Vitas Telefonassistent: Funktionen, Kosten & PVS-Anbindung

Bekannt aus
Angebote vom digitalen Marktführer. Individuell für Ihre Praxis.

Schneller Service

Kostenlose Rückmeldung innerhalb von 24 Stunden

Erfolg durch Erfahrung

Aus über 15.000 Projekten im Jahr wissen wir, worauf es ankommt

Der digitale Marktführer

Unsere Kunden sprechen für uns:
4,9 von 5 Sternen auf Google

Abstract – VITAS GmbH: KI-Telefonassistenten für das Gesundheitswesen

  • Die VITAS GmbH ist ein 2019 gegründetes Softwareunternehmen aus Nürnberg, das unter telefonassistent.de eine No-Code-Plattform für KI-Telefonassistenten anbietet und Arztpraxen, MVZ und Kliniken als Kernmarkt adressiert.
  • Der KI-Telefonassistent erfasst Terminwünsche, Rezeptbestellungen und Überweisungen als Ticket; über das Pro-Paket bindet er sich an Praxissoftware und Terminportale wie tomedo, medatixx, samedi und jameda an.
  • Die Abrechnung erfolgt pro Konversation statt pro Minute: Die Tarife reichen von 49 € netto monatlich plus 0,28 € je Konversation bis 299 € mit 1.500 Inklusivkonversationen, das Pro-Paket kostet regulär 129 € zusätzlich.
  • Für den Cloud-Einsatz mit Gesundheitsdaten nach § 393 SGB V nennt VITAS ein BSI-C5-Testat Typ 1, eine ISO-27001-Zertifizierung und Hosting ohne US-Cloud-Anbieter; Praxisinhaber sollten Testat-Stichtag, Auftragsverarbeitungsvertrag und Verschwiegenheitsverpflichtung nach § 203 StGB vor Vertragsabschluss prüfen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Vitas Telefonassistent?

Der Vitas Telefonassistent ist eine cloudbasierte Software, die eingehende Anrufe automatisiert annimmt. Die Software führt mit dem Anrufer ein Gespräch in natürlicher Sprache. Das Anliegen legt sie als bearbeitbares Ticket in einer Web-Plattform ab. Entwickelt wurde das System primär für das Gesundheitswesen. Über frei konfigurierbare Szenarien lässt es sich auch in anderen Branchen einsetzen.

Anbieter: VITAS GmbH, Produktdomain telefonassistent.de

Unternehmensname (offiziell)
VITAS GmbH
Website
telefonassistent.de (Produkt), vitas.ai (Unternehmen)
Gründungsjahr
2019; Produktentwicklung durch die Gründer seit 2018
Hauptsitz
Nürnberg, Deutschland (Zollhof 7, ZOLLHOF Tech Incubator)
Rechtsform
Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Beteiligungsstruktur
Wagniskapitalfinanziert; Investoren u. a. Bayern Kapital, Caesar Ventures, Müller Medien, Kybernautik Investments, Business Angels (Seed-Runde 2024: rund 3,1 Mio. €)
Geschäftsführung/CEO
Thomas Abend, CEO und Mitgründer (Stand 2024); weitere Gründer: René Straub, Tobias Bäumler
Produkt-/Markennamen
KI-Telefonassistent, Chatbot/Online-Rezeption, Messenger, Multilingualität, Advanced Management, Pro-Paket

KI-Sprachverarbeitung statt starrer Sprachmenüs (IVR)

Klassische IVR-Systeme leiten Anrufer über Tastenwahl durch feste Menübäume. Der Vitas Telefonassistent setzt stattdessen KI in der Sprachverarbeitung und im Dialog ein. Er versteht frei formulierte Anliegen, stellt Rückfragen und ordnet die Antworten ein.

Als Beispiel nennt Vitas die Zuordnung eines MRT-Terminwunschs zur zuständigen Fachabteilung. Das System basiert auf einer eigenentwickelten Infrastruktur ohne US-Cloud-Anbieter.

Zielgruppen: Arztpraxen, MVZ, Kliniken

Vitas adressiert drei Segmente mit eigenen Branchenseiten: Arztpraxen, MVZ und Kliniken. Zu den Referenzen zählen Klinikverbünde wie Asklepios und das UKSH, aber auch Einzelpraxen wie Hausarztpraxen in der Schweiz.

Für Mehrstandortstrukturen empfiehlt Vitas eine eigene Lizenz je Standort oder Abteilung. So landen die Anrufe jeweils in der richtigen Nutzeroberfläche. Für MVZ wirkt sich diese Lizenzlogik direkt auf die Kosten aus.

Hörbeispiel: So hört sich Vitas an

Hörbeispiel: Vitas KI-Telefonassistent. Quelle: telefonassistent.de

Welche Anliegen übernimmt der Vitas Telefonassistent in der Praxis?

Der Vitas Telefonassistent bearbeitet wiederkehrende Standardanliegen. Sie machen einen Großteil des Praxistelefonats aus. Für die vier häufigsten Anwendungsfälle liefert Vitas fertige Vorlagen. Weitere Szenarien konfigurieren Sie selbst.

Terminvereinbarung: Direktbuchung oder Erfassung des Terminwunschs

Bei der Terminvereinbarung arbeitet das System in zwei Modi:

  • Mit angebundenem Kalender bucht der Assistent den Termin direkt.
  • Ohne Anbindung erfasst er den Terminwunsch vollständig. Das Praxisteam trägt den Termin anschließend selbst ein.

Welcher Modus greift, hängt von Ihrem Kalender- bzw. PVS-System und vom gebuchten Paket ab. Für die telefonische Terminvergabe ist das die zentrale Frage. Nur die Direktbuchung beseitigt die Doppelarbeit vollständig.

Telefonische Rezeptbestellung und Folgerezepte

Die telefonische Rezeptbestellung gehört zu den volumenstärksten Anrufgründen. Das gilt besonders für Hausarzt- und Facharztpraxen mit chronisch Kranken. Der Assistent fragt Patientenidentität, Präparat und Abholweg ab und legt die Angaben als Ticket ab.

Die Ausstellung des Rezepts bleibt ärztliche Aufgabe. Der Effizienzgewinn liegt in der vollständigen, strukturierten Erfassung. Rückrufe wegen fehlender Angaben entfallen.

Überweisungsanfragen strukturiert dokumentieren

Fordert ein Patient eine Überweisung an, dokumentiert der Assistent den Wunsch samt Fachrichtung und Begründung. Die Praxis prüft die Anfrage und stellt die Überweisung aus.

Wie bei der Rezeptbestellung übernimmt die KI die Erfassung, nicht die medizinische Entscheidung.

Krankmeldung von Mitarbeitenden (Abgrenzung zur Patienten-AU)

Der Anwendungsfall „Krankmeldung“ bezieht sich bei Vitas auf Mitarbeitende, die sich telefonisch krankmelden. Das entlastet vor allem die Personalabteilung in Kliniken und größeren MVZ.

Davon zu trennen sind AU-Anfragen von Patienten. Für sie können Sie ein eigenes Szenario anlegen. Über die Ausstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung entscheidet weiterhin der Arzt.

Wissensdatenbank: Öffnungszeiten, Abläufe, Standardauskünfte

In einer eigenen Wissensdatenbank hinterlegen Sie Praxisinformationen. Der Assistent greift während des Gesprächs darauf zu und beantwortet Fragen dynamisch. Typisch sind Fragen zu Sprechzeiten, Anfahrt, Impfsprechstunden oder mitzubringenden Unterlagen. Auch Dokumente lassen sich hochladen.

Reine Informationsanrufe landen so nicht mehr beim Praxisteam.

Weiterleitung an das Praxisteam und Eskalationsregeln

Nicht jedes Anliegen soll die KI bearbeiten. Über Weiterleitungsregeln legen Sie fest, wann der Assistent einen Anruf an das Team durchstellt. Das kann bei bestimmten Anliegen greifen oder wenn persönliche Unterstützung erforderlich ist. Alternativ erstellt der Assistent ein Ticket für den Rückruf.

Mit der Pro-Funktion „Direktes Durchstellen“ umgehen definierte Rufnummern den Assistenten vollständig. Das eignet sich für Kollegen, Labore oder Lieferanten.

Ergebnis der Anliegen mit und ohne Integration

AnliegenErgebnis ohne IntegrationErgebnis mit Integration
TerminvereinbarungTerminwunsch als Ticket, manuelle EintragungDirektbuchung im angebundenen Kalender
RezeptbestellungStrukturiertes Ticket in der Vitas-PlattformÜbergabe an Partnersystem, Umfang je PVS
ÜberweisungStrukturiertes TicketÜbergabe an Partnersystem, Umfang je PVS
Krankmeldung (Personal)Ticket bzw. E-Mail-BenachrichtigungWeitergabe per Webhook an HR-System möglich
StandardauskunftDirekte Antwort aus der WissensdatenbankDirekte Antwort aus der Wissensdatenbank

Funktionen der VITAS-Plattform im Überblick

Die VITAS-Plattform ist die browserbasierte Verwaltungsoberfläche des Vitas Telefonassistenten. Dort sammeln sich alle Anrufe, und dort steuern Sie das Verhalten des Assistenten. Eine lokale Installation ist nicht erforderlich.

Ticketsystem, Transkript und Audiomitschnitt pro Anruf

Jeder Anruf erscheint als Ticket mit den erfassten Angaben, dem Bearbeitungsstatus und einer Kommentarfunktion. Zu jedem Gespräch liefert die Plattform eine Chatansicht des Verlaufs, ein Transkript und einen Audiomitschnitt. Per E-Mail erfahren Sie von neuen Anrufen, ohne die Plattform dauerhaft geöffnet zu halten.

Der Audiomitschnitt ist für die Qualitätskontrolle nützlich. Datenschutz- und strafrechtlich müssen Sie die Anrufer allerdings sauber darüber informieren.

Szenarien und No-Code-Editor mit Vorlagen

Ein Szenario definiert, welches Anliegen der Assistent bearbeitet, welche Fragen er stellt und welche Daten er erfasst. Sie konfigurieren es über einen No-Code-Editor mit vorbereiteten Einstellungen. Programmierkenntnisse oder eigene Prompts brauchen Sie nicht.

Änderungen setzen Sie selbst um, ohne beim Anbieter ein Service-Ticket zu eröffnen. Mehr als fünf Verzweigungen innerhalb eines Szenarios erfordern das Pro-Paket.

Öffnungszeiten-Logik: Sprechzeiten, Feiertage, Praxisurlaub

Für Feierabend, Wochenenden, Feiertage und Betriebsurlaub hinterlegen Sie eigene Regeln. Dazu legen Sie fest, welche Anliegen der Assistent außerhalb der Sprechzeiten annimmt. Kostenpflichtige Ansagen für Ferienzeiten entfallen damit.

Für Ende 2026 kündigt Vitas eine zusätzliche Funktion an. Dann soll sich das Auftreten des Assistenten (Rolle, Tonalität) gesondert definieren lassen.

Stimmenauswahl und Voice Cloning (Pro)

Für die Gesprächsführung stehen mehrere synthetische Stimmen zur Wahl. Im Pro-Paket kommen Premium-Stimmen hinzu. Außerdem lässt sich dort eine eigene Stimme klonen, etwa die der Praxisinhaberin.

Voice Cloning erhöht die Wiedererkennung. Zugleich verstärkt es die Pflicht, Anrufer klar darüber zu informieren, dass sie mit einer KI sprechen.

Standard vs. Pro-Paket

FunktionStandardPro-Paket
Ticketsystem, Transkript, AudiomitschnittJaJa
No-Code-Editor, Vorlagen, WissensdatenbankJaJa
Öffnungszeiten-Regeln, WeiterleitungJaJa
Integrationen in Partner-Systeme, Webhook–Ja
Statistiken–Ja
Benutzerverwaltung mit Rollen und Rechten–Ja
Direktes Durchstellen definierter Nummern–Ja
Mehr als fünf Verzweigungen je Szenario–Ja
SIP-Trunking–Ja
Premium-Stimmen, Voice Cloning–Ja
Onboarding Pro, erweiterte Benachrichtigungen–Ja

Add-ons

Add-onFunktionPreis netto/MonatRelevanz für Praxen
Chatbot / Online-RezeptionTextbasierte Anliegenerfassung auf der Praxiswebsite79 € je AssistentennummerZweiter Eingangskanal, entlastet zusätzlich das Telefon
MultilingualitätElf Fremdsprachen, darunter Arabisch, Türkisch, Ukrainisch, Russisch; aktuell nur weibliche Stimme99 € je AssistentennummerPraxen mit hohem Anteil nicht deutschsprachiger Patienten
MessengerRückfragen per Chat, Einladung per E-Mail oder SMS79 € je AssistentennummerErsetzt Rückrufe bei unvollständigen Anliegen
Advanced ManagementErweiterte Dashboards und Filter nach Standort, Team, Szenario299 €MVZ und Klinikverbünde mit mehreren Einheiten

PVS-Anbindung: Wie tief ist die Integration wirklich?

Die PVS-Anbindung entscheidet, ob der Vitas Telefonassistent die Arbeit tatsächlich reduziert oder sie nur verlagert. Erfasst der Assistent ein Anliegen, das die MFA anschließend ins PVS abtippt, gewinnen Sie Erreichbarkeit, aber kaum Zeit. Nur ein durchgängiger Datenfluss zwischen Telefonassistent und Praxissoftware beseitigt die Doppelerfassung. Das gilt für alle technischen Voraussetzungen digitaler Patientenkommunikation: Insellösungen ohne bidirektionale Schnittstelle erhöhen den Verwaltungsaufwand, statt ihn zu senken. 

Integrationspartner: tomedo, samedi, medatixx und weitere

Vitas führt Integrationspartner aus mehreren Kategorien:

Für die Praxissoftware duria ist eine Anbindung angekündigt.

Für tomedo hat Vitas im November 2025 nach einer Beta-Phase eine vollständige Integration gemeldet. Das ist eine Herstellerangabe; den Funktionsumfang sollten Sie im Detail prüfen.

Entscheidend für die Kosten: Integrationen in Partner-Systeme und die Webhook-Anbindung sind Bestandteil des Pro-Pakets.

Ticket-Übergabe, Webhook oder bidirektionale Kalenderbuchung

„Integration“ beschreibt bei Telefonassistenten sehr unterschiedliche technische Tiefen. Vitas bietet drei Ebenen:

  1. Ticket in der Vitas-Plattform. Das Anliegen bleibt im Vitas-System. Die MFA überträgt es manuell ins PVS.
  2. Webhook. Bei definierten Ereignissen sendet Vitas Daten automatisch an eine externe URL. Ihr System oder Ihr IT-Dienstleister muss diese Daten selbst verarbeiten.
  3. Partnerintegration. Vitas tauscht Daten direkt mit dem Partnersystem aus. Ob der Assistent freie Slots liest und gebuchte Termine zurückschreibt, hängt von der jeweiligen Schnittstelle ab.

Die Herstellerangaben nennen nicht, welche Partnerintegration welchen Funktionsumfang bietet. Klären Sie das je Partnersystem vor Vertragsabschluss, insbesondere bei Rezept- und Überweisungsanfragen.

IntegrationsstufeDatenflussManueller Aufwand
Ticket ohne AnbindungNur in der Vitas-PlattformHoch: vollständige Übertragung ins PVS
WebhookEinseitig: Vitas sendet an externes SystemMittel: abhängig von der Verarbeitung im Zielsystem
Partnerintegration, einseitigVitas schreibt Anliegen bzw. Termin ins PartnersystemGering: Prüfung und Freigabe
Partnerintegration, bidirektionalVitas liest freie Slots und schreibt gebuchte TermineMinimal: Kontrolle von Ausnahmen

Prüffragen vor Vertragsabschluss

  • [ ] Liest der Assistent freie Termine in Echtzeit aus dem PVS-Kalender?
  • [ ] Schreibt er gebuchte Termine direkt in den PVS-Kalender, ohne Zwischenschritt?
  • [ ] Ordnet er Anrufer einer bestehenden Patientenakte zu? Nach welchen Merkmalen?
  • [ ] Landen Rezept- und Überweisungsanfragen im PVS oder nur in der Vitas-Plattform?
  • [ ] Welche Terminarten und Behandler-Kalender lassen sich zur Buchung freigeben?
  • [ ] Fallen beim PVS-Hersteller zusätzliche Schnittstellengebühren an?
  • [ ] Gibt es Referenzpraxen mit identischer PVS-Version und Fachrichtung?

Datenschutz und IT-Sicherheit beim KI-Telefonassistenten

Am Telefon nennen Patienten Namen, Geburtsdaten, Medikamente und Beschwerden. Der Vitas Telefonassistent verarbeitet damit Gesundheitsdaten im Sinne von Art. 9 DSGVO. Für die Praxis als Verantwortliche greifen deshalb Anforderungen aus Datenschutzrecht, Strafrecht und Sozialrecht zugleich.

DSGVO, Auftragsverarbeitungsvertrag (Art. 28 DSGVO)

Vitas verarbeitet die Anrufdaten im Auftrag der Praxis. Voraussetzung ist daher ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. Prüfen Sie darin insbesondere drei Punkte:

  • die Liste der Unterauftragsverarbeiter
  • den Speicherort der Daten
  • die Löschfristen für Transkripte und Audiomitschnitte

Laut Vitas legen Sie Zugriffsrechte und Löschzeitpunkte selbst fest. Den Zugang schützt optional eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Kundendaten verwendet Vitas nach eigenen Angaben nicht zum Training von KI-Modellen.

Ärztliche Schweigepflicht und § 203 StGB bei Dienstleistern

Die ärztliche Schweigepflicht gilt auch gegenüber IT-Dienstleistern. § 203 StGB erlaubt Ärzten in Abs. 3 S. 2, fremde Geheimnisse gegenüber sonstigen mitwirkenden Personen zu offenbaren. Voraussetzung ist, dass dies für deren Tätigkeit erforderlich ist.

Im Gegenzug knüpft Abs. 4 S. 2 Nr. 1 eine eigene Strafbarkeit des Arztes an zwei Bedingungen. Erstens hat er nicht dafür gesorgt, dass der Dienstleister zur Geheimhaltung verpflichtet wurde. Zweitens offenbart der Dienstleister ein Geheimnis unbefugt.

Haftungsrisiko: Die schriftliche Verschwiegenheitsverpflichtung des Anbieters ist Ihre Absicherung gegen diese Strafbarkeit. Lassen Sie sie sich zusätzlich zum AV-Vertrag bestätigen und prüfen Sie die Ausgestaltung im Einzelfall anwaltlich.

ISO 27001 und C5: Zertifikat oder Gleichwertigkeit?

Für Leistungserbringer ist der C5-Kriterienkatalog des BSI keine freiwillige Kür. Nach § 393 SGB V dürfen sie und ihre Auftragsverarbeiter Gesundheitsdaten nur dann per Cloud-Computing verarbeiten, wenn ein aktuelles C5-Testat des Anbieters vorliegt.

Seit dem 1. Juli 2025 gilt als aktuell nur noch ein C5-Typ-2-Testat. Ein Typ-1-Testat belegt die Eignung der Kontrollen nur zu einem Stichtag. Das Typ-2-Testat belegt zusätzlich ihre Wirksamkeit über einen Prüfzeitraum. Für Systeme, die nach dem 30. Juni 2025 erstmals in Verkehr gebracht wurden, reicht in den ersten 18 Monaten ein Typ-1-Testat.

Einen zweiten Weg eröffnet die C5-Gleichwertigkeitsverordnung. Ein ISO-27001-Zertifikat gilt als gleichwertiger Nachweis, wenn zusätzlich ein Maßnahmenplan vorliegt. Dieser Plan muss dokumentieren, wie der Anbieter innerhalb von 18 Monaten ein C5-Typ-1-Testat und innerhalb von 24 Monaten ein Typ-2-Testat erlangt.

Vitas nennt zwei Nachweise: eine Prüfung nach BSI C5 Typ 1 und eine ISO-27001-Zertifizierung mit Audit durch TÜV Süd.

Darüber hinaus trägt die Praxis eigene Pflichten. Zulässig ist die Cloud-Verarbeitung nur, wenn Sie die im Prüfbericht genannten Kundenkriterien selbst umsetzen.

Tipp: Fordern Sie vor Vertragsabschluss Testat-Typ, Stichtag und Geltungsbereich schriftlich an. Stützt sich der Anbieter auf die Gleichwertigkeit, können Sie nach der C5GleichwV die unverzügliche Vorlage von Zertifikat und Maßnahmenplan verlangen. Lassen Sie sich außerdem die Kundenkriterien aus dem Prüfbericht aushändigen.

Hosting in Deutschland ohne US-Cloud-Anbieter

Laut Anbieter basiert die gesamte Infrastruktur auf deutschen Anbietern und kommt ohne US-Cloud-Dienste aus. Vitas grenzt sich damit bewusst ab. Viele Wettbewerber speichern zwar in europäischen Rechenzentren, nutzen aber US-kontrollierte Infrastruktur oder Sprachmodelle.

Für Praxen reduziert dieser Ansatz das Risiko von Drittlandübermittlungen nach Art. 44 ff. DSGVO. Die eigene Prüfung des AV-Vertrags und der Unterauftragsverarbeiter ersetzt er aber nicht.

Informationspflichten gegenüber Anrufenden, KI-Transparenz

Drei Informationspflichten treffen beim Einsatz eines KI-Telefonassistenten zusammen:

  • Datenschutz: Art. 13 DSGVO verlangt, dass Sie Anrufer über Zweck, Rechtsgrundlage und Empfänger der Verarbeitung informieren. Geeignet ist etwa eine kurze Ansage plus Datenschutzhinweis auf der Website.
  • Audiomitschnitt: Für die Aufzeichnung ist zusätzlich § 201 StGB zu beachten. Die Norm stellt die unbefugte Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes unter Strafe.
  • KI-Verordnung: Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Art. 50 der KI-Verordnung. Anrufer müssen erkennen können, dass sie mit einem KI-System sprechen. Die Pflicht trifft primär den Anbieter. Prüfen Sie dennoch, ob Ihre Begrüßungsansage den Hinweis enthält. Der Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744) hat diese Frist nicht verschoben.

Für die Patientenkommunikation stellt Vitas Downloadmaterial bereit, etwa Aushänge fürs Wartezimmer.

Was kostet der Vitas Telefonassistent?

Der Vitas Telefonassistent folgt einem Konversationsmodell aus monatlicher Grundgebühr und Preis je Konversation. Im Marktvergleich ist das ungewöhnlich transparent, denn alle Tarife sind öffentlich einsehbar.

Abrechnung pro Gespräch statt pro Gesprächsminute

Viele Wettbewerber rechnen nach Gesprächsminuten ab. Vitas berechnet dagegen jede Konversation, unabhängig von ihrer Dauer. Das macht die Kosten planbar, wenn Patienten ausführlich schildern oder ältere Anrufer mehr Zeit benötigen.

Als Konversation zählen jeder eingehende Anruf und Chat, aber auch versendete SMS und automatisierte Rückrufe. Kalkulieren Sie Benachrichtigungen deshalb in Ihr Kontingent ein. Überschreitet die Praxis das Inklusivvolumen, rechnet Vitas den Mehrbetrag rückwirkend für den jeweiligen Monat ab.

Pakete, Add-ons, Lizenz je Standort

TarifNetto/Monat (monatliche Zahlung)Netto/Monat (jährliche Zahlung)Inklusive KonversationenJede weitere Konversation
Flex49 €40 €keine0,28 €
Basic119 €98 €5000,25 €
Plus299 €245 €1.5000,25 €
Pro-Paket (Aufpreis)129 € regulär, aktuell 99 € im Angebot129 € regulär, aktuell 99 € im Angebot––
Quelle: telefonassistent.de/preise, abgerufen am 23.10.2026. Alle Preise netto. Add-on-Preise siehe Tabelle oben.

Für längere Laufzeiten gibt es Rabatte: 18 % bei Jahreszahlung, bis zu 25 % bei 24 bis 36 Monaten Laufzeit. Ab 2.500 Konversationen bietet Vitas Individualpakete an, auch als Flatrate. Eine Einrichtungsgebühr fällt nicht an.

Für MVZ und Praxen mit mehreren Standorten gilt die Empfehlung einer eigenen Lizenz je Standort. Die Grundgebühr fällt dann entsprechend mehrfach an.

30-Tage-Test ohne Zahlungsdaten, automatisches Testende

Vitas bietet eine 30-tägige Testphase mit 500 Testkonversationen an. Zahlungsdaten müssen Sie dafür nicht hinterlegen. Die Testphase endet automatisch.

Schließen Sie innerhalb der 30 Tage kein Abonnement ab, verlieren Sie den Zugriff auf Ihre Testdaten und Konfiguration. Nutzen Sie die Testphase gezielt für Ihre volumenstärksten Anliegen. Prüfen Sie dabei, wie viele Anrufe der Assistent abschließend bearbeitet und wie viele er an das Team weiterreicht.

Wirtschaftlichkeit: Kosten vs. eingesparte MFA-Telefonzeit

Das Rechenbeispiel zeigt, wie stark die Paketwahl die Kosten beeinflusst. Annahme: Der Vitas Telefonassistent übernimmt 1.000 Konversationen im Monat. Für die PVS-Anbindung ist das Pro-Paket erforderlich. Alle Preise netto, monatliche Zahlung, Pro-Paket zum aktuellen Angebotspreis.

KonstellationRechnungNetto/Monat
Flex ohne Pro49 € + 1.000 × 0,28 €329 €
Basic ohne Pro119 € + 500 × 0,25 €244 €
Basic mit Pro244 € + 99 €343 € (373 € zum regulären Pro-Preis)
Plus mit Pro299 € + 99 €398 € (428 € zum regulären Pro-Preis)

Für die Gegenrechnung liefert eine Gemeinschaftspraxis im Deutschen Ärzteblatt einen Anhaltspunkt. Dort dauerte das Gespräch mit dem VoiceBot rund drei Minuten, das mit einer MFA rund elf. Der vorbereitete Rückruf benötigte noch etwa vier Minuten. Daraus ergaben sich mindestens 25 Stunden Ersparnis im Monat. Die Werte stammen von einem nicht genannten Anbieter und sind nicht auf Vitas übertragbar.

Rechnerisch angesetzt sind Personalkosten von 30 € je MFA-Stunde. Dann amortisiert sich die Konstellation „Basic mit Pro“ ab rund 11,5 eingesparten Stunden. Setzen Sie für eine belastbare Kalkulation Ihre tatsächlichen Arbeitgeberkosten und Ihr reales Anrufvolumen ein.

Einrichtung: In welchen Schritten geht Vitas in Betrieb?

Die Inbetriebnahme des Vitas Telefonassistenten erfordert keine Hardware und keine lokale Installation. Vitas nennt drei Voraussetzungen:

  • einen aktuellen Internetbrowser
  • eine Rufnummernweiterleitung in der Telefonanlage
  • rund eine Stunde Einrichtungszeit

Rufumleitung über Telefonanlage, Fritzbox oder Tastenkombination

Die Standardanbindung erfolgt per Rufumleitung auf eine Vitas-Rufnummer. Für Fritzbox-Anlagen, Weiterleitungen per Tastenkombination und weitere Telefonanlagen stellt Vitas Hilfeartikel bereit.

Praxen nutzen die Umleitung häufig zeitgesteuert oder bedingt:

  • Bei Besetzt oder Nichtannahme übernimmt die KI nur den Überlauf.
  • Außerhalb der Sprechzeiten übernimmt sie alle Anrufe.

So bleibt der persönliche Kontakt während der Kernzeiten erhalten.

Rufnummernübermittlung (CLIP) und SIP-Trunking (Pro)

Damit der Assistent die Nummer des Anrufers erhält, muss die Telefonanlage sie bei der Weiterleitung übermitteln (CLIP). Ohne Rufnummer erschweren sich Rückruf und Patientenzuordnung.

Als Alternative zur Rufumleitung bietet das Pro-Paket eine direkte Anbindung per SIP-Trunk. Sie empfiehlt sich bei Anlagen mit vielen Durchwahlen oder hohem Anrufvolumen.

Mehrere Rufnummern bzw. Durchwahlen lassen sich auf den Assistenten weiterleiten.

Konfiguration per Vorlage, Onboarding und Onboarding Pro

Für die häufigsten Anrufgründe liefert Vitas fertige Vorlagen, die Sie anschließend anpassen. Im Standard-Onboarding unterstützt das Vitas-Team bei der Ersteinrichtung.

„Onboarding Pro“ erweitert die Betreuung:

  • mehr Beratungszeit
  • einen zusätzlichen Check-in nach einigen Wochen Nutzung, um die Konfiguration nachzuschärfen

Daneben stehen Tutorial-Videos und ein Hilfebereich zur Verfügung.

Patientenakzeptanz: Information im Wartezimmer und auf der Website

Die Akzeptanz hängt weniger von der Technik ab als von der Erwartung der Anrufer. Viele Patienten bevorzugen weiterhin den Kontakt zu geschultem Personal. Verlässliche Erreichbarkeit wiegt jedoch oft schwerer als Warteschleifen und wiederholte Anrufversuche.

Kündigen Sie die Umstellung vorab an, etwa per Aushang, Hinweis auf der Website und Ansage. Bieten Sie Patienten, die die KI ablehnen, einen definierten Weg zum Team an.

Erfahrungen und Grenzen aus dem Praxisalltag

Erfahrungswerte zum Vitas Telefonassistenten stammen derzeit überwiegend vom Anbieter selbst. Unabhängige, systematische Auswertungen für Arztpraxen liegen nicht vor. Die folgenden Angaben sind deshalb nach Quelle getrennt.

Herstellerangaben aus Success Stories

Vitas veröffentlicht Fallstudien mit konkreten Kennzahlen. Es handelt sich um Herstellerangaben, die nicht unabhängig geprüft sind.

EinrichtungAngegebener Effekt (Herstellerangabe)
Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg> 100 Stunden gesparte Anrufzeit pro Monat
Maybach Klinik> 208 Stunden gesparte Anrufzeit pro Monat
Hausarztpraxen Lenzburg und Obergösgen75 % Zeitersparnis bei telefonischen Anfragen
Ambulante Krankenpflege Harms> 1.000 bearbeitete Anrufe pro Monat

Die Kennzahlen stammen überwiegend aus Kliniken mit hohem Anrufvolumen. Auf eine Einzelpraxis lassen sie sich nicht direkt übertragen.

Kritische Nutzerstimmen

Unabhängige Praxisberichte zu KI-Telefonassistenten allgemein zeigen, wie stark der Nutzen von der Fachrichtung abhängt. Eine HNO-Ärztin berichtete im Deutschen Ärzteblatt von einem gescheiterten Einsatz mit drei Problemen:

  • Im Schnitt konnte der Assistent nur zwei von zehn Anrufern bedienen.
  • Jeder Anruf wurde abgerechnet.
  • Eine Schnittstelle zum Terminsystem fehlte, das System konnte nur vorgefertigte Slots nutzen.

Patienten mit akuten Beschwerden wollten zudem sofort einen Termin, statt auf einen Rückruf zu warten. Die Ärztin kündigte den Dienst.

Daraus folgt kein Urteil über ein bestimmtes Produkt. Es zeigt aber, worauf es ankommt: Fachrichtung, Terminlogik und PVS-Anbindung bestimmen den Nutzen stärker als die Sprachqualität. Ein KI-Telefonassistent ersetzt kein durchdachtes Terminmanagement in der Arztpraxis mit festen Zeitfenstern für Akutfälle. 

Grenzen: Notfallanrufe, komplexe Anliegen, ältere Patienten

Ein KI-Telefonassistent ersetzt keine medizinische Ersteinschätzung. Eine spezifische Notfallerkennung nennen die Herstellerunterlagen nicht.

Haftungsrisiko: Ein Patient mit akuten Beschwerden darf nicht in einem Ticket landen. Hinterlegen Sie in der Begrüßung den Hinweis auf 112 und 116117. Definieren Sie Eskalationsregeln, die Schlüsselbegriffe sofort an das Team durchstellen.

Ein Ticketsystem eignet sich zudem schlecht für komplexe Befundbesprechungen und emotional belastete Gespräche. Auch Anrufer mit Hör- oder Sprachschwierigkeiten brauchen eine direkte Ausweichmöglichkeit zum Praxisteam.

Vitas im Vergleich zu anderen Telefonassistenten

Der Vitas Telefonassistent konkurriert mit spezialisierten Lösungen für das Gesundheitswesen und mit klassischen Telefonservices. Die Wahl hängt vor allem von der vorhandenen Praxis-IT ab. Ein Telefonassistent, der nicht zum eigenen PVS oder Terminportal passt, verliert den Großteil seines Effizienzvorteils.

Vitas, Doctolib, medflex und menschlicher Telefonservice

KriteriumVitasDoctolib KI-Telefonassistent (Technologie Aaron.ai)medflexMenschlicher Telefonservice
AbrechnungsmodellGrundgebühr plus Preis je KonversationKeine öffentlichen Preise für den Telefonassistentenk. A.In der Regel pro Anruf oder Minute
Preise öffentlichJaNeink. A.Je Anbieter
TerminbuchungÜber Partnerintegrationen (Pro)Im Doctolib-KalenderÜber das medflex-SystemJe nach Zugriff auf den Praxiskalender
VoraussetzungRufumleitung oder SIP-TrunkDoctolib-Nutzung (laut Wettbewerbervergleichen)medflex-KommunikationssystemKeine technische Integration nötig
Hosting / InfrastrukturDeutsche Anbieter, ohne US-Cloud (laut Anbieter)k. A.k. A.Je Anbieter
SelbstkonfigurationNo-Code-Editor ohne Service-Ticketk. A.k. A.Nicht relevant

Zur Einordnung des Doctolib-Produkts: Doctolib übernahm im Mai 2024 den Berliner Anbieter Aaron.ai. Seit Mai 2025 vertreibt Doctolib auf dieser Technologie einen eigenen KI-Telefonassistenten, eingebunden in die Doctolib Praxissoftware.

medflex bindet seinen Telefonassistenten in ein Patienten-Kommunikations-System mit Messenger und Online-Anfrage ein.

Vergleichskriterien: Abrechnungsmodell, PVS-Integration, Hosting, Selbstkonfiguration

Für Praxen ohne Doctolib, die tomedo, medatixx, samedi oder jameda nutzen, ist Vitas eine naheliegende Option. Voraussetzung ist eine Anbindung, die den Prüffragen oben standhält.

Doctolib-Praxen erhalten mit dem Doctolib-Telefonassistenten eine Kalenderintegration im eigenen Ökosystem. Praxen, die neben dem Telefon auch Messenger und Online-Anfragen bündeln wollen, finden bei medflex einen breiteren Kommunikationsansatz.

Ein menschlicher Telefonservice bleibt sinnvoll, wenn persönliche Ansprache Priorität hat oder das Anrufvolumen eine KI-Lösung nicht trägt. Vergleichen Sie alle Optionen auf Basis Ihres tatsächlichen Anrufprofils, nicht auf Basis von Listenpreisen.

FAQ: Häufige Fragen zum Vitas Telefonassistenten

Wie viele Anrufe kann Vitas parallel annehmen?

Laut Anbieter nimmt der Vitas Telefonassistent Hunderte Anrufe parallel an. Warteschleifen und Besetztzeichen entfallen damit auch in Spitzenzeiten, etwa am Montagmorgen oder in der Infektsaison. Die Grenze setzt nicht die Leitungskapazität, sondern das gebuchte Konversationskontingent. Bei 80 % und 100 % des Kontingents informiert Vitas per E-Mail.

Lässt sich Vitas für mehrere Standorte eines MVZ nutzen?

Ja. Vitas empfiehlt für jeden Standort bzw. jede Abteilung eine eigene Lizenz. So landen die Anrufe in der jeweils zuständigen Oberfläche, und das Personal vor Ort verwaltet sie selbst. Für standortübergreifende Auswertungen gibt es das Add-on Advanced Management (299 € netto monatlich). Kalkulieren Sie die Grundgebühr deshalb je Standort.

Kann Vitas ausschließlich außerhalb der Sprechzeiten eingesetzt werden?

Ja. Über die Öffnungszeiten-Logik und eine zeitgesteuerte Rufumleitung übernimmt der Assistent nur außerhalb der Sprechzeiten, an Wochenenden oder im Praxisurlaub. Alternativ springt er nur bei Besetzt oder Nichtannahme ein. Viele Praxen starten mit diesem Überlaufmodell. Den Einsatz auf die Kernzeiten weiten sie erst nach positiven Erfahrungen aus.

Klicken Sie, um diese Webseite zu bewerten!
[Anzahl Bewertungen: 40 Durchschnittliche Bewertung: 4.7]