Radiales Stoßwellengerät: Funktion, Kosten & Kauf

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Abstract – Radiales Stoßwellengerät: Funktion & Kosten

  • Radiale Stoßwellengeräte erzeugen pneumatisch-ballistische Druckwellen mit einer therapeutisch nutzbaren Eindringtiefe von 3 bis 5 Zentimetern und eignen sich damit primär für oberflächliche muskuloskelettale Beschwerden – im Gegensatz zur fokussierten Stoßwelle (FSWT), die tiefer liegende Strukturen wie Kalkschulter oder Pseudarthrosen erreicht.
  • Hauptindikationen sind myofasziale Triggerpunkte, Epicondylopathien (Tennis-/Golferellenbogen) und Plantarfasziitis; die GKV übernimmt die Kosten seit 2019 nur beim chronischen Fersensporn über die EBM-Ziffer GOP 30440, abrechenbar ausschließlich durch Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie und Physikalische/Rehabilitative Medizin.
  • Die Investition liegt netto bei 7.000 € bis 15.000 € (Hersteller u. a. Storz Medical, EMS, BTL, Zimmer MedizinSysteme) und damit deutlich unter fokussierten Systemen (20.000–25.000 €), finanzierbar über Direktkauf, Leasing oder Mietkauf.
  • Praxen mit ausschließlich oberflächlichem Indikationsspektrum decken ihren Bedarf meist vollständig mit einem radialen Gerät ab; bei zusätzlichem Bedarf an tiefliegenden Indikationen bieten Kombigeräte wie das DUOLITH SD1 »ultra« eine Alternative zur Doppelinvestition.

Was ist ein radiales Stoßwellengerät?

Ein radiales Stoßwellengerät erzeugt Druckwellen durch die Kollision fester Körper. Eine Fokussierung akustischer Energie findet dabei nicht statt. Ein Kompressor oder Elektromagnet beschleunigt ein Projektil im Inneren des Applikators auf wenige Meter pro Sekunde. Beim Aufprall auf den Prallkörper wandelt das Gerät die Bewegungsenergie in eine Druckwelle um. Diese breitet sich radiär – also strahlenförmig vom Applikator ausgehend – ins Gewebe aus.

Pneumatisch-ballistisches Wirkprinzip: Projektil, Druckluft, Applikator

Die höchste Energiedichte liegt unmittelbar an der Applikatoroberfläche. Mit zunehmender Gewebetiefe nimmt die Energie kontinuierlich ab. Eine Aufsteilung der Druckwelle zu einem klassischen Stoßwellenfokus findet nicht statt. Diese physikalische Eigenschaft begrenzt die therapeutisch nutzbare Eindringtiefe radialer Systeme auf etwa 3 bis 5 Zentimeter.

Abgrenzung zur fokussierten Stoßwelle (FSWT vs. RSWT)

Fokussierte Stoßwellengeräte (FSWT) erzeugen ihre Druckwelle elektrohydraulisch, piezoelektrisch oder elektromagnetisch. Sie bündeln die Energie in einer definierten Fokuszone tief im Gewebe. Radiale Systeme (RSWT) verzichten auf diese Fokussierung und wirken stattdessen breitflächig an der Oberfläche. Die International Society for Medical Shockwave Treatment empfiehlt beide Verfahren indikationsabhängig – weist aber auf die größere Tiefenwirkung der FSWT hin.

Für welche Indikationen eignet sich ein radiales Stoßwellengerät?

Die begrenzte Eindringtiefe macht das radiale Stoßwellengerät zur bevorzugten Wahl bei oberflächlichen Beschwerden des Bewegungsapparats. Tiefer liegende Strukturen wie Kalkschulter oder Pseudarthrosen sprechen dagegen kaum auf radiale Energie an. Für die Behandlung von Verkalkungen und Knochenpathologien empfiehlt die ISMST ausdrücklich hochenergetische, fokussierte Systeme mit Positionierungstechnologie.

Muskuläre Triggerpunkte und myofasziale Schmerzsyndrome

Radiale Stoßwellen hemmen die Substanz P, einen zentralen Botenstoff der Schmerzweiterleitung. Gleichzeitig steigern sie die Mikrozirkulation im behandelten Gewebe. Diese Kombination macht das Verfahren zur Standardtherapie bei myofaszialen Triggerpunkten und muskulären Verspannungen in der Physiotherapie.

Oberflächliche Tendinopathien (Tennis-/Golferellenbogen, Fersensporn)

Epicondylopathien und die Plantarfasziitis zählen zu den am besten untersuchten Indikationen der radialen Stoßwellentherapie. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten seit 2019 beim chronischen Fersensporn über die EBM-Ziffer GOP 30440 (247 Punkte, 26,73 €). Diese Abrechnung bleibt jedoch Fachärzten für Orthopädie, Unfallchirurgie sowie Physikalische und Rehabilitative Medizin vorbehalten – Hausärzte sind ausgeschlossen. In allen anderen Indikationen rechnen Praxen die Behandlung als individuelle Gesundheitsleistung ab.

Abrechnung: GOP 30440 (EBM) vergütet die Stoßwellentherapie bei Fersenschmerz mit 26,73 € pro Sitzung. Voraussetzung sind mindestens sechs Monate bestehende Beschwerden und vorherige konservative Therapieversuche.

Die folgende Tabelle ordnet die wichtigsten Indikationen nach Eindringtiefe und technischer Eignung ein.

IndikationBenötigte EindringtiefeEignung
Myofasziale TriggerpunkteOberflächlich (< 3 cm)Radial
Plantarfasziitis / FersenspornOberflächlich (< 3 cm)Radial
Epicondylopathie (Tennis-/Golferellenbogen)Oberflächlich bis mittelRadial
Kalkschulter (Tendinosis calcarea)Tief (> 4 cm)Fokussiert
PseudarthroseTief (> 4 cm)Fokussiert

Wie läuft die Behandlung mit einem radialen Stoßwellengerät ab?

Der Applikator kommt in direktem Hautkontakt mit der Schmerzzone zum Einsatz – meist unter Verwendung von Ultraschall-Koppelgel. Eine einzelne Sitzung dauert üblicherweise wenige Minuten pro behandelter Region.

Anwendungsdauer, Sitzungsanzahl und Behandlungsintervalle

Die Behandlung mit dem radialen Stoßwellengerät erfolgt in der Regel über drei bis fünf Sitzungen. Der Abstand zwischen den Sitzungen beträgt sieben bis zehn Tage. Die genaue Anzahl richtet sich nach Diagnose, Beschwerdedauer und individuellem Therapieverlauf.

Verträglichkeit im Vergleich zur fokussierten Stoßwelle

Radiale Stoßwellen gelten im Vergleich zur fokussierten Variante als besser verträglich. Der Grund: Die Energiedichte ist an der Oberfläche geringer konzentriert. Fokussierte Systeme können bei hoher Energieeinstellung schmerzhafter wirken und erfordern gelegentlich eine lokale Betäubung.

Haftungsrisiko: Kontraindikationen wie Schwangerschaft, Herzschrittmacher, Blutgerinnungsstörungen und maligne Tumoren im Behandlungsgebiet müssen vor jeder Anwendung ärztlich abgeklärt werden.

Was kostet ein radiales Stoßwellengerät für die Praxis?

Die Investition in ein radiales Stoßwellengerät liegt deutlich unter der eines fokussierten Systems. Diese Preisdifferenz macht die radiale Technologie besonders für Praxisneugründungen und kleinere Einrichtungen zum wirtschaftlich naheliegenden Einstieg.

Hersteller, Modelle und Preisspannen

HerstellerModellseriePreisspanne (netto)
Storz MedicalMASTERPULS-Serie7.000 € – 15.000 €
EMS (Electro Medical Systems)Dolorclast-Handstück7.000 € – 15.000 €
BTL MedizintechnikBTL-6000 Easy / Topline9.000 € – 15.000 €
Zimmer MedizinSystemeenPuls / enPulsPro7.000 € – 15.000 €

Leasing, Mietkauf und Abschreibung

Beim Direktkauf schreiben Praxen ein radiales Stoßwellengerät nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer der AfA-Tabelle für das Gesundheitswesen linear ab. Die genaue Nutzungsdauer sollte im Einzelfall mit dem Steuerberater abgeglichen werden. Leasing bietet demgegenüber einen liquiditätswirksamen Vorteil: Die Raten sind sofort vollständig als Betriebsausgabe absetzbar. Mietkauf-Modelle überführen das Gerät nach einer vereinbarten Mietzeit ins Eigentum der Praxis.

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Welche Hersteller bieten radiale Stoßwellengeräte an?

Der deutsche Markt für radiale Stoßwellengeräte wird von wenigen spezialisierten Herstellern dominiert. Diese bieten meist beide Stoßwellengerät-Technologien parallel an. 

Storz Medical (MASTERPULS-Serie), EMS (Dolorclast), BTL, Zimmer MedizinSysteme

Storz Medical entwickelte mit dem V-ACTOR-Handstück ein Applikatorensystem, das die Eigenschwingung der Muskulatur gezielt anregt. EMS brachte bereits 1997 das erste pneumatisch-ballistische System auf den Markt und gilt mit dem Dolorclast-Handstück als Technologiepionier der radialen Stoßwelle. Zimmer MedizinSysteme ergänzt sein enPulsPro-Modell um zwei parallel nutzbare Handstücke und eine Softshot-Technologie für schmerzärmere Anwendungen.

Auswahlkriterien vor dem Kauf

  • [ ] Applikatorensortiment: Deckt es die geplanten Indikationen ab?
  • [ ] Energieflussdichte und maximale Frequenz vergleichen
  • [ ] Mobilität des Geräts bei wechselnden Behandlungsräumen berücksichtigen
  • [ ] Serviceverfügbarkeit und Ersatzteilversorgung des Herstellers klären
  • [ ] Kompatibilität mit vorhandener Praxissoftware zur Dokumentation prüfen

Radiales oder fokussiertes Stoßwellengerät: Wann lohnt sich welche Investition?

Die Entscheidung richtet sich primär nach dem geplanten Indikationsspektrum der Praxis. Praxen mit orthopädischem oder physiotherapeutischem Schwerpunkt und überwiegend oberflächlichen Beschwerden decken ihren Bedarf meist vollständig mit einem radialen Gerät ab. Praxen mit zusätzlichem Bedarf an Kalkschulter- oder Pseudarthrose-Behandlung benötigen ergänzend ein fokussiertes System.

Kombigeräte als Alternative für breites Indikationsspektrum

Kombinationsgeräte wie das DUOLITH SD1 »ultra« von Storz Medical vereinen radiale und fokussierte Stoßwelle in einem Gerät. Diese Lösung vermeidet die Doppelinvestition in zwei separate Systeme und eignet sich für Praxen mit breitem Therapiespektrum.

FAQ: Häufige Fragen zum radialen Stoßwellengerät

Übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten einer radialen Stoßwellentherapie?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten seit 2019 beim chronischen Fersensporn über die EBM-Ziffer GOP 30440. Abrechnen dürfen dies ausschließlich Fachärzte für Orthopädie, Unfallchirurgie und Physikalische/Rehabilitative Medizin. In allen anderen Indikationen rechnen Praxen die Behandlung als IGeL-Leistung gegenüber dem Patienten ab. Privat Versicherte erhalten häufiger eine Kostenübernahme – eine vorherige Abklärung mit der Versicherung bleibt jedoch ratsam.

Wie tief dringt die Energie eines radialen Stoßwellengeräts ins Gewebe ein?

Die Energie eines radialen Stoßwellengeräts erreicht ihre höchste Dichte direkt an der Applikatoroberfläche. Mit zunehmender Gewebetiefe nimmt sie kontinuierlich ab. Je nach Gerät und Einstellung liegt die therapeutisch wirksame Eindringtiefe bei etwa 3 bis 5 Zentimetern. Für tiefer liegende Strukturen reicht diese Reichweite nicht aus.

Kann ein radiales Stoßwellengerät auch in der Veterinärmedizin eingesetzt werden?

Radiale Stoßwellengeräte kommen auch in der Veterinärmedizin zum Einsatz – insbesondere bei Sportpferden und Kleintieren. Hersteller bieten hierfür angepasste Applikatoren an, die auf die anatomischen Besonderheiten der jeweiligen Tierart abgestimmt sind. Die Indikationen ähneln dem humanmedizinischen Einsatzbereich und umfassen vor allem Muskel- und Sehnenbeschwerden.

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