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Abstract – Belastungs-EKG-Geräte kaufen: Geräte für die Arztpraxis
- Ein Belastungs-EKG-Gerät besteht aus drei Pflichtkomponenten: medizinischer Ergometer (Fahrrad oder Laufband), 12-Kanal-EKG-Ableiteinheit und validierter Auswertungssoftware mit ST-Strecken-Analyse — alle drei Komponenten müssen als Medizinprodukt der Klasse IIa nach MDR (EU) 2017/745 sowie gemäß MPDG zertifiziert sein.
- Das DGK-Manual zum Stellenwert der Ergometrie (Klingenheben et al., Der Kardiologe 2025) schreibt die simultane 12-Kanal-Ableitung, kalibrierte Wattsteuerung und vollständige Notfallausstattung (Defibrillator, Atemwegssicherung, O₂-Vorhaltung) als Mindestvoraussetzung vor; ERC-konformes Reanimationstraining des Fachpersonals ist mindestens alle 2 Jahre verpflichtend.
- Die Abrechnung erfolgt im GKV-Bereich nach GOP 03321 EBM (21,65 €, Hausärzte), GOP 13251 (Kardiologen) bzw. GOÄ-Nr. 652 (Privatpatienten); die steuerliche Nutzungsdauer beträgt 8 Jahre gemäß AfA-Tabelle Gesundheitswesen (BMF, lfd. Nr. 25), Leasing ist als Operating-Leasing sofort abzugsfähig.
- Gebraucht gekaufte Belastungs-EKG-Geräte erfordern eine MDR-konforme Aufbereitung mit neuer CE-Konformitätserklärung — fehlt diese, trägt der Praxisinhaber die volle Produkthaftung; Neugeräte kosten je nach Klasse 3.000–25.000 € netto, medizinische Fahrradergometer zusätzlich 2.000–5.000 € netto.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Belastungs-EKG-Gerät — und wie unterscheidet es sich vom Ruhe-EKG?
Funktionsprinzip: Ergometer + EKG-Einheit + Auswertungssoftware
Ein Belastungs-EKG-Gerät kombiniert drei Komponenten: einen medizinischen Ergometer (Fahrrad oder Laufband), eine EKG-Ableiteinheit mit mindestens 12 Kanälen und eine Auswertungssoftware mit ST-Strecken-Analyse, Herzfrequenzverhalten und Belastungsprotokollen. Diese Kombination ist entscheidend — das EKG-Modul allein ist kein Belastungs-EKG-System.
Die Ergometriesoftware steuert automatisch das Belastungsprotokoll (z. B. WHO-, Ramp- oder Bruce-Protokoll), analysiert die ST-Strecke kontinuierlich und gibt den Abschlussbericht in druckfähiger oder KIS-kompatibler Form aus. Ohne validierte Software erfüllt ein System nicht die Anforderungen des DGK-Manuals zum Stellenwert der Ergometrie (Klingenheben et al., Der Kardiologe 2025).
Abrechnung: Das Belastungs-EKG wird im GKV-Bereich nach GOP 03321 EBM (21,65 €) abgerechnet. Pflichtvoraussetzung: vollständige Dokumentation mit mindestens 12 Ableitungen in Ruhe und nach Belastung sowie Defibrillator-Vorhaltung in der Praxis.
Abgrenzung: Belastungs-EKG-Gerät vs. Ergometrie-Messplatz
Ein Belastungs-EKG-Gerät ist eine eigenständige Einheit — entweder als vollintegriertes Stand-alone-Gerät oder als PC-basiertes System mit separatem Ergometer. Ein Ergometrie-Messplatz umfasst zusätzlich Blutdruckmessung (LZ-RR-Integration), erweiterte Befundsoftware und ggf. Spiroergometrie-Module. Wer eine vollständige Messplatz-Lösung plant, findet dazu eine gesonderte Übersicht auf dieser Seite.
Welche Gerätetypen gibt es beim Belastungs-EKG kaufen?
Fahrradergometer-basierte Systeme — Standard in der Praxis
Das Fahrradergometer ist in deutschen Arztpraxen der Standard. Die Wattbelastung lässt sich exakt steuern, der Raumanspruch ist gering, und die Oberkörperbewegung des Patienten bleibt minimal — was die EKG-Qualität direkt verbessert. Medizinische Ergometer müssen die Anforderungen des Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetzes (MPDG) und der MDR (EU) 2017/745 erfüllen und unterliegen einer regelmäßigen Wartung und Kalibrierung gemäß Konformitätsbedingungen — zwingend von Fitness-Ergometern abzugrenzen.
Gängige Modelle: custo med EC 5000 smart, Schiller Ergo 104 plus, GE Medical E100.
Laufband-basierte Systeme — Indikationen und Raumanspruch
Laufbandergometer sind indiziert, wenn das Bruce-Protokoll eingesetzt wird oder Patienten orthopädisch kein Fahrrad treten können. Der Platzbedarf ist erheblich (mindestens 2,5 × 1,5 m Stellfläche plus Sicherheitsabstand). In der deutschen Niederlassung spielen sie eine Nebenrolle — ihr Schwerpunkt liegt in sportmedizinischen und rehabilitativen Kontexten.
PC-basierte vs. Stand-alone-Systeme
| Merkmal | PC-basiertes System | Stand-alone-Gerät |
|---|---|---|
| Hardware | Laptop/PC + EKG-Modul + Ergometer | Integrierte Einheit |
| Flexibilität | Hoch (Software updatebar) | Mittel |
| KIS-Anbindung | HL7/GDT direkt über PC | Oft per Schnittstelle |
| Wartung | Software-Updates separat | Zentral beim Hersteller |
| Preisrahmen | Ab ca. 3.000 € (Modul) | Ab ca. 5.000 € |
| Empfohlen für | Praxen mit bestehender IT | Kompakte Praxen |
Welche technischen Spezifikationen sind für die Praxis entscheidend?
Kanalzahl: 12-Kanal-EKG als Mindeststandard
Das DGK-Manual fordert die simultane 12-Kanal-EKG-Ableitung während der gesamten Belastungsphase. Geräte mit weniger Kanälen sind für die diagnostische Ergometrie nicht leitlinienkonform. Achten Sie beim Kauf auf störungsarme Ableitung aller 12 Kanäle auch unter maximaler Belastung — das hängt wesentlich von Elektrodenqualität und Artefaktfilterung der Hardware ab.
Notfallausstattung: Das DGK-Manual zum Stellenwert der Ergometrie schreibt für jeden Ergometrieraum zwingend vor: Defibrillator, Ausrüstung zur Atemwegssicherung und Intubation, Infusionstherapie, Notfallmedikamente sowie O₂-Vorhaltung. Regelmäßiges Notfalltraining des Fachpersonals nach ERC-Leitlinien — mindestens alle 2 Jahre — ist verpflichtend und muss dokumentiert werden.
Software: Auswertungsalgorithmen, EBM-konforme Dokumentation, KIS-Anbindung
Die Auswertungssoftware entscheidet über die Praxistauglichkeit. Relevante Kriterien:
- ST-Analyse: Automatische Messung in allen 12 Ableitungen, Trenddarstellung
- Belastungsprotokolle: WHO, Ramp, Bruce, modifiziertes Bruce — mindestens 3 Standardprotokolle
- Dokumentation: Druckbericht mit allen Pflichtfeldern nach GOP 03321 EBM (Ausgangsbefund, Belastungsverlauf, Abbruchkriterien)
- KIS/PVS-Anbindung: GDT-Schnittstelle für die Praxissoftware
- CE-Kennzeichnung: Pflicht nach MDR 2017/745 für alle Softwaremodule mit diagnostischer Funktion (Klasse IIa)
Technische Kernparameter im Vergleich
| Parameter | Mindestanforderung | Empfehlung Praxis |
|---|---|---|
| Ableitkanäle | 12 simultan | 12 simultan |
| Abtastrate | 500 Hz | ≥ 1.000 Hz |
| Eingangsimpedanz | ≥ 10 MΩ | ≥ 10 MΩ |
| Störspannung | < 30 µV | < 10 µV |
| Schnittstellen | GDT | GDT + HL7 + USB |
| MDR-Zertifizierung | Klasse IIa | Klasse IIa |
Welche Hersteller und Modelle sind in deutschen Arztpraxen etabliert?
custo med, Schiller, GE, Cardioline
Der Markt wird in Deutschland von wenigen EKG-Geräte-Herstellern dominiert. custo med (Ottobrunn) ist mit der custo cardio-Serie besonders in internistischen und kardiologischen Praxen verbreitet — die Software custo diagnostic gilt als eine der meistgenutzten Ergometrielösungen im deutschsprachigen Raum. Schiller (Schweiz) bietet mit der Cardiovit AT-Serie robuste Stand-alone-Geräte mit bewährter ST-Analyse. GE Healthcare positioniert sich mit dem CardioSoft-System im höheren Preissegment mit umfangreichen Konnektivitätsoptionen. Cardioline und Amedtec sind weitere etablierte Hersteller mit wachsender Verbreitung in Deutschland.
| Hersteller | Modell (Auswahl) | Typ | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| custo med | custo cardio 200, EC 5000 smart | PC-basiert / Stand-alone | Weite Verbreitung, GDT-Integration |
| Schiller | Cardiovit AT-10 plus, AT-102 | Stand-alone | Robuste Hardware, kompaktes Design |
| GE Healthcare | CardioSoft V6.73 | PC-basiert | Breite Schnittstellenunterstützung |
| Cardioline | CubeStress HD | PC-basiert | Hohe EKG-Signalqualität |
| Amedtec | ECGpro | PC-basiert | Modular erweiterbar |
Gebrauchtgeräte: Worauf ist bei refurbished Belastungs-EKG-Geräten zu achten?
Gebraucht gekaufte Belastungs-EKG-Geräte sind eine legitime Option — unter klaren Bedingungen. Nach MDR 2017/745 gilt: Wer ein aufbereitetes Medizinprodukt in Verkehr bringt, übernimmt die Herstellerverantwortung. Kaufen Sie deshalb ausschließlich bei Händlern, die eine MDR-konforme Generalüberholung nachweisen und eine neue CE-Konformitätserklärung ausstellen.
Drei Prüfpunkte beim Gebrauchtkauf:
- Softwarestand: Ist die Ergometriesoftware noch herstellerseitig supportet und updatebar?
- Kalibrierungsnachweis: Liegt ein aktuelles Kalibrierprotokoll für EKG-Modul und Ergometer vor?
- Ersatzteilversorgung: Sind Verbrauchsmaterialien (Elektroden, Kabel, Papier) noch lieferbar?
Haftungsrisiko: Ein nicht MDR-konform aufbereitetes Gerät darf klinisch nicht eingesetzt werden. Bei Schadensfällen trägt der Praxisinhaber die volle Produkthaftung. Eine individuelle rechtliche Prüfung im Einzelfall ist empfehlenswert.
Was kostet ein Belastungs-EKG-Gerät — und wie finanzieren Praxen die Anschaffung?
Preisrahmen nach Geräteklasse
Die Investitionskosten variieren je nach Ausstattungsniveau erheblich. Die Preisangaben beziehen sich auf Neugeräte inkl. Software, ohne Ergometer (sofern separat angeboten):
| Geräteklasse | Typische Konfiguration | Preisrahmen (netto) |
|---|---|---|
| Einsteiger | PC-EKG-Modul + Basissoftware | 3.000 – 6.000 € |
| Mittelklasse | Stand-alone + 12-Kanal + GDT | 6.000 – 12.000 € |
| Professional | Vollsystem + Spiro-Option + HL7 | 12.000 – 25.000 € |
| Ergometer (separat) | Medizinischer Fahrradergometer | 2.000 – 5.000 € |
Abschreibung nach AfA-Tabelle, Leasing vs. Kauf
EKG-Geräte sind nach der AfA-Tabelle Gesundheitswesen (BMF, lfd. Nr. 25) mit einer Nutzungsdauer von 8 Jahren abzuschreiben (linearer AfA-Satz: 12,5 %). Bei Anschaffungskosten von 10.000 € ergibt das eine jährliche Abschreibung von 1.250 €.
Leasing ist eine Alternative, wenn Liquidität geschont werden soll — beim Operating Leasing handelt es sich um sofort abzugsfähige Betriebsausgaben. Achten Sie darauf, dass Leasingverträge für Medizinprodukte eine Wartungskomponente und eine MDR-konforme Übergabedokumentation einschließen.
Tipp: Bei Neugründung lässt sich die Anschaffung über das KfW-Programm 058 (ERP-Gründerkredit) zinsgünstig finanzieren. Die Kombination mit der Sonderabschreibung nach § 7g EStG kann die Nettoinvestition spürbar reduzieren. Hier erfahren Sie mehr über Förderprogramme für die Arztpraxis.
Abrechnung als Refinanzierungsgrundlage
Das Belastungs-EKG wird im GKV-Bereich nach GOP 03321 EBM mit 21,65 € vergütet (Hausärzte). Für Kardiologen gilt GOP 13251, für Rehabilitationsmediziner GOP 27321. Privatpatienten werden nach GOÄ-Nr. 652 abgerechnet (25,94 € bei 1,0-fachem Satz, über 2,3-fachen Satz hinaus steigerbar). Bei einer Praxisfrequenz von 4–6 Belastungs-EKGs pro Woche amortisiert sich ein Mittelklassegerät rechnerisch innerhalb von 3–4 Jahren.
FAQ: Häufige Fragen zum Kauf eines Belastungs-EKG-Geräts
Welche Mindestanforderungen gelten für das Belastungs-EKG laut DGK-Manual?
Das DGK-Manual Ergometrie fordert die simultane 12-Kanal-Ableitung, kalibrierte Wattsteuerung, kontinuierliche Blutdruckmessung und validierte ST-Analyse-Software. Abbruchkriterien müssen automatisch signalisiert und dokumentiert werden. Zusätzlich schreibt die Abrechnungsvoraussetzung nach GOP 03321 die Vorhaltung eines Defibrillators vor — das DGK-Manual ergänzt darüber hinaus vollständige Reanimationsausstattung inklusive O₂-Vorhaltung.
Ist eine MDR-Zertifizierung als Medizinprodukt beim Kauf Pflicht?
Ja. Ergometer, EKG-Modul und Auswertungssoftware müssen nach MDR 2017/745 als Medizinprodukte der Klasse IIa zertifiziert sein. Der Anbieter muss eine gültige CE-Konformitätserklärung und EUDAMED-Registrierung vorweisen. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, ist das Gerät in Deutschland für diagnostische Zwecke nicht zugelassen.
Wie lange ist die Nutzungsdauer eines Belastungs-EKG-Geräts steuerlich anzusetzen?
Laut AfA-Tabelle Gesundheitswesen (BMF, lfd. Nr. 25) beträgt die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer für EKG-Geräte 8 Jahre. Einzelne Verbrauchsmaterialien wie EKG-Kabel können als geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) unter 800 € netto nach § 6 Abs. 2 EStG im Anschaffungsjahr sofort abgeschrieben werden. Steuerliche Einzelfragen klären Sie mit Ihrer Steuerberatung.
