Langzeit-EKG-Gerät kaufen: Ratgeber für niedergelassene Ärzte

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Abstract – Langzeit-EKG-Gerät kaufen: Entscheidungsleitfaden für Arztpraxen

  • Der Kauf eines Langzeit-EKG-Geräts erfordert neben der Gerätewahl die KV-Genehmigung nach § 135 Abs. 2 SGB V (Anlage 31b BMV-Ä) sowie MDR-konforme CE-Zertifizierung; ohne diese Voraussetzungen ist weder der Betrieb noch die GKV-Abrechnung über GOP 03322 (Aufzeichnung) und 03241 (Auswertung) zulässig.
  • Systemtypen unterscheiden sich nach Kanalzahl (3-Kanal für Standardindikationen wie VHF-Screening und Synkope, 12-Kanal für ST-Analyse, Brugada, WPW), Formfaktor (kabelgebunden vs. kabelloser Patch) und Laufzeit (24 h bis 14 Tage); aktive Medizinprodukte der Klasse IIa müssen bis 31. Dezember 2028 vollständig nach MDR 2017/745 zertifiziert sein.
  • Marktrelevante Systeme für Arztpraxen sind u. a. Schiller medilogAR + DARWIN2 (32.000 Hz, VHF-Erkennung < 1 s, bis 14 Tage), Cortrium C3+ (Pflaster-System, bis 7 Tage), Edan SE-2003/SE-2012 (mittleres Preissegment) sowie Kombinationssysteme von Custo med für simultane ABPM-Aufzeichnung.
  • Der Break-even bei einem 3-Kanal-Holter (ca. 2.000 €) liegt bei rund 118 GKV-Fällen (Vergütung ca. 17 € je Langzeit-EKG); für Privatpatienten gilt GOÄ Nr. 659 (Regelhöchstsatz 53,62 €), bei < 5 Fällen pro Quartal sind Geräteverleih oder Zuweisungsmodell wirtschaftlich überlegen.

Inhaltsverzeichnis

Was unterscheidet die Systemtypen — und welcher passt zur Praxis?

Was ist ein Langzeit-EKG-Gerät?

Ein Langzeit-EKG-Gerät, auch LZ-EKG-Gerät oder Holter EKG-Gerät genannt, ist ein tragbarer Rekorder, der die elektrische Herzaktivität kontinuierlich über mindestens 18 Stunden aufzeichnet. Im Unterschied zum Ruhe-EKG-Gerät erfasst es Herzrhythmusstörungen, die intermittierend auftreten und in einer punktuellen Messung statistisch nicht abgebildet werden. Die Aufzeichnung erfolgt über Hautelektroden, die mit dem Recorder verbunden sind — kabelgebunden oder als Patch-System direkt auf der Haut.

Das Verfahren ist nicht-invasiv und patientenadaptiert: Der Patient trägt das Gerät im Alltag und dokumentiert Symptome in einem Tagebuch. Die anschließende computergestützte Auswertung durch den behandelnden Arzt liefert Informationen zu Herzfrequenz, Rhythmusprofil, HRV, ST-Strecken-Verlauf und ggf. Schrittmacherfunktion.

Klinisch eingesetzt wird das Langzeit-EKG bei folgenden Indikationen:

  • Abklärung von Palpitationen, Präsynkopen und Synkopen
  • Screening auf paroxysmales Vorhofflimmern (u.a. nach Schlaganfall)
  • Verlaufskontrolle nach Ablation oder antiarrhythmischer Therapie
  • Evaluation bei Verdacht auf Brugada-Syndrom oder WPW (dann 12-Kanal)
  • Schrittmacherkontrolle im Verlauf

Die Standardaufzeichnungsdauer beträgt 24 bis 48 Stunden. Neuere Patch-Systeme ermöglichen Ableitungen von 7 bis 14 Tagen. Implantierbare Loop-Recorder (ILR) verlängern den Beobachtungszeitraum auf bis zu 3 Jahre — sie sind jedoch ein eigenständiges Gerätesegment und nicht Gegenstand dieser Kaufberatung.

Abrechnung: Im GKV-Bereich setzt die Durchführung des Langzeit-EKGs eine KV-Genehmigung nach § 135 Abs. 2 SGB V voraus. Die Mindestaufzeichnungsdauer für die Abrechenbarkeit nach GOP 03322/03241 beträgt 18 Stunden.

3-Kanal vs. 12-Kanal: Indikationen und diagnostischer Mehrwert

Das klassische Langzeit-EKG wird mit 3 bipolaren Ableitungen in Mason-Likar-Konfiguration aufgezeichnet. Es erfasst Rhythmusstörungen, Herzfrequenzvariabilität sowie supraventrikuläre und ventrikuläre Extrasystolen zuverlässig. Für die meisten ambulanten Indikationen — Vorhofflimmern-Screening, Synkopenabklärung, Verlaufskontrolle nach Ablation — ist der 3-Kanal-Recorder ausreichend.

Das 12-Kanal-Langzeit-EKG liefert vollständige Vektorinformation. Es erlaubt die morphologische Differenzierung von ST-Strecken-Veränderungen und die topografische Zuordnung ischämischer Ereignisse. Damit nähert es sich der diagnostischen Präzision stationärer 12-Kanal-EKG-Geräte, die als Goldstandard für die kardiologische Basisdiagnostik gelten und eine umfassende Beurteilung der elektrischen Herzaktivität ermöglichen. Die DGK-Leitlinie zu ventrikulären Arrhythmien empfiehlt das 12-Kanal-System bei Verdacht auf Brugada-Muster, WPW-Syndrom sowie bei der Evaluation komplexer Schenkelblockbilder. Der Aufwand ist entsprechend höher: mehr Elektroden, längere Anlagezeit, erhöhte Artefaktanfälligkeit.

Kabelgebunden vs. kabellos: Tragekomfort, Artefaktanfälligkeit, Patientencompliance

Kabelgebundene Holter-EKG-Systeme gelten als Goldstandard für Signalqualität. Die physische Verbindung zwischen Elektrode und Rekorder stabilisiert das Signal bei Bewegung — ein Vorteil bei aktiven Patienten. Nachteil: Die Kabelführung ist bei älteren oder unkooperativen Patienten fehleranfällig. Die wahrgenommene Körperlast kann die Compliance bei 48-Stunden-Ableitungen senken.

Kabellose Patch-Systeme erreichen in Studien vergleichbare Signalqualität bei deutlich höherer Patientenakzeptanz. Anlagezeit sinkt, Rücklaufquote steigt. Das kritischere Risiko ist der fehlende Kabelzug: Schlechter Elektrodensitz gibt keinen sofortigen Hinweis auf Signalverlust.

Event-Recorder und implantierbare Systeme (ILR): Abgrenzung zum klassischen Langzeit-EKG

Der externe Event-Recorder wird bei Symptomauftreten aktiv aufgesetzt oder ist dauerhaft getragen und rückwirkend aktivierbar. Er eignet sich für infrequente Arrhythmien, bei denen ein 24-48-Stunden-Holter statistisch leer bleibt.

Der implantierbare Herzmonitor (ILR, Implantable Loop Recorder) überbrückt Beobachtungszeiträume von bis zu 3 Jahren subkutan. Er ist kein klassisches Praxisinventar — die Implantation erfordert einen operativen Eingriff und liegt in der Regel beim Kardiologen oder Elektrophysiologen. Für die niedergelassene Praxis relevant: Auslesegeräte und Telemonitoring-Lösungen der ILR-Hersteller (Medtronic, Abbott, Biotronik) sind als Praxisequipment beschaffbar.

SystemtypKanäleTragedauerIndikationFormfaktor
3-Kanal-Holter (kabelgebunden)324–48 h, bis 7 TageVHF-Screening, Extrasystolen, SynkopeGerät + Kabel + Elektroden
12-Kanal-Holter1224–48 hST-Analyse, Brugada, WPW, komplexe ArrhythmieGerät + Kabel + mehr Elektroden
Patch/kabellos1–324 h bis 14 TageVHF-Langzeitscreening, hohe Compliance gefordertKleines Pflaster-System
Event-Recorder1–3Wochen–MonateInfrequente Arrhythmie, PräsynkopeHandgerät oder Dauerpflaster
ILR (subkutan)1Bis 3 JahreUngeklärte Synkope, VHF-Nachweis nach SchlaganfallKapsel, subkutan implantiert
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Welche regulatorischen und praxisorganisatorischen Anforderungen gelten?

MDR-Konformität und CE-Zertifizierung als Grundvoraussetzung

Alle Langzeit-EKG-Geräte, die in Deutschland betrieben werden, müssen der EU-Medizinprodukteverordnung 2017/745 (MDR) entsprechen und eine CE-Kennzeichnung tragen. Die MDR ersetzt die MDD 93/42/EWG. Ihr Geltungsbeginn war der 26. Mai 2021.

Für Bestandsprodukte gelten verlängerte Übergangsfristen. Aktive Medizinprodukte der Klasse IIa — zu der die meisten Holter-EKG-Systeme zählen — müssen bis zum 31. Dezember 2028 vollständig nach MDR zertifiziert sein. Beim Kauf prüfen Sie: Kann der Hersteller eine aktuelle EU-Konformitätserklärung und ein Benannten-Stelle-Zertifikat nach MDR vorlegen?

Haftungsrisiko: Geräte ohne gültige MDR-Konformität dürfen nicht neu in Betrieb genommen werden. Verlassen Sie sich nicht auf auslaufende MDD-Zertifikate — fragen Sie den Hersteller explizit nach dem aktuellen MDR-Zertifizierungsstatus.

KV-Genehmigungspflicht und Qualifikationsnachweis (§ 135 SGB V)

Die Durchführung von Langzeit-EKG-Untersuchungen zu Lasten der GKV ist genehmigungspflichtig. Rechtsgrundlage ist § 135 Abs. 2 SGB V in Verbindung mit der Vereinbarung zur Durchführung von Langzeitelektrokardiographischen Untersuchungen (Anlage 31b BMV-Ä). Die Genehmigung erteilt die zuständige Kassenärztliche Vereinigung.

Voraussetzungen für die KV-Genehmigung:

  • Fachkundenachweis — entweder Facharztanerkennung Innere Medizin/Kardiologie oder Nachweis einer kardiologischen Weiterbildung mit Mindestfallzahlen für EKG-Befundung
  • Geräteausstattung, die den technischen Anforderungen der Anlage 31b BMV-Ä entspricht
  • Qualifikationsnachweis gemäß den Vorgaben der zuständigen KV (regional unterschiedlich)

EBM-Abrechnung: Ziffern und Abrechnungsvoraussetzungen

Hausärzte und hausärztliche Internisten rechnen zwei GOP ab: GOP 03322 (Aufzeichnung, 48 Punkte, ca. 6,12 Euro) und GOP 03241 (computergestützte Auswertung, 86 Punkte, ca. 10,96 Euro). Je Langzeit-EKG ergibt sich eine EBM-Vergütung von rund 17 Euro (Orientierungspunktwert 12,7404 Cent, Stand I/2026). Beide GOP setzen die KV-Genehmigung nach Anlage 31b BMV-Ä voraus.

Fachärztliche Internisten und Kardiologen rechnen das Langzeit-EKG im Regelfall über Leistungskomplexe ab. Als Auftragsleistung ist die Auswertung über GOP 13252 oder 13253 abrechnungsfähig.

Abrechnung: GOÄ Nr. 659 (400 Punkte, Einfachsatz 23,31 Euro, Regelhöchstsatz 53,62 Euro) erfasst das vollständige Langzeit-EKG in einer Position — Anlage, Aufzeichnung und Auswertung inklusive. Eine separate Abrechnung der Nr. 650 entfällt.

VoraussetzungAnforderungGrundlage
CE-KennzeichnungMDR 2017/745 konformEU-Verordnung 2017/745
KV-GenehmigungFachkundenachweis + Gerätequalifikation§ 135 Abs. 2 SGB V
Aufzeichnung (Hausarzt GKV)GOP 03322 (48 Punkte, ca. 6,12 €)EBM-Systematik KBV
Auswertung (Hausarzt GKV)GOP 03241 (86 Punkte, ca. 10,96 €)EBM-Systematik KBV
Privatpatient GOÄNr. 659 (400 Punkte, 1,0–2,5-fach)GOÄ § 1 Abs. 2
DokumentationBefundbericht, Aufzeichnungsdauer ≥ 18 hAnlage 31b BMV-Ä

Checkliste: Anforderungen vor der Geräteanschaffung

  • KV-Genehmigung nach § 135 SGB V beantragt oder vorhanden
  • Fachkundenachweis gemäß regionaler KV-Anforderungen erfüllt
  • EU-Konformitätserklärung nach MDR 2017/745 vom Hersteller vorgelegt
  • Benannten-Stelle-Zertifikat nach MDR geprüft
  • Technische Anforderungen der Anlage 31b BMV-Ä durch das Gerät erfüllt
  • Mitarbeiterunterweisung nach § 5 MPDG geplant
  • Geräteeinweisung nach § 10 MPDG dokumentiert

Marktübersicht: Etablierte Langzeit-EKG-Geräte für Arztpraxen

Die nachfolgende Übersicht der Hersteller von EKG-Geräten richtet sich an Praxisinhaber, die ein System für den regulären ambulanten Betrieb beschaffen — keine Heimgeräte, keine Consumer-Produkte.

Professionelle Mehrkanal-Systeme: Schiller, DMS, Custo med, Cortrium, Medset

Schiller (Schweiz) bietet mit dem medilogAR sein aktuelles Langzeit-EKG-System für Arztpraxen an. Der medilogAR-Rekorder zeichnet 3 Kanäle mit einer Abtastfrequenz von 32.000 Hz auf — eine für Holter-Systeme ungewöhnlich hohe Abtastrate, die Artefaktunterdrückung und P-Wellen-Analyse auf Niveau eines Ruhe-EKGs ermöglicht. Vorhofflimmern und Vorhofflattern erkennt das System in unter einer Sekunde. Das Doppelbatteriekonzept erlaubt Ableitungen von über 14 Tagen ohne Batteriewechsel. Das Gerät ist spritzwasserfest (IP22). Ausgewertet wird über die Software medilog DARWIN2, die in drei Versionen verfügbar ist: Office (Routineanwendung Arztpraxis), Professional (Holter-Scanlab, schnelle VHF-Erkennung) und Enterprise (Forschung, Krankenhaus mit hohem Volumen). Die automatische Analyse eines 24-Stunden-Holter-EKGs dauert unter 90 Sekunden. 

Edan (China) ist seit 1995 am Markt und positioniert sich im mittleren Preissegment. Die EdaDas Holter-EKG-System SE-2003/SE-2012 ist wasserfest, verfügt über Touch-Bedienung und Echtzeit-Kurvenanalyse. Mit rund 4.000 Euro netto liegt der SE-2012 am oberen Rand der Mittelklasse. Das Gerät unterstützt Micro-SD-Karten für den Datentransfer und wiegt ca. 50 Gramm. Hier erfahren Sie mehr über EKG-Geräte von Edan.

DMS (Deutschland) bietet 3-Kanal- und 12-Kanal-Langzeit-EKG-Lösungen für kardiologische Schwerpunktpraxen. Die Datenverwaltung erfolgt über die DMS-eigene Auswerteplattform.

Custo med (Deutschland) ist für kombinierte Systeme bekannt. Das custo flash zeichnet Langzeit-EKG und Langzeitblutdruck gleichzeitig auf — relevant für Praxen, die beide Parameter in einer Untersuchungssession erheben wollen.

Cortrium (Dänemark) steht für einen anderen Formfaktor: Das C3+ ist ein pflasterbasiertes 3-Kanal-System mit bis zu 7 Tagen Laufzeit. Kein externes Recorder-Gerät, kein Kabelsystem.

Medset (Deutschland) ist für klinisch robuste Lösungen bekannt, vor allem im stationären und halbstationären Bereich. Die ambulante Lösung ist auf Netzwerkintegration in bestehende Praxisinfrastrukturen ausgelegt.

Patch-basierte und kabellose Systeme: ECG247, Lifecard CF, EC 3H

ECG247 (Norwegen) ist ein vollständig kabelloses Patch-System mit bis zu 7 Tagen Laufzeit. Befundierung über den behandelnden Arzt oder den ECG247-eigenen Befundierungsservice ist möglich.

Lifecard CF ist ein 3-Kanal-System des Herstellers Spacelabs Healthcare mit bis zu 48 Stunden Laufzeit und PC-basierter Analyse. Im deutschen Markt weit verbreitet.

EC 3H ist ein 3-Kanal-Langzeit-EKG-Rekorder, der in kardiologischen Praxen als Einsteigerlösung positioniert ist.

Kombinierte Langzeit-EKG- und Blutdrucksysteme: Indikation und Praxistauglichkeit

Kombinationsgeräte zeichnen Langzeit-EKG und Langzeit-Blutdruck (ABPM) gleichzeitig auf. Diagnostisch relevant bei hypertensiver Herzerkrankung, Schlafapnoe-Verdacht oder unklarer Synkope, wenn Rhythmus und Druckverhalten korreliert werden müssen.

GOP 03322 + 03241 (Langzeit-EKG) und GOP 03324 (Langzeit-Blutdruckmessung, 57 Punkte) können in der gleichen Sitzung abgerechnet werden — sofern beide Leistungen vollständig erbracht und befundet werden. Beide erfordern eine separate KV-Genehmigung.

HerstellerSystemKanäleLaufzeitBesonderheit
SchillermedilogAR + DARWIN23Bis 14 Tage32.000 Hz Abtastrate, VHF-Erkennung < 1 s, IP22
DMS3 / 1224–48 h12-Kanal-Option für Kardiologen
Custo medcusto flash3 + RR24 hKombination EKG + ABPM
CortriumC3+3Bis 7 TagePflaster-System, kabellos
ECG247ECG247 Patch1Bis 7 TageKein Kabel, Befundierungsservice optional
EdanSE-2003 / SE-2012324–48 hMittleres Preissegment, wasserfest, ca. 50 g
Lifecard CFLifecard CF324–48 hSpacelabs, PC-basierte Analyse
Medset324 hKlinische Robustheit, Netzwerkintegration

Nach welchen Kriterien sollten Ärzte das Gerät auswählen?

Klinische Kriterien: Kanalzahl, Speicherdauer, Elektrodenkompatibilität

Die Kanalzahl bestimmt die diagnostische Reichweite. Für Allgemeinmedizin und internistische Grundversorgung reicht ein 3-Kanal-System. Kardiologische Schwerpunktpraxen mit ST-Analyse und komplexer Arrhythmiebeurteilung benötigen 12-Kanal-Kapazität.

Die Speicherdauer ist heute kein limitierender Faktor mehr. Nahezu alle aktuellen Systeme speichern mindestens 48 Stunden, viele 7 Tage oder länger. Bedeutsam wird sie bei VHF-Paroxysmus-Abklärung nach Schlaganfall: 7-Tage-Ableitungen erhöhen die diagnostische Ausbeute gegenüber 24-Stunden-Aufzeichnungen signifikant.

Elektrodenkompatibilität ist ein unterschätztes Einkaufsrisiko. Manche Systeme erfordern proprietäre Elektroden des Herstellers. Das treibt die Verbrauchsmaterialkosten dauerhaft. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Standard-Snap-Elektroden (3M, Ambu, Nikomed) kompatibel sind.

Technische Kriterien: Gerätegröße, Mobilität, Datentransfer, Softwareintegration

Gerätegröße und -gewicht entscheiden über die Patientencompliance, besonders bei langen Ableitungszeiten. Aktuelle kabellose Systeme wiegen unter 20 Gramm. Klassische Holter-Rekorder wiegen 70–100 Gramm zuzüglich Kabel.

Der Datentransfer bestimmt den Praxisworkflow. Systeme mit direktem PC-Upload verkürzen die Zeit zwischen Geräterückgabe und Befundausgabe. Proprietäre Lesegeräte binden an den Hersteller.

Die Auswertesoftware muss in bestehende Praxisabläufe integrierbar sein. Eine Anbindung an das PVS-System oder KIS ist nicht bei allen Herstellern standardmäßig gegeben. Klären Sie das explizit vor dem Kauf.

Wirtschaftliche Kriterien: Anschaffungskosten, Leasingoptionen, Wartung, Verbrauchsmaterial

3-Kanal-Holter-Geräte für den Praxisbetrieb kosten typischerweise zwischen 800 und 3.500 Euro. Kombinierte EKG-/ABPM-Systeme und 12-Kanal-Lösungen liegen am oberen Ende der Spanne.

Leasingoptionen sind bei Herstellern und Medizintechnik-Händlern verbreitet. Leasingraten gelten als Betriebsausgaben und mindern den zu versteuernden Gewinn sofort. Zur Vollkostenrechnung gehören außerdem: Wartungsvertrag, elektrische Sicherheitsprüfung nach DIN EN 62353 und laufender Elektrodenbedarf.

Praxisorganisatorische Kriterien: Auswertungssoftware, KIS-Anbindung, Schulungsaufwand

Der Schulungsaufwand wird häufig unterschätzt. MFA-Schulung für korrekte Anlage und Arztschulung für Befundung sind nach § 10 MPDG dokumentationspflichtig. Hersteller mit strukturierten Einweisungsprotokollen entlasten die Praxis rechtlich.

Kaufen, leasen oder outsourcen — was rechnet sich für die Praxis?

Break-even-Analyse: ab welcher Fallzahl amortisiert sich die Anschaffung?

Die GKV-Vergütung pro Langzeit-EKG beträgt für Hausärzte rund 17 Euro (GOP 03322 + 03241, Orientierungspunktwert 12,7404 Cent, Stand I/2026). Bei einem Gerätekaufpreis von 2.000 Euro ergibt sich ein theoretischer Break-even bei ca. 118 Untersuchungen — Materialkosten und Arbeitszeit nicht eingerechnet.

Bei 10–15 Holter-Ableitungen pro Quartal ist das Gerät in 2–3 Jahren amortisiert. Ab 30 Fällen pro Quartal sinkt der Break-even auf unter 1 Jahr. Ab diesem Punkt ist der Kauf dem Leasing wirtschaftlich überlegen.

Tipp: Privatpatienten rechnen Sie nach GOÄ Nr. 659 ab. Die Position erfasst Anlage, Aufzeichnung und Auswertung in einer Ziffer. Der Regelhöchstsatz (2,3-fach) beträgt 53,62 Euro — ein Vielfaches der GKV-Vergütung.

Kooperationsmodelle: Mitnutzung über Gemeinschaftspraxis oder Geräteverleih

Praxen mit weniger als 5 Holter-Ableitungen pro Quartal sollten die Geräteanschaffung kritisch kalkulieren. Drei Alternativen:

  • Geräteverleih durch kardiologische Praxen oder spezialisierte Medizintechnik-Dienstleister
  • Zuweisungsmodell: Der Patient wird für die Holter-Ableitung an den Kardiologen überwiesen — kein Geräteaufwand, aber Fallzahl- und Erlösverlust
  • Gemeinschaftliche Gerätenutzung: In Gemeinschaftspraxen oder BAGen ist anteilige Kostenteilung aus KV-Sicht unbedenklich
ModellGeeignet fürVorteilNachteil
Kauf≥ 20 Fälle/QuartalEigenständigkeit, volle ErlöskontrolleHohe Initialinvestition
Leasing10–20 Fälle/QuartalPlanbare Rate, geringe KapitalbindungLangfristige Kostenbindung
Geräteverleih< 10 Fälle/QuartalKeine InvestitionLogistikaufwand, Verfügbarkeit
Zuweisung< 5 Fälle/QuartalKein GeräteaufwandErlösverlust, Patientenbindung sinkt
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FAQ: Häufige Fragen beim Kauf eines Langzeit-EKG-Geräts

Benötige ich für ein 12-Kanal-Langzeit-EKG eine gesonderte KV-Genehmigung?

Die KV-Genehmigung nach § 135 SGB V bezieht sich auf die Langzeit-EKG-Untersuchung als Leistungskategorie, nicht explizit auf die Kanalzahl. Für 12-Kanal-Systeme im Kontext spezialisierter kardiologischer Diagnostik können KV-Richtlinien regional zusätzliche Qualifikationsnachweise fordern. Eine direkte Rückfrage bei der zuständigen KV ist vor der Anschaffung zwingend.

Können Elektroden und Zubehör herstellerübergreifend verwendet werden?

Das hängt vom Gerät ab. Viele Systeme akzeptieren Standard-Snap-Elektroden verschiedener Hersteller. Einige Hersteller setzen auf proprietäre Anschlüsse — proprietäre Elektroden kosten in der Regel 30–70 % mehr als Standardware. Diese Information ist vor dem Kauf zu klären.

Wie verändert die Umstellung auf kabellose Systeme die Abrechnungsfähigkeit?

Die Abrechnungsfähigkeit nach GOP 03322/03241 hängt nicht vom Formfaktor ab. Entscheidend ist die vollständige Leistungserbringung gemäß Anlage 31b BMV-Ä: Aufzeichnung über mindestens 18 Stunden, computergestützte Auswertung, Befunddokumentation. Kabellose Systeme sind abrechnungsfähig, wenn das Gerät die technischen Mindestanforderungen der KV-Genehmigung erfüllt. Klären Sie das vor der Anschaffung mit Ihrer KV.

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