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Abstract – Dürr Dental SE: Hersteller dentaler Medizintechnik
- Dürr Dental SE (Bietigheim-Bissingen, gegr. 1941) ist ein familiengeführter Dentalgerätehersteller mit über 373 Mio. Euro Umsatz (2025), ca. 1.400 Mitarbeitern und Präsenz in 174 Ländern; das Portfolio umfasst sechs Produktbereiche: Bildgebung (OPG, DVT, Speicherfolienscanner), ölfreie Druckluft, Absaugtechnik, Systemhygiene, Software (VistaSoft) und Prophylaxe (Lunos).
- Zahnarztpraxen als Betreiber von Dürr-Dental-Geräten unterliegen der MPBetreibV (Neufassung 20.02.2025): STK nach § 12 (max. 24-Monats-Intervall) für Röntgengeräte und Dentallaser, MTK nach § 15 für Sterilisatoren mit Messfunktion, Validierungspflicht nach § 8 für Autoklaven (Hygoclave-Serie, Klasse B) sowie Bestandsverzeichnispflicht nach § 13.
- DVT-Aufnahmen sind keine GKV-Kassenleistung; die Abrechnung erfolgt über GOÄ Nr. 5370 (Aufnahme + Befundung) und ggf. GOÄ Nr. 5377 (computergesteuerte Analyse), setzt jedoch einen Strahlenschutz-Fachkundenachweis des Zahnarztes voraus.
- Die Kaufentscheidung für Dürr-Dental-Bildgebungssysteme ist eine Systemfrage: VistaSoft-Integration, Formatbedarf (2D OPG vs. DVT), KFO-Leistungsspektrum und bauliche Anforderungen des Röntgenraums sind praxisindividuell zu prüfen.
Inhaltsverzeichnis
Kennzahlen auf einen Blick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gründung | 1. November 1941 |
| Rechtsform | Societas Europaea (SE) |
| Hauptsitz | Bietigheim-Bissingen, Baden-Württemberg |
| CEO | Martin Dürrstein (3. Generation) |
| Mitarbeiter weltweit | ca. 1.400 |
| davon Bietigheim-Bissingen | ca. 500 |
| Umsatz 2025 | > 373 Mio. Euro |
| Märkte | 174 Länder |
| Niederlassungen | 48 Standorte |
| Exportanteil | > 80 % |
Unternehmensprofil: Dürr Dental SE
Dürr Dental wurde am 1. November 1941 von den Brüdern Karl und Wilhelm Dürr aus Gechingen im Schwarzwald gegründet — als feinmechanische Werkstätte in Stuttgart-Feuerbach. Bereits 1946 begann die Spezialisierung auf Zahnmedizin: Ersatzteile für Hand- und Winkelstücke standen am Anfang. 1954 folgte der Umzug nach Bietigheim, dem heutigen Bietigheim-Bissingen.
Die Unternehmensführung liegt heute bei Martin Dürrstein in dritter Generation. 1965 entwickelte Dürr Dental mit Orotol das erste Absaugdesinfektionsmittel — die Geburtsstunde der Systemhygiene. Im selben Jahr gründete Walter Dürr gemeinsam mit Ludwig Pflug die eigenständige Tochtergesellschaft Orochemie in Kornwestheim, die bis heute Hygienepräparate produziert. Die Röntgentechnologie folgte 1966: Dürr Dental entwickelte im Auftrag von Siemens das erste vollautomatische Röntgenfilm-Entwicklungsgerät.
Die international aufgestellte Dürr Dental Gruppe hat 48 Niederlassungen weltweit, darunter die US-Tochter Air Techniques Inc. sowie Gesellschaften in China, Indien, Japan und Frankreich. Der Exportanteil übersteigt 80 %. Die gesamte Produktion erfolgt nahezu ausschließlich in Deutschland — ein Alleinstellungsmerkmal, das Dürr Dental von asiatischen Wettbewerbern unterscheidet.
2025 wurde Dürr Dental von der WirtschaftsWoche und Munich Strategy als Innovations-Champion ausgezeichnet und belegte Platz 1 unter Deutschlands innovativsten Mittelständlern. 2026 erhielt das Unternehmen den Best Managed Companies Award zum zweiten Mal in Folge — verliehen von Deloitte Private, UBS, der FAZ und dem BDI.
Produktportfolio von Dürr Dental im Überblick
Dürr Dental strukturiert sein Portfolio in sechs Produktbereiche. Das Systemkonzept bedeutet: Alle Komponenten aus einem Haus nutzen eine gemeinsame Softwarearchitektur. Das ist relevant beim Datenaustausch zwischen Bildgebung, Praxissoftware und Praxisversorgung.
Bildgebung: Intra- und extraorale Diagnostik
Der Bereich Bildgebung zählt zu den ältesten Kernkompetenzen von Dürr Dental. 2026 feiert das Unternehmen das 60-jährige Jubiläum seiner Röntgentechnologie. Das aktuelle Portfolio umfasst extraorale Panoramageräte (OPG), Volumentomographen (DVT-Geräte), Speicherfolienscanner der VistaScan-Serie, Intraoralsensoren, Intraoralkameras und die Imaging-Software VistaSoft.
| Produktlinie | Typ | Besonderheiten |
|---|---|---|
| VistaPano S 2.0 | OPG (2D-Panorama) | Farbige Positionierungsanzeige, Face-to-Face-System |
| VistaPano S Ceph 2.0 | OPG + Cephalometrie | Fernbedienbar, geringe Strahlendosis |
| VistaVox S | OPG/DVT-Hybrid | 2D und 3D, FOV 100 × 85 mm, opt. DVT-Aufrüstung |
| VistaScan Mini View 2.0 | Speicherfolienscanner | Touch-Display, WLAN, intraorale Formate |
| VistaScan Mini Easy 2.0 | Speicherfolienscanner | Einstiegsmodell, Red Dot Design Award + iF Award 2023 |
| VistaScan Ultra View | Speicherfolienscanner | Hochdurchsatz, Multi-Slot |
| VistaScan Combi View | Speicherfolienscanner | Intra- und extraoral, Touch, WLAN |
| VistaScan Nano Easy | Speicherfolienscanner | Kompaktformat für Periapikalaufnahmen |
| VistaCam / VistaRay / VistaIntra | Intraoralkamera / Sensor | Fluoreszenz-, RGB- und Standardsensortechnik |
Druckluft: ölfreie Kompressoren für Zahnarztpraxen
Dürr Dental gilt als Erfinder des ölfreien Dentalcompressors. Die ISO 22052 definiert die Qualitätsanforderungen an Dentaldruckluft. Ölfreie Geräte sind der De-facto-Standard: Öl im Druckluftsystem beeinträchtigt Bondingverbindungen, beschädigt CAD/CAM-Blanks und verunreinigt Folgeinstallationen. Das aktuelle Portfolio umfasst:
- Silver Airline Serie: Netzwerkfähige Tandemkompressoren, modular erweiterbar, Main/Aux-Redundanzkonzept
- Tornado-Kompressoren: Neue Generation für Langzeitbetrieb, hohe Laufleistung
- Power Tower View: Kombinierte Druck- und Saugeinheit im kompakten Gehäuse, netzwerkfähig
- CAD/CAM-Kompressoren: Optimiert für Dauerbetrieb an Fräs- und Schleifmaschinen
- Klinik-Druckluftsysteme: Intelligente Steuerung für bis zu 80 simultane Nutzer
Alle Kompressoren sind als Klasse-IIa-Medizinprodukte nach MDR (EU 2017/745) zertifiziert.
Absaugtechnik: Tyscor-Systeme
Die Tyscor-Sauganlagen decken Einzel- bis Mehrzimmerpraxen ab. Absauganlagen unterliegen der jährlichen Wartungspflicht gemäß Herstellervorgaben — inkl. Filterwechsel und Überprüfung der Saugpumpe. In Kombination mit regelmäßiger Desinfektion des Absaugsystems (Orotol plus/MD 555) ist die Wartung ein eigenständiger Kostenfaktor in der Praxiskalkulation.
Systemhygiene: ID-, FD- und HD-Produktlinien
Die Hygieneprodukte von Dürr Dental sind in einem Vier-Farb-System strukturiert. Es kennzeichnet den Einsatzbereich jedes Präparats für Reinigung und Desinfektion klar:
- ID-Linie: Instrumentendesinfektion (materialschonende Handdesinfektion)
- FD-Linie: Flächendesinfektion (Gebrauchsfertiglösungen, Konzentrate, Tücher)
- HD-Linie: Haut- und Händedesinfektion
- Orotol/MD-Linie: Absaugdesinfektion und Spezialreinigung
Die Hygienelinie umfasst außerdem Autoklaven (Hygoclave-Serie, Klasse B), Folienschweißgeräte (Hygopac View), Wasseraufbereitungsgeräte und Dokumentationssysteme (Hygoprint Plus).
Software: VistaSoft-Ökosystem
VistaSoft integriert digitale Bildgebung, Patientenverwaltung und Gerätekommunikation. VistaSoft Monitor überwacht alle angeschlossenen Geräte in Echtzeit — Wartungsreminder, Betriebsstatus und Fehlermeldungen werden praxisweit erfasst. Das vereinfacht die MPBetreibV-konforme Dokumentation erheblich. VistaSoft AI ergänzt die Lösung um KI-gestützte Befundunterstützung. Die Imaging iPad App ermöglicht die mobile DBSWIN-Nutzung am Behandlungsstuhl.
Zahnerhaltung (Lunos)
Unter der Marke Lunos vertreibt Dürr Dental Prophylaxe-Systeme, darunter den Lunos Duo als fahrbaren Geräteträger sowie Mundspülbeckenventile für den direkten Praxisanschluss.
Dürr Dental und die MPBetreibV: Wartungs- und Prüfpflichten
Die Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) gilt seit dem 20. Februar 2025 in neuer Fassung. Sie verpflichtet Zahnarztpraxen als Betreiber von Medizinprodukten zu einem systematischen Überwachungsplan. Die Verantwortung liegt beim Praxisinhaber. Ein Versäumnis begründet im Schadensfall persönliche Haftung.
Für Dürr-Dental-Geräte sind folgende Pflichten relevant:
Sicherheitstechnische Kontrolle (STK), § 12 MPBetreibV: Für aktive Medizinprodukte der Anlage 1 — dazu zählen Röntgengeräte, Dentallaser und HF-Chirurgiegeräte — muss die STK nach Herstellervorgabe, spätestens alle 24 Monate, durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgen. Für Röntgenanlagen kommt zusätzlich die Sachverständigenprüfung nach Strahlenschutzrecht hinzu.
Messtechnische Kontrolle (MTK), § 15 MPBetreibV: Geräte mit Messfunktion der Anlage 2 — etwa Sterilisatoren mit Temperatur- und Drucksensor — unterliegen der MTK, ebenfalls spätestens alle 24 Monate.
Validierung und Aufbereitung der Medizinprodukte ,§ 8 MPBetreibV: Thermodesinfektoren und Autoklaven müssen validiert betrieben werden. Die Hygoclave-Modelle (Klasse B) erfordern eine Erstvalidierung sowie wiederkehrende Revalidierungen nach festgelegten Intervallen. Grundlage ist DIN EN ISO 17665.
Bestandsverzeichnis, § 13 MPBetreibV: Alle Medizinprodukte sind digital oder analog zu erfassen. VistaSoft Monitor unterstützt die automatisierte Dokumentation angeschlossener Bildgebungs- und Druckluftgeräte.
Haftungsrisiko: Praxisinhaber, die STK-, MTK- oder Validierungsfristen überschreiten, riskieren bei einer Praxisbegehung ein Betriebsverbot für das betreffende Gerät. Eine lückenlose Protokollierung — Datum, Prüfer, Ergebnis, Messwerte — ist Pflicht.
Gebrauchte Dürr-Dental-Geräte: Optionen für Praxisinhaber
Der Gebrauchtmarkt für Dürr-Dental-Röntgengeräte ist gut entwickelt — die Geräte sind langlebig und weit verbreitet. Für Praxisinhaber mit begrenztem Investitionsbudget oder im Kontext einer Praxisübernahme sind gebrauchte Systeme eine prüfenswerte Alternative, wenn:
- das Modell noch im Herstellersupport liegt (Ersatzteilversorgung, Software-Updates),
- eine STK-konforme Abnahme durch einen autorisierten Servicetechniker dokumentiert ist,
- bei Röntgengeräten eine aktuelle Sachverständigenprüfung nach Strahlenschutzrecht vorliegt.
Über Medizinio vermitteln wir zertifizierte Fachbetriebe für Röntgengerät-Reparatur und Wartung sowie gebrauchte Röntgengeräte. Für die Sterilisatoren-Wartung vermitteln wir qualifizierte Servicepartner.
Dürr Dental in der Zahnarztpraxis: Kaufentscheidung und Systemintegration
Die Investitionsentscheidung für Dürr-Dental-Geräte ist eine Systemfrage. Praxen mit bestehenden VistaSoft-Komponenten profitieren von durchgängiger Datenintegration. Praxen ohne Dürr-Infrastruktur müssen dagegen prüfen, ob die Kompatibilität mit der vorhandenen Praxissoftware (KBV-zertifizierte PVS) sichergestellt ist.
Für Dentalröntgengeräte gelten folgende Investitionskriterien:
- Welche Aufnahmeprogramme werden fachlich benötigt? (2D OPG, Ceph, 3D DVT)
- Ist eine DVT-Aufrüstung geplant? (relevant für VistaVox S)
- Liegt ein Strahlenschutz-Fachkundenachweis für DVT vor? (Voraussetzung für Betrieb und GOÄ-Abrechnung nach Nr. 5370)
- Wie sind die baulichen Anforderungen des Röntgenraums der Zahnarztpraxis?
DVT-Aufnahmen in der Zahnmedizin sind keine GKV-Kassenleistung. Die Abrechnung erfolgt über GOÄ Nr. 5370 (Aufnahme + Befundung) und ggf. GOÄ Nr. 5377 (computergesteuerte Analyse) — ausschließlich gegenüber Privatpatienten und als Wahlleistung gegenüber GKV-Patienten.
Für Speicherfolienscanner ist die Formatfrage entscheidend: Praxen mit Fernröntgenbedarf benötigen den Combi View; Praxen ohne KFO-Leistungen fahren mit dem Mini View 2.0 oder Mini Plus kostengünstiger.
FAQ — Häufige Fragen zu Dürr Dental
Ist Dürr Dental ein familiengeführtes Unternehmen?
Ja. Die Dürr Dental SE wird seit der Gründung 1941 in Familienhand geführt. Aktueller CEO ist Martin Dürrstein in dritter Generation. Die Unternehmensstruktur ist über die Th. Simon GmbH & Co. KG als Hauptgesellschafterin gesichert.
Wo werden Dürr-Dental-Produkte hergestellt?
Nahezu ausschließlich in Deutschland, am Hauptsitz Bietigheim-Bissingen sowie über Tochtergesellschaften wie Orochemie (Kornwestheim) und Dürr NDT (Bietigheim-Bissingen).
Welche Dürr-Dental-Geräte benötigen eine STK?
Röntgengeräte, Dentallaser und HF-Chirurgiegeräte fallen unter die STK-Pflicht nach § 12 MPBetreibV (Anlage 1). Für Röntgenanlagen gilt zusätzlich die Sachverständigenprüfung nach Strahlenschutzrecht. Autoklaven (Hygoclave-Serie) unterliegen der Validierungspflicht nach § 8 MPBetreibV und der MTK nach § 15 MPBetreibV.
Welcher Speicherfolienscanner ist der richtige für meine Praxis?
Ohne Fernröntgenbedarf: VistaScan Mini View 2.0 (Touch, WLAN, alle intraoralen Formate, ca. 7.000 € netto). Mit Fernröntgenbedarf (z. B. KFO): VistaScan Combi View (alle Formate, Touch, WLAN, ca. 10.000 € netto). Budgetorientiert: VistaScan Mini Easy 2.0 (ca. 5.500 € netto).
Wie unterscheidet sich der VistaVox S vom VistaPano S?
Der VistaVox S ist ein OPG/DVT-Hybridgerät. Er erstellt 2D-Panoramaaufnahmen und — optional nach Aufrüstung — 3D-Volumentomographien mit einem FOV von 100 × 85 mm. Der VistaPano S ist ein reines 2D-Panoramagerät.