter. Terminwünsche, Folgerezepte, Überweisungen und Befundrückfragen erfasst das System vollständig, ohne dass eine MFA das Gespräch führt. Die Anfragen landen als Aufgabe im Praxisteam oder direkt im Terminkalender.

Das Team gewinnt in den Stoßzeiten Kapazität. Patienten erreichen die Praxis auch außerhalb der Sprechzeiten. Ein korrekt konfiguriertes System erkennt dringliche Anliegen und verweist auf den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder den Notruf 112. Die Weiterleitungslogik legen Sie selbst fest. Eine medizinische Ersteinschätzung ersetzt der Assistent nicht.

Funktionen und Einsatzszenarien vergleicht die Übersicht zum Telefonassistenten für die Arztpraxis.

2. Terminmanagement: Online-Buchung und Ausfallprognose

Online-Terminkalender vergeben Termine rund um die Uhr. KI-Funktionen ergänzen die klassische Buchung um Prognosen: Das System schätzt anhand historischer Daten, wie wahrscheinlich ein Termin ausfällt (No-Show). Bei erhöhtem Risiko verschickt es gezielte Erinnerungen per SMS oder E-Mail. Abgesagte Termine vergibt es automatisch an Patienten auf der Warteliste.

Für die Praxis bedeutet das weniger Leerlauf und eine gleichmäßigere Auslastung. Terminarten lassen sich nach Behandlungsdauer steuern. So bleiben Vorsorge, Akutsprechstunde und längere Untersuchungen im Kalender getrennt. Voraussetzung ist eine stabile Schnittstelle zum Praxisverwaltungssystem (PVS). Sie verhindert Doppelbuchungen.

Systeme und Funktionsumfang zeigt die Seite zum Online-Terminkalender für Arztpraxen.

3. Digitale Rezeption: Check-in und Patientenaufnahme

Die digitale Rezeption verlagert Aufnahmeschritte vom Empfangstresen auf Terminal, Tablet oder Smartphone. Patienten checken selbst ein, lesen ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK) ein und füllen Stammdatenblatt oder Datenschutzeinwilligung digital aus. KI-Komponenten lesen Dokumente wie Überweisungsscheine per Texterkennung aus und ordnen Anliegen der passenden Sprechstunde zu.

Die Rezeption gewinnt Zeit für Aufgaben, die persönlichen Kontakt erfordern. Die Fehlerquote bei der Stammdatenerfassung sinkt, weil manuelle Abschriften entfallen. Grenzen zeigen sich bei älteren Patienten oder bei Sprachbarrieren. Ein hybrides Modell mit besetztem Empfang bleibt deshalb der Standard.

Lösungen für den Empfangsbereich stellt die Seite zur Online-Rezeption für die Arztpraxis vor.

4. Digitale Anamnese mit KI-Vorstrukturierung

Digitale Anamnese-Systeme ersetzen den Papierbogen durch adaptive Fragebögen. Das System passt Folgefragen an die bisherigen Antworten an. Gibt ein Patient Thoraxschmerz an, fragt es gezielt nach Dauer, Ausstrahlung und Belastungsabhängigkeit. KI-Funktionen fassen die Angaben vorstrukturiert zusammen und übertragen sie ins PVS. Mehrsprachige Fragebögen mit Übersetzung ins Deutsche erleichtern die Anamnese bei fremdsprachigen Patienten.

Sie beginnen das Arzt-Patienten-Gespräch damit bereits vollständig vorinformiert. Die Verantwortung für die Anamnese bleibt ärztlich. Leitet das System aus den Antworten Dringlichkeiten oder Verdachtsdiagnosen ab, kann es als Medizinprodukt einzustufen sein. Prüfen Sie deshalb die Zweckbestimmung des Herstellers.

Einen Marktüberblick bietet die Seite zur digitalen Anamnese.

Dokumentation und Abrechnung: 3 Beispiele

5. Spracherkennung und Ambient Documentation

Medizinische Spracherkennung wandelt Diktate in Echtzeit in Text um. Sie beherrscht Fachvokabular, lateinische Termini und Wirkstoffnamen. Ambient Documentation geht einen Schritt weiter. Ein sogenannter Ambient Scribe hört das Arzt-Patienten-Gespräch mit. Daraus erstellt er einen strukturierten Dokumentationsentwurf mit Anamnese, Befund und Procedere.

Die Dokumentationspflicht nach § 630f BGB bleibt unverändert bei Ihnen. Sie prüfen jeden Entwurf, bevor er Teil der Patientenakte wird. Für den Gesprächsmitschnitt benötigen Sie die vorherige Einwilligung des Patienten. Die unbefugte Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes ist nach § 201 StGB strafbar. Viele Systeme löschen die Audiodatei unmittelbar nach der Transkription. Fragen Sie dieses Auswahlkriterium gezielt ab.

Systeme für Diktat und Transkription stellt die Seite zur Spracherkennung in der Medizin vor.

6. Arztbriefe und Befundberichte mit generativer KI

Generative KI erstellt aus Befunden, Verlaufsdokumentation und Medikationsplan einen Entwurf für Arztbrief, Befundbericht oder Überweisungsschreiben. Den größten Zeitgewinn bringt sie bei Standardbriefen mit wiederkehrender Struktur. Ist das Sprachmodell in eine Praxissoftware mit KI integriert, greift es direkt auf die Patientenakte zu. Niemand muss Inhalte manuell in externe Tools kopieren.

Das zentrale Risiko sind Halluzinationen. Sprachmodelle formulieren plausible, aber falsche Aussagen, etwa eine nie gestellte Diagnose oder eine abweichende Dosierung. Prüfen Sie deshalb vor der Freigabe jeden Satz inhaltlich. Ein formaler Klick genügt nicht. Sie unterzeichnen den Brief und haften für seinen Inhalt. Setzen Sie nur Systeme mit Auftragsverarbeitungsvertrag und Datenverarbeitung in der EU ein.

7. Abrechnung und Kodierung: EBM, GOÄ, ICD-10-GM

KI-gestützte Abrechnungssoftware analysiert die Dokumentation. Sie schlägt passende Gebührenordnungspositionen nach EBM oder GOÄ sowie Kodierungen nach ICD-10-GM vor. Plausibilitätsprüfungen erkennen fehlende Pflichtangaben und unzulässige Ziffernkombinationen. Sie finden auch dokumentierte, aber nicht abgerechnete Leistungen. Die Prüfung läuft, bevor die Quartalsabrechnung an die Kassenärztliche Vereinigung geht.

Das sichert Erlöse und senkt das Risiko von Honorarkürzungen in Plausibilitäts- und Wirtschaftlichkeitsprüfungen. Die Verantwortung bleibt bei Ihnen: Mit der Abrechnungs-Sammelerklärung bestätigen Sie die ordnungsgemäße Leistungserbringung und Abrechnung. KI-Vorschläge ersetzen daher nicht Ihre Kenntnis der Regeln zur Abrechnung in der Arztpraxis. 

Wer die Abrechnung ganz oder teilweise auslagern möchte, findet Optionen bei Abrechnungszentren für Ärzte.

Diagnostik und Therapieunterstützung: 3 Beispiele

In der Diagnostik ist KI überwiegend als Medizinprodukt nach der Verordnung (EU) 2017/745 (MDR) zertifiziert. Sie liefert Befundvorschläge, Messwerte und Priorisierungen. Die Diagnose stellt weiterhin der Arzt.

8. Bildgebende Diagnostik: Röntgen, CT, MRT

Die Radiologie ist das am weitesten entwickelte Anwendungsfeld für KI in der Diagnostik. CE-gekennzeichnete Systeme markieren Frakturen im Röntgenbild, detektieren Lungenrundherde in der CT oder quantifizieren Volumina in der MRT. Welchen Nutzen das im Versorgungsalltag bringt, zeigt die PRAIM-Studie (Nature Medicine, 2025) mit über 460.000 Frauen aus dem deutschen Mammographie-Screening. Radiologen, die mit KI-Unterstützung befundeten, entdeckten 17,6 % mehr Mammakarzinome (6,7 statt 5,7 pro 1.000 Frauen), ohne mehr Frauen zur Abklärung einzubestellen.

Die Recall-Rate lag mit KI sogar leicht niedriger (37,4 vs. 38,3 pro 1.000), der Unterschied war aber nicht signifikant. Deshalb heißt es oben „ohne mehr Frauen einzubestellen“ und nicht „weniger“.

Die Systeme arbeiten als Zweitbefunder oder Priorisierungshilfe. Die ärztliche Befundung ersetzen sie nicht. Sie binden sich an PACS und Radiologie-Software an. Prüfen Sie bei der Neuanschaffung von Röntgengeräten, CT-Geräten oder MRT-Geräten KI-Funktionen und deren Zertifizierung direkt mit.

9. KI im Ultraschall

Moderne Ultraschallgeräte integrieren KI-Ultraschall direkt in die Bedienoberfläche. Typische Funktionen sind:

  • automatische Messung von Standardparametern wie Ejektionsfraktion, Blasenvolumen oder fetaler Biometrie
  • Erkennung von Standardschnittebenen
  • KI-basierte Bildoptimierung zur Rauschunterdrückung
  • Echtzeit-Anleitung zur korrekten Schallkopfposition

Das verkürzt die Untersuchungszeit. Die Messungen werden reproduzierbarer, besonders wenn mehrere Ärzte am selben Gerät arbeiten. Die fachliche Qualifikation nach der Ultraschallvereinbarung gemäß § 135 Abs. 2 SGB V bleibt Voraussetzung für die Abrechnung. Die Automatik ersetzt sie nicht.

Welche Gerätetypen welche Funktionen mitbringen, zeigt die Übersicht zu Ultraschallgeräten.

10. EKG-Auswertung und klinische Entscheidungsunterstützung (CDSS)

EKG-Geräte liefern seit Jahren algorithmische Befundvorschläge für Rhythmus, Intervalle und Ischämiezeichen. Neuere KI-Modelle erkennen in Studien zusätzlich Muster, die visuell kaum erfassbar sind. Dazu zählen Hinweise auf eine eingeschränkte linksventrikuläre Funktion. Beim Langzeit-EKG sortiert KI Arrhythmien in mehrtägigen Aufzeichnungen vor und verkürzt so die Auswertung.

Clinical Decision Support Systems (CDSS) gehen über einzelne Untersuchungen hinaus. Sie prüfen Arzneimittelinteraktionen und Kontraindikationen, berechnen kardiovaskuläre Risikoscores und erinnern an fällige Vorsorgeuntersuchungen. Je nach Zweckbestimmung fallen solche Systeme unter die MDR.

Geräte mit integrierter Auswertungssoftware finden Sie in der Übersicht zu EKG-Geräten.

Rechtlicher Rahmen: DSGVO, AI Act, MDR und Haftung

Für KI in der Arztpraxis gelten vier Regelwerke parallel. Die folgenden Punkte fassen zusammen, was Sie als Praxisinhaber konkret betrifft.

Datenschutz: Gesundheitsdaten nach DSGVO

Gesundheitsdaten sind besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO. Neben den allgemeinen DSGVO-Pflichten der Arztpraxis stellt der KI-Einsatz zusätzliche Anforderungen: Für jeden externen KI-Anbieter benötigen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. Setzen Sie KI im Patientenkontakt ein, kann eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO erforderlich sein. Prüfen Sie Serverstandort und Drittlandtransfer. Dienstleister müssen Sie nach § 203 Abs. 4 StGB zur Verschwiegenheit verpflichten. Restrisiken wie Datenlecks deckt eine Cyberversicherung ab.

EU AI Act: Pflichten für Praxen als Betreiber

Die Verordnung (EU) 2024/1689 unterscheidet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. Ihre Praxis ist Betreiber. Seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet Art. 4 Sie, für ausreichende KI-Kompetenz Ihres Personals zu sorgen. Durchläuft KI als Medizinprodukt eine Konformitätsbewertung durch eine Benannte Stelle, gilt sie als Hochrisiko-KI (Art. 6 Abs. 1). Betreiber müssen dann nach Art. 26 u. a. die bestimmungsgemäße Verwendung und die menschliche Aufsicht sicherstellen. Diese Pflichten greifen nach aktuellem Stand ab August 2027. Eine Verschiebung wird auf EU-Ebene diskutiert.

Medizinprodukterecht und ärztliche Haftung

Liefert Software Informationen für diagnostische oder therapeutische Entscheidungen, ordnet Regel 11 (Anhang VIII MDR) sie mindestens der Klasse IIa zu. Achten Sie auf CE-Kennzeichnung und Zweckbestimmung. Sie schulden eine Behandlung nach dem allgemein anerkannten fachlichen Standard (§ 630a Abs. 2 BGB). Übernehmen Sie eine fehlerhafte KI-Empfehlung ungeprüft, haften Sie wie bei jedem anderen Behandlungsfehler. Klären Sie mit Ihrem Versicherer, ob die Berufshaftpflichtversicherung den KI-Einsatz abdeckt.

Checkliste vor dem KI-Einsatz:

  • [ ] Zweckbestimmung und CE-Kennzeichnung geprüft
  • [ ] Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO abgeschlossen
  • [ ] Serverstandort EU oder Drittlandtransfer rechtlich abgesichert
  • [ ] Erfordernis einer Datenschutz-Folgenabschätzung geklärt
  • [ ] Team zu KI-Kompetenz geschult und Schulung dokumentiert
  • [ ] Versicherungsschutz beim Berufshaftpflichtversicherer bestätigt

Wie führen Sie KI in Ihrer Praxis ein?

Beginnen Sie mit einer Prozessanalyse: Wo verliert Ihr Team täglich die meiste Zeit? In vielen Praxen sind das Telefon und Dokumentation. Dort liegt meist der schnellste Hebel für den KI-Einsatz in der Arztpraxis. Vergleichen Sie Anbieter anhand weniger harter Kriterien:

KriteriumPrüffrage
PVS-SchnittstelleÜberträgt das System Daten direkt in Ihr Praxisverwaltungssystem?
ZertifizierungLiegt bei diagnostischen Funktionen eine CE-Kennzeichnung nach MDR vor?
HostingVerarbeitet der Anbieter die Daten in der EU und stellt einen AVV bereit?
VertragsmodellWelche Laufzeit, Kündigungsfrist und Abrechnungsbasis gelten?

Anbieter rechnen meist über Lizenzen je Arzt oder Standort, nutzungsbasiert (etwa pro Anruf oder Minute) oder über Einrichtungspauschalen ab. Starten Sie mit einer zeitlich begrenzten Pilotphase. Definieren Sie vorab Kennzahlen wie Anrufannahmequote oder Dokumentationszeit pro Patient.

Wie verbreitet ist KI in deutschen Arztpraxen?

Zwei aktuelle Umfragen zeigen, dass KI in der Praxis angekommen ist, aber noch nicht in der Breite. In der Umfrage von Bitkom und Hartmannbund (Mai 2025) geben 15 % der Befragten aus Praxen und MVZ an, dass dort KI genutzt wird. Die Medizinio-Umfrage (Dezember 2025) kommt auf 37,6 %.

KennzahlBitkom/Hartmannbund (05/2025)Medizinio (12/2025)
Befragteüber 600 Ärzte in Praxis und Klinik194 Niedergelassene und Praxisverantwortliche
KI-Nutzung in der Praxis15 %37,6 %
Häufigste AnwendungDiagnoseunterstützung (12 %)Textgenerierung (47 % der Nutzer)
Offenheit78 % sehen KI als große Chance81,4 % der Nicht-Nutzer planen den Einsatz
Größte Vorbehalte72 %: Datenschutz bremst Innovation44 %: fehlendes Vertrauen in die Qualität

Die Abweichung hat methodische Gründe. Bitkom fragt gezielt nach KI in Diagnostik und Verwaltung. Medizinio fragt allgemein und erfasst damit auch frei verfügbare Sprachmodelle wie ChatGPT. Beide Umfragen zeigen dasselbe Muster: große Offenheit bei deutlichen Vorbehalten zu Qualität und Datenschutz. Von den aktiven Nutzern berichten 35,6 % von Problemen, vor allem von fehlerhaften Inhalten und fehlenden PVS-Schnittstellen.

FAQ: Häufige Fragen zu KI in der Arztpraxis

Dürfen Sie ChatGPT mit Patientendaten nutzen?

Die frei zugängliche Verbraucherversion eignet sich dafür nicht. Es fehlt ein Auftragsverarbeitungsvertrag. Eingaben können in das Modelltraining einfließen. Zudem verarbeitet der Anbieter Daten auch außerhalb der EU. Damit riskieren Sie einen Datenschutzverstoß und eine Verletzung der Schweigepflicht nach § 203 StGB. Datenschutzrechtlich unkritisch sind vollständig anonymisierte Anfragen, etwa Formulierungshilfen ohne jeden Rückschluss auf Patienten.

Müssen Sie Patienten über den KI-Einsatz informieren?

Ja. Die Informationspflichten nach Art. 13 DSGVO umfassen Zwecke und Empfänger der Datenverarbeitung, also auch externe KI-Dienstleister. Der AI Act verlangt nach Art. 50 ab dem 2. August 2026 Transparenz. Menschen müssen erkennen, wenn sie mit einem KI-System interagieren, etwa mit einem Telefonassistenten. Für Gesprächsmitschnitte durch einen Ambient Scribe benötigen Sie die vorherige Einwilligung des Patienten.

Kann KI Medizinische Fachangestellte ersetzen?

Nein. KI verschiebt Aufgaben, statt Stellen zu ersetzen. Standardisierte Tätigkeiten wie Anrufannahme, Terminvergabe und Formularerfassung übernimmt das System. Patientenbetreuung, Assistenz bei Untersuchungen, Hygiene und delegierte ärztliche Leistungen bleiben beim Team – ebenso wie das persönliche Arzt-Patienten-Gespräch. Angesichts des Fachkräftemangels bei MFA entlastet KI vor allem das bestehende Personal. 

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Autor: Nils Buske, zuletzt aktualisiert am