Was kostet eine Praxisübernahme und Praxisgründung?

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die wirtschaftliche Weichenstellung zur eigenen Praxis erfolgt primär zwischen der Übernahme bestehender Strukturen und der meist teureren Neugründung, wobei das Investitionsvolumen massiv durch die Fachrichtung (Hausarzt: ø 190.300 € vs. Orthopädie: ø 529.100 €) und den Standort (Großstadt-Aufpreis von über 50 %) determiniert wird.
  • Das Finanzierungspaket setzt sich aus dem Übernahmepreis für Substanz und Goodwill, Modernisierungsinvestitionen zur Effizienzsteigerung sowie einer essenziellen Betriebsmittelreserve zusammen, wobei ökonomische Fallstricke wie die überproportional hohen Kosten einer halben Zulassung (bis zu 71 % des Vollpreises) und steigende Praxisaufwendungen (+11,0 %) eine präzise Budgetierung erzwingen.
  • Langfristiger wirtschaftlicher Erfolg erfordert eine synergetische Finanzierungsstrategie aus Förderdarlehen (KfW) und steuerlicher Optimierung, insbesondere durch die gezielte Abschreibung des immateriellen Praxiswerts über drei bis zehn Jahre sowie die sofortige Absetzbarkeit von Erhaltungsaufwendungen zur Kompensation der Schere zwischen Kostenentwicklung und Honorarwachstum.

Wie viel kostet eine Praxisübernahme?

Fachrichtung Übernahmepreis Weitere Investitionen* Betriebsmittel Gesamtkosten
Orthopädie 397.700 € 83.800 € 47.600 € 529.100 €
Frauenheilkunde 185.300 € 78.900 € 26.200 € 290.400 €
Kinderheilkunde 147.000 € 57.500 € 32.900 € 237.400 €
Hausärzte 112.300 € 51.000 € 27.000 € 190.300 €
Psychotherapie 46.400 € 10.300 € 5.700 € 62.400 €
Kosten einer Praxisübernahme nach Fachrichtungen (Jahr 2023/2024).
*Inkludiert medizinisch-technische Geräte, Einrichtung, IT sowie Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen.
Quelle: apoBank / Zi

Es ist zu beachten, dass diese Werte die reine Übernahmephase abbilden, während die laufenden Aufwendungen durch den Anstieg des Verbraucherpreisindex um 6,9 % im Bezugsjahr zusätzlich unter Druck stehen. Die Praxisübernahme ist für viele Ärzte und Psychotherapeuten der sicherste Weg in die Selbstständigkeit. Ein fundierter Businessplan und eine präzise Budgetplanung sind hierfür unerlässlich, insbesondere da die Aufwendungen für Arztpraxen im Jahr 2022 um 11,0 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind und nun bei durchschnittlich 466.000 € pro Arztpraxis liegen. Wer heute eine Hausarztpraxis übernimmt, muss mit einem Gesamtinvestitionspaket rechnen, das weit über den reinen Kaufpreis hinausgeht.

Die Kosten setzen sich im Wesentlichen aus drei Säulen zusammen:

Der Übernahmepreis: Substanz und Goodwill

Der Kaufpreis ist die größte Einzelposition. Er basiert nicht nur auf dem materiellen Wert (Praxiseinrichtung, medizinische Geräte), sondern maßgeblich auf dem ideellen Wert, dem sogenannten Goodwill. Dieser repräsentiert den Patientenstamm, den Standort und den Ruf der Praxis.

  • Durchschnittskosten: Für eine hausärztliche Einzelpraxis liegt der Übernahmepreis aktuell bei durchschnittlich 112.300 €.
  • Marktentwicklung: Im Zeitraum 2013/14 lag dieser Wert noch bei 76.900 €.
  • Preisklassen: Der Großteil der Hausarztpraxen (61 %) wird für weniger als 100.000 € veräußert. Rund ein Drittel der Objekte (31 %) wechselt in einer Preisspanne zwischen 101.000 € und 200.000 € den Besitzer. Hochwertige Einheiten, die Verkaufserlöse jenseits der 200.000 €-Marke erzielen, bilden mit einem Marktanteil von lediglich 8 % die Ausnahme.
  • Geografische Unterschiede: Im ländlichen Raum beträgt die Gesamtinvestition durchschnittlich 151.700 € bei einem Übernahmepreis von 86.400 €. In der Großstadt steigen die Gesamtkosten auf 205.000 €, wobei der Übernahmepreis für eine Einzelpraxis mit 131.600 € über 50 % höher liegt als in ländlichen Regionen.

Der Einstieg in die eigene Niederlassung erfordert eine belastbare Datenbasis, die über vage Schätzungen hinausgeht. Eine professionelle Praxiswertermittlung schafft hier die notwendige Transparenz, um das wirtschaftliche Risiko einer Praxisübernahme präzise abzusichern. Sie dient als objektiver Maßstab, der den über Jahre aufgebauten Erfolg des Vorgängers in eine faire, sachliche Verhandlungsgrundlage übersetzt.

Modernisierung: Investition in die Zukunftsfähigkeit

Nach der Unterschrift ist die Investitionsphase meist nicht abgeschlossen. Die ökonomische Relevanz effizienter Abläufe wird durch die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben verdeutlicht: Während die Einnahmen je Praxis 2022 nur um 5,3 % stiegen, erhöhten sich die Aufwendungen um 11,0 %. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Modernisierungsinvestitionen (ca. 51.000 € bei Hausärzten) primär auf Effizienzsteigerung auszulegen.

Häufige Investitionsschwerpunkte sind:

  • Medizingeräte: Austausch veralteter Diagnostikgeräte gegen moderne, digitale Systeme.
  • Praxis-Digitalisierung: Stabile IT, Implementierung zeitgemäßer Praxissoftware, Cybersicherheit und digitale Patientenkommunikation.
  • Renovierung: Anpassung des Ambientes und der Ergonomie an moderne Arbeitsweisen.

Die Betriebsmittelreserve: Sicherer Start in die Freiheit

In den ersten Monaten nach der Übernahme müssen laufende Kosten (Personal, Miete, Material) gedeckt werden, bevor die ersten Honorarzahlungen der Kassenärztlichen Vereinigung in voller Höhe fließen.

Eine solide Betriebsmittelreserve ist essenziell, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Bei Hausärzten liegt dieser Puffer im Schnitt bei 27.000 €.

Bei Fachärzten weichen diese Werte teils deutlich ab: Orthopäden benötigen hierfür kumuliert rund 131.400 € (83.800 € Investitionen + 47.600 € Betriebsmittel)

Wie viel kostet eine Praxisneugründung?

Während die Praxisübernahme auf bestehenden Strukturen aufbaut, gleicht die Praxisneugründung einem Start-up auf der grünen Wiese. Der Verzicht auf einen Kaufpreis für den Patientenstamm mag auf den ersten Blick attraktiv wirken, doch die ökonomische Realität sieht anders aus: Die Neugründung ist in der Regel die kostenintensivste Form der Niederlassung.

Wer sich für den Aufbau einer völlig neuen Einzelpraxis entscheidet, muss vor allem in die Infrastruktur und die Anlaufphase investieren. Da keine Altgeräte oder Bestandsmöbel vorhanden sind, steigen die Initialkosten massiv an:

  • Initialinvestitionen (176.700 €): Dieser Posten deckt die komplette medizintechnische Ausstattung, die IT-Landschaft sowie die gesamte Praxiseinrichtung ab. Hier gibt es keine Kompromisse – alles muss zum Tag der Eröffnung auf dem neuesten Stand sein.
  • Betriebsmittelreserve (50.800 €): Da Sie ohne Patientenstamm starten, dauert es wesentlich länger, bis die Praxis kostendeckend arbeitet. Eine deutlich höhere Liquiditätsreserve ist zwingend erforderlich, um die Durststrecke der Anlaufphase sicher zu überbrücken.
  • Gesamtvolumen: Eine Neugründung im hausärztlichen Bereich kostet rund 227.500 €.

Kosten nach Zulassungsumfang (Halbe vs. Volle Zulassung)

Bei der Planung einer Praxisübernahme steht oft die Frage im Raum, ob eine volle oder eine halbe Zulassung den besseren Einstieg markiert. Die aktuellen Marktdaten zeigen hier ein deutliches Muster: Der Erwerb einer halben Zulassung ist im Verhältnis zur vollen Auslastung oft überproportional teuer.

Wer hofft, durch die Reduzierung des Zulassungsumfangs exakt 50 % der Kosten zu sparen, wird in den meisten Fachbereichen mit einer anderen wirtschaftlichen Realität konfrontiert.

Die ökonomische Schere zwischen halben und ganzen Versorgungsaufträgen klafft je nach Fachrichtung unterschiedlich weit auseinander. Besonders im spezialisierten Bereich zahlen Übernehmer für den halben Umfang einen deutlichen Aufpreis pro Leistungseinheit.

  • Orthopädie: Hier ist der Effekt am stärksten spürbar. Eine halbe Zulassung kostet im Schnitt 276.395 € – das sind bereits 68 % des Preises für eine volle Zulassung (405.144 €).
  • Kinderheilkunde: Auch hier erreichen die Kosten für den halben Umfang mit 95.218 € rund 71 % des Vollpreises (135.023 €).
  • Frauenheilkunde: Mit 123.314 € für die halbe Zulassung liegt der Preis bei etwa 65 % der vollen Investition (188.549 €).

Ein anderes Bild zeigt sich in Fachbereichen, die weniger apparateintensiv sind oder bei denen die Preisbildung stärker an die tatsächliche Fallzahl gekoppelt ist:

  • Psychotherapie & Psychiatrie: Mit 39.815 € für eine halbe Zulassung (entspricht 49 % der vollen 81.901 €) verhält sich der Markt hier nahezu linear. Dies korrespondiert mit der geringeren Apparateintensität und der kleineren Personalstruktur von durchschnittlich 2 Personen.
  • Hausärzte: Bei der Überführung einer Einzelpraxis in eine Berufsausübungsgemeinschaft kostet die halbe Zulassung im Schnitt 40.500 €. Dies entspricht lediglich 41 % des Preises einer vollen Zulassung (99.800 €). Wird eine halbe Zulassung jedoch im Rahmen eines Eintritts/Beitritts in eine bestehende BAG erworben, steigt der Preis auf durchschnittlich 102.200 € an, was 76 % des Preises einer vollen Niederlassung (135.100 €) entspricht

Die überproportionalen Kosten in den operativen und technischen Fachrichtungen (wie Orthopädie oder Gynäkologie) haben meist strukturelle Gründe. Der Goodwill und der Standortwert lassen sich nicht einfach halbieren. Auch der Zugriff auf die vorhandene Infrastruktur bleibt wertvoll, unabhängig davon, wie viele Stunden die Zulassung formal umfasst.

Für junge Ärzte bedeutet dies: Eine halbe Zulassung bietet zwar einen günstigeren Einstiegswert in absoluten Zahlen, ist aber rein betriebswirtschaftlich betrachtet die teurere „Aktie“.

Was kostet eine Zahnarztpraxis?

Der Schritt in die zahnärztliche Selbstständigkeit durch die Übernahme einer Einzelpraxis erforderte im Jahr 2024 ein durchschnittliches Kapital von 450.000 €. Damit sanken die Gesamtkosten im Vergleich zum Vorjahr (463.000 €) zwar leicht, doch die Kostenstruktur hat sich spürbar verschoben: Während die reinen Übernahmepreise sanken, kletterten die Ausgaben für Modernisierung und medizintechnische Ausstattung auf ein neues Rekordniveau.

Kostenkategorie Durchschnittswert 2024 Fokus & Bestandteile
Übernahmepreis 226.000 € Kaufpreis für den Standort und Patientenstamm (Median: 200.000 €).
Investitionen 168.000 € Modernisierung, Umbau, IT und medizinisch-technische Geräte.
Betriebsmittel 56.000 € Liquiditätsreserve für die erste Anlaufphase des Praxisbetriebs.
Gesamtsumme 450.000 € Gesamtes Finanzierungsvolumen pro Gründung.
Kosten einer Zahnarztpraxis-Übernahme (Jahr 2024).
Hinweis: Da die Anforderungen je nach Fachrichtung und Zustand der Zahnarztpraxis variieren, liegt die kombinierte Summe aus Zusatzinvestitionen und Betriebsmitteln im Schnitt bei etwa 224.000 €.
Quelle: apoBank

Die Kosten einer Zahnarztpraxis-Gründung sind kein Festpreis. Sie werden durch strategische Entscheidungen und äußere Rahmenbedingungen massiv beeinflusst:

  • Geografie und Standort: Der Süden Deutschlands bleibt mit durchschnittlich 499.000 € das teuerste Pflaster für Gründer. Im Westen fallen die Kosten mit 411.000 € deutlich moderater aus.
  • Urbanität vs. ländlicher Raum: Je urbaner das Umfeld, desto höher die Hürden. In Großstädten (über 100.000 Einwohner) investieren Zahnärzte im Schnitt 475.000 €, während Praxen in Gemeinden unter 5.000 Einwohnern bereits für rund 377.000 € realisiert werden.
  • Regionale Kaufpreis-Logik: Im Osten Deutschlands lassen sich Zahnarztpraxen oft günstig übernehmen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Die niedrigen Kaufpreise werden häufig durch überdurchschnittlich hohe Modernisierungskosten kompensiert.
  • Individuelle Investitionsbereitschaft: Der Markt ist zweigeteilt. Während jede vierte Zahnarztpraxis für unter 100.000 € den Besitzer wechselt, investiert mehr als jeder fünfte Gründer (21 %) über 600.000 €, um von Beginn an High-End-Standards zu setzen.
  • Gender-Gap bei der Finanzierung: Interessanterweise investieren männliche Zahnärzte mit durchschnittlich 490.000 € rund 20 % mehr als ihre Kolleginnen (410.000 €), was häufig auf unterschiedliche Praxisgrößen oder Schwerpunkte zurückzuführen ist.

Im Detail: Kosten für IT und Digitalisierung

Die Ausgaben für die digitale Infrastruktur variieren signifikant mit dem Einrichtungstyp. Eine detaillierte Aufschlüsselung der mittleren jährlichen Kosten (Median) liefert die Basis für eine valide Budgetplanung (Quelle: Zi, 2023):

KostenpositionEinzelpraxisPraxisgemeinschaftBerufsausübungsgemeinschaft (BAG)
IT-Gesamtkosten7.159 €8.098 €15.033 €
IT-Dienstleister1.200 €2.000 €2.500 €
IT-Hardware1.525 €2.000 €3.500 €
Telematikinfrastruktur (ohne PVS)1.450 €2.080 €2.000 €
Praxisverwaltungssoftware (PVS)1.600 €1.000 €3.000 €
Das sagen Ärzte: Kosten und Nutzen spezifischer digitaler Anwendungen

Häufige Investitionsschwerpunkte sind die Implementierung zeitgemäßer Softwarelösungen und die digitale Patientenkommunikation. Die tatsächliche Kosten-Nutzen-Relation wird von der Ärzteschaft jedoch differenziert bewertet:

  • Online-Terminkalender: Die Einführung verursacht im Median Gesamtkosten von ca. 1.000 €, wobei 500 € auf die Software und 450 € auf die Wartung entfallen (Quelle: Mußgnug/Zi, 2023). Vorteile liegen in der Entlastung des Personals bei der telefonischen Vergabe und einer erhöhten Patientenzufriedenheit.
  • Videosprechstunden: Die mittleren Kosten im Einführungsjahr liegen bei moderaten 320 €. Hinweis: Entgegen der Erwartung einer administrativen Entlastung lehnt die überwiegende Mehrheit (67,2 %) der Anwendenden die Aussage ab, dass Videosprechstunden das Praxispersonal bei administrativen Tätigkeiten entlasten. Zudem limitieren häufige Verbindungsprobleme und eingeschränkte Untersuchungsmöglichkeiten die klinische Anwendbarkeit.
  • Sichere Messengerdienste: Diese verursachen mit einem Median von 5 € kaum finanzielle Belastungen und erhöhen laut 57 % der Nutzenden die Flexibilität beim kollegialen Datenaustausch.

FAQ

Wie viel kostet eine Privatpraxis?

Die Kosten einer Privatpraxis-Gründung sind fachrichtungsabhängige Investitionen, die zwischen 50.000 € (beratend) und über 150.000 € (geräteintensiv) liegen. Da der Kaufpreis für einen KV-Sitz entfällt, fließen die Mittel primär in repräsentative Standorte, hochwertiges Interieur und digitales Praxismarketing. Ein Liquiditätspuffer für sechs bis zwölf Monate sichert die Deckung der laufenden Fixkosten in der Anlaufphase.

Welche staatlichen Fördermittel können für die Praxisgründung genutzt werden?

Die finanzielle Förderung bei der Praxisgründung für Ärzte umfasst staatliche Förderdarlehen, regionale Investitionszuschüsse und Beratungsförderungen. Zentrale Instrumente sind der KfW-ERP-Gründerkredit – StartGeld für Vorhaben bis 125.000 Euro sowie der ERP-Förderkredit KMU. Ergänzend gewähren Kassenärztliche Vereinigungen Investitionskostenzuschüsse für ländliche Niederlassungen, während das BAFA die betriebswirtschaftliche Gründungsberatung bezuschusst.

Wie finanziert man eine Praxisgründung?

Die Finanzierung einer Arztpraxis basiert auf einem synergetischen Mix aus Fremdkapital, Eigenmitteln und Liquiditätsschutz. Während spezialisierte Praxisdarlehen den Kern der Investition bilden, stärkt ein Eigenkapitalanteil von 10 bis 20 % die Kreditkonditionen maßgeblich. Vollfinanzierungen sind jedoch bei positiver Standortprognose im medizinischen Sektor realisierbar.

Zur Schonung der Kreditlinie wird kostenintensive Medizintechnik primär über Leasing oder Mietkauf finanziert, was sofortige steuerliche Absetzbarkeit als Betriebsausgabe ermöglicht. Die bankseitige Besicherung erfolgt meist durch die Abtretung kassenärztlicher Honoraransprüche oder staatliche Bürgschaftsbanken. Ergänzend optimiert Factoring den Cashflow, indem es Forderungsausfälle bei Privatliquidationen verhindert und den Zeitraum bis zum Zahlungseingang überbrückt.

Sind Praxisübernahme-Kosten steuerlich absetzbar?

Der Kaufpreis einer Praxis lässt sich steuerlich nicht sofort in voller Höhe absetzen. Stattdessen wird er über die jährliche Abschreibung (AfA) zeitversetzt geltend gemacht. Die Finanzbehörden unterscheiden strikt zwischen materiellen und immateriellen Werten:

Materielles Inventar: Medizintechnik und Einrichtung werden zum Zeitwert angesetzt. Die Abschreibung erfolgt individuell nach der technischen Restnutzungsdauer.

Immaterieller Praxiswert (Goodwill): Der Patientenstamm bildet den Kernwert. Bei Einzelpraxen ist dieser über drei bis fünf Jahre absetzbar, während bei Gemeinschaftspraxen (BAG) ein Zeitraum von sieben bis zehn Jahren gilt. Je präziser die Inventarliste, desto valider die steuerliche Basis.

Nicht jede Ausgabe muss über Jahre verteilt werden. Bestimmte Kosten senken Ihre Steuerlast bereits im Jahr der Entstehung:

Erhaltungsaufwand: Renovierungen und Instandsetzungen sind sofort und in voller Höhe als Betriebsausgabe abzugsfähig.

Finanzierungs-Hebel: Zinsen sind Betriebsausgaben. Ein vereinbartes Disagio kann die Steuerlast sofort massiv mindern, sofern es bei mindestens fünfjähriger Zinsbindung die 5-Prozent-Grenze der Marktüblichkeit nicht überschreitet.

Ein kritischer Denkfehler bei Praxisübernahmen ist die Gleichsetzung von Darlehensraten und Steuerabzug. Während die Abschreibung (AfA) den steuerlichen Gewinn mindert, belasten die Tilgungsraten lediglich die Liquidität, ohne das steuerliche Ergebnis zu senken.

Um den vollen Schuldzinsenabzug langfristig zu sichern, ist eine strikte Kontentrennung zwingend. Finanzierungen für den Praxiswert müssen separat von privaten Entnahmen geführt werden, da der Fiskus den Zinsabzug bei Überentnahmen beschränkt, die Finanzierung von Anlagevermögen jedoch privilegiert.

Da die Praxisübernahme meist als „Geschäftsveräußerung im Ganzen“ umsatzsteuerneutral erfolgt, liegen die Fallstricke im Detail – etwa bei der Grunderwerbsteuer für Praxisimmobilien oder den gegensätzlichen Interessen von Käufer (kurze Abschreibung) und Verkäufer (niedriger Veräußerungsgewinn). Eine unabhängige, spezialisierte Begleitung über Medizinio ist daher essenziell, um die steuerliche Progression rechtssicher zu optimieren und den Netto-Erfolg zu maximieren.

Quellen
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Autor: Nils Buske, zuletzt aktualisiert am