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Abstract – Fraktursonographie: Indikationen, Technik & Abrechnung
- Fraktursonographie ersetzt das Röntgen leitliniengerecht bei definierten Lokalisationen (S2e-Leitlinie AWMF 085-003l, Stand 02/2023): Bei Rippenfrakturen erreicht sie eine Sensitivität von 97 %, bei distalen Unterarmfrakturen und Schädelkalottenfrakturen bei Kindern gilt Empfehlungsgrad A — ohne ionisierende Strahlung und mit geringerer Schmerzbelastung als die Röntgendiagnostik.
- Seit Oktober 2024 ist die Fraktursonographie bei Kindern bis 12 Jahre mit Verdacht auf Fraktur langer Röhrenknochen der oberen Extremität über die neue EBM-GOP 33053 (103 Punkte, 12,77 €) extrabudgetär abrechnungsfähig; für alle übrigen Indikationen gilt weiterhin GOP 33050, für Privatpatienten GOÄ-Ziffer 410 analog (2,3-fach: 26,82 €), für BG-Patienten UV-GOÄ Ziffer 410 mit D-Arzt-Voraussetzung.
- Voraussetzung für die KV-Genehmigung zur GOP 33053 ist die Facharztanerkennung in einem der berechtigten Gebiete (Allgemeinmedizin, Radiologie, Kinder- und Jugendmedizin, Orthopädie, Chirurgie) sowie eine strukturierte Fortbildung von mindestens 6 Stunden; bis zur Anpassung der Qualitätssicherungsvereinbarung Ultraschalldiagnostik erteilen die KVen befristete Genehmigungen.
- Die Methode ist nicht geeignet für pathologische Frakturen, Polytrauma, Schaftfrakturen bei Kindern oder gelenknahe Frakturen mit intraartikulärer Beteiligung — in diesen Fällen bleibt Röntgen oder Schnittbilddiagnostik obligat; die diagnostische Genauigkeit ist stark untersucherabhängig (Expertise als entscheidender Einflussfaktor, Khan et al. 2023).
Inhaltsverzeichnis
Physikalische Grundlagen der Fraktursonographie
Schallverhalten an der Kortikalis
Knochen verhält sich gegenüber Ultraschall grundlegend anders als Weichgewebe. Die Kortikalis stellt eine ausgeprägte akustische Impedanzsprungstelle dar: Nahezu die gesamte Schallenergie wird an der Knochenoberfläche reflektiert, der dahinterliegende Knochen bleibt sonographisch nicht darstellbar. Dieses physikalische Prinzip macht die Kortikaliskontur zum zentralen Beurteilungsobjekt der Fraktursonographie.
Eine intakte Kortikalis imponiert als glatte, durchgehende Hyperechogenität mit dorsalem Schallschatten. Eine Fraktur unterbricht diese Linie — erkennbar als Kortikalisunterbrechung, Stufenbildung oder Knick mit umgebender Hämatom-Echogenität. Studien zeigen, dass hochfrequente Lineartransducer Kortikallücken bis hinunter zu 0,23 mm detektieren können — Frakturgrade, die im konventionellen Röntgen regelhaft übersehen werden (Quelle: Khan et al., Journal of Diagnostic Medical Sonography, 2023).
Wichtig für den an die Röntgendiagnostik gewöhnten Arzt: Die Ultraschallbildgebung stellt stets nur die kortikale Knochenoberfläche dar und kann intraossäre Prozesse (Zyste, Tumor, Osteitis) nicht sicher nachweisen. Pathologische Frakturen sind sonographisch nicht sicher diagnostizierbar — bei entsprechendem Verdacht ist immer zusätzliche Bildgebung obligat (S2e-Leitlinie, Abschnitt 2.1).
Abgrenzung zur konventionellen Weichteilsonographie
Fraktursonographie ist eine eigenständige Untersuchungstechnik. Während die Weichteilsonographie primär auf Parenchym, Gefäße und Muskulatur abzielt, fokussiert die Fraktursonographie auf die Kortikalisoberfläche als Zielstruktur. Schallkopfwahl, Eindringtiefe und Beurteilungskriterien unterscheiden sich entsprechend. Die Untersuchung der Röhrenknochen sollte aus mindestens drei, wenn möglich vier Richtungen erfolgen, um alle Aspekte der Verletzung sicher zu erfassen.
Ein wesentlicher Vorteil: Weichteilprozesse wie Hämatome oder Gelenkergüsse können im gleichen Untersuchungsgang sicher und bei angepasster Technik schmerzarm nachgewiesen werden. Die Literatur belegt zudem, dass die Schmerzen bei korrekt indizierter und durchgeführter Fraktursonographie im Durchschnitt geringer sind als bei der Röntgendiagnostik — eine spezielle Lagerung ist in vielen Fällen nicht notwendig, weil die verletzte Extremität mit dem Schallkopf umfahren werden kann (Chaar-Alvarez 2011, Poonai et al. 2017).
Evidenzlage nach S2e-Leitlinie
Die S2e-Leitlinie der AWMF klassifiziert die Fraktursonographie für definierte Lokalisationen als diagnostisch gleichwertig oder überlegen gegenüber dem digitalen Röntgen. Die Leitlinie stellt dabei ausdrücklich klar: Die Fraktursonographie ist nicht geeignet, die Röntgendiagnostik komplett zu ersetzen, sondern ergänzt sie bei definierten Indikationen und vermeidet überflüssige Aufnahmen mit potenziell gesundheitsgefährdenden ionisierenden Röntgenstrahlen.
Geräteanforderungen und Schallkopfwahl
Mindestanforderungen nach S2e-Leitlinie
Die S2e-Leitlinie definiert als Mindestvoraussetzung: Das verwendete Ultraschallgerät muss mindestens ein Mittelklassegerät sein und über einen hochfrequenten Linearschallkopf verfügen. Curved-Array-Schallköpfe sind für die Fraktursonographie nicht geeignet.
Für die meisten Indikationen ist ein Linearschallkopf ab 12 MHz ausreichend. Für die Untersuchung von Stressfrakturen und oberflächennahen Strukturen empfiehlt die Leitlinie explizit mindestens 12 MHz, besser 16–18 MHz. Bei tieferliegenden Strukturen oder adipösen Patienten sind niedrigere Frequenzen mit entsprechend größerer Eindringtiefe erforderlich. Eine höhere Transducer-Frequenz verbessert die axiale Auflösung signifikant — 15-MHz-Transducer ermöglichten in der Studie von Khan et al. die Detektion von Kortikallücken bis 0,23 mm; in Studien mit 5-MHz-Transducer wurden dagegen zwei Frakturen sonographisch nicht erfasst.
Tipp: Die weite Verbreitung von Ultraschallgeräten in Praxis und Klinik macht in vielen Fällen zusätzliche Investitionen überflüssig — sofern ein hochfrequenter Linearschallkopf verfügbar ist. Gerätetyp (Konsole, Laptop-System, Handheld) ist zweitrangig; entscheidend ist die Schallkopfqualität.
Geräteeinstellungen
Stellen Sie die Fokuszone auf die Kortikalisoberfläche ein — nicht auf das Weichgewebe. Reduzieren Sie den Gain soweit, dass das dorsale Schallschatten-Artefakt klar abgrenzbar bleibt. Compound-Imaging und Harmonics verbessern die Konturdarstellung, können aber feine Diskontinuitäten glätten — kritische Strukturen daher stets im B-Bild ohne Nachverarbeitung zusätzlich beurteilen.
Untersuchungstechnik: standardisierter Untersuchungsgang
Lagerung und Schallkopfführung
Lagern Sie die zu untersuchende Extremität stabil und möglichst entspannt. Der Schallkopf wird mit leichtem Druck und ausreichend Gel geführt — ein festes Aufdrücken ist nicht notwendig und verursacht vermeidbare Schmerzen. Ausreichend Ultraschallgel wirkt zudem kühlend und damit schmerzlindernd.
Obligat ist die Untersuchung in zwei Ebenen: longitudinal (parallel zur Knochenachse) und transversal (quer). Nur die Kombination beider Schnittebenen erlaubt die sichere Differenzierung einer Kortikalisunterbrechung von einem Gefäß-Shadowing oder einer Wachstumsfuge. Bei der Untersuchung langer Röhrenknochen sollten anterior, posterior, medial und lateral erfasst werden; bei zwei benachbarten Knochen (z. B. Radius/Ulna) zusätzlich mediale und laterale Schrägprojektionen.
Sonomorphologische Zeichen der Fraktur
- Kortikalisunterbrechung (Kortikallücke): Diskontinuität der echoreichen Kortikalislinie — pathognomonisches Hauptzeichen; detektierbar ab 0,23 mm bei hochfrequenten Transducern
- Kortikale Ausbeulung (Cortical bulging): Hinweis auf Wulstfraktur, insbesondere im Kindesalter
- Stufenbildung / Deviation: Hinweis auf dislozierte Fraktur
- Doppellinienzeichen (Double-line sign): Verdacht auf Fraktur des proximalen Humerus
- Subperiostales / perifraktionäres Hämatom: Echoarme Raumforderung perikortikal, in den ersten Stunden oft bereits nachweisbar
- Periostale Reaktion: Nach 48–72 Stunden sichtbar; Konsolidierungszeichen
- Avulsionsfragmente: Echoreiche Fragmente perikortikal
Tipp: Bei klinisch eindeutigem Frakturverdacht und negativem Befund in der Erstuntersuchung empfiehlt die S2e-Leitlinie eine Kontrollsonographie nach 3–5 Tagen — periostale Reaktion und Kallusfrühzeichen erhöhen die Sensitivität deutlich.
Pitfalls: Fehlinterpretationen vermeiden
Wachstumsfugen sind der häufigste Fallstrick in der Pädiatrie und der meistgenannte Fehler in der Literatur. Sie imponieren als echoreiche Linie mit dorsalem Schallschatten — identisch zur Kortikalisunterbrechung. Entscheidend ist die Kenntnis der alters- und lokalisationsabhängigen Fugengeographie sowie die zweite Schnittebene. Wer Kinder behandelt, muss mit den Lokalisationen sämtlicher Wachstumsfugen in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen vertraut sein (S2e-Leitlinie, Abschnitt 10).
Gefäß-Shadowing durch epikortikale Venen kann eine Kortikalisunterbrechung imitieren — Farbdoppler-Kontrolle klärt in Sekunden. Überlagerungsartefakte durch Sehnen oder Bänder erfordern eine gezielte Schallkopfangulation.
Indikationen: Wann ist Fraktursonographie leitliniengerecht?
Primärindikationen nach S2e-Leitlinie
Die S2e-Leitlinie benennt folgende Lokalisationen mit Empfehlungsgraden:
| Lokalisation | Empfehlungsgrad (S2e) | Sensitivität | Spezifität |
| Schädelkalotte (bis 18 J.) | A (stark) | 91 % | 96 % |
| Rippen (Erwachsene) | A (stark) | 97 % | 94 % |
| Distaler Unterarm (bis 12 J.) | A (stark) | Hoch (8 Meta-Analysen) | Hoch |
| Klavikula (Kinder) | B | 91 % | 93 % |
| Metatarsalia (ab 14 J.) | B | 80–97 % | 76–100 % |
| Distorsionstrauma Sprunggelenk | B | 83–100 % | 90–100 % |
Haftungsrisiko: Die alleinige Fraktursonographie ersetzt das Röntgen nur an leitlinienkonform validierten Lokalisationen. Liegen keine ausreichende Expertise, keine ausreichenden Kapazitäten oder keine geeigneten Geräte vor, wird es ausdrücklich nicht als Fehler angesehen, primär Röntgenaufnahmen anzufertigen (S2e-Leitlinie, Abschnitt 2.1). In diesen Fällen stellt der Einsatz von Röntgenstrahlen keine Körperverletzung dar.
Schädelkalottenfraktur
Bei Patienten bis 18 Jahre mit Verdacht auf Schädelkalottenfraktur ohne klinische Symptome, die eine CT- oder MRT-Untersuchung indizieren würden, soll die Sonographie als Primärdiagnostik eingesetzt werden. Der negative prädiktive Wert beträgt 97 % — bei negativem Befund und klinisch unauffälligem Verlauf können unnötige CT-Untersuchungen vermieden werden. Bei neurologischer Symptomatik bleibt die Schnittbilddiagnostik primär indiziert. Bei Verdacht auf Kindesmisshandlung sind aus forensischen Gründen Röntgenaufnahmen anzufertigen.
Pädiatrische Schwerpunktindikationen
Der Schwerpunkt der Fraktursonographie liegt leitliniengemäß im Wachstumsalter. Die meisten Frakturen entstehen an den Metaphysen, die der Sonographie gut zugänglich sind. Die selteneren Schaftfrakturen werden generell operativ versorgt — hier ist das Röntgen vorzuziehen, da Frakturausdehnung und inkomplette Biegungskeile sonographisch nicht ausreichend darstellbar sind (Kraus, Wessel 2010).
Ellenbogenfrakturen (bis 12 Jahre, Empfehlungsgrad A): Die Sonographie dient hier als First-Line-Diagnostik — nicht zur direkten Frakturklassifikation, sondern zum qualitativen Nachweis eines Gelenkergusses (Fat-Pad-Zeichen). Sonographisch stellt sich ein Gelenkerguss durch eine konvexe Anhebung der Gelenkkapsel dar; beim Normalbefund setzt sich die Gelenkkapsel als gerade Linie aus der distalen Humerusdiaphyse fort. Bei positivem Befund erfolgt obligat eine Röntgendiagnostik — nur diese erlaubt eine korrekte Frakturklassifikation und Therapieplanung. Bei fehlendem Gelenkerguss ist eine Fraktur unwahrscheinlich; bei persistierenden Schmerzen soll nach 5 Tagen eine Röntgenuntersuchung erfolgen.
Distaler Unterarm (bis 12 Jahre, Empfehlungsgrad A): Der Wrist-SAFE-Algorithmus (Ackermann et al. 2019) — sechs Längsschnitte nach standardisiertem Schema — wurde in einer internationalen Multicenterstudie mit 496 Patienten (SOKRAT II) evaluiert. Bei keinem Patienten führte die Röntgendiagnostik zu einer Therapieänderung gegenüber dem Sonographiebefund. Ab dem 13. Lebensjahr schließen sich die Wachstumsfugen — dann können intraartikuläre Frakturen auftreten, die sonographisch nicht sicher erfasst werden; die alleinige Fraktursonographie ist nicht mehr ausreichend.
Proximaler Humerus (bis 12 Jahre, Empfehlungsgrad B): Untersuchung nach Shoulder-SAFE-Algorithmus (4 Längsschnitte). Bei sonographisch nachgewiesener Fraktur muss ein Röntgenbild zum Ausschluss einer pathologischen Fraktur erfolgen (Empfehlungsgrad A). Bei unauffälliger Sonographie kann zunächst abgewartet werden; bei persistierenden Beschwerden soll nach 5 Tagen eine Röntgendiagnostik erfolgen.
Grenzen der Methode
Die Fraktursonographie ist nicht geeignet für:
- Spongiöse Frakturen (Wirbelkörper, Kalkaneus, Talus) — fehlende Kortikalis als Zielstruktur
- Wirbelsäulenfrakturen — sonographisch nicht beurteilbar
- Pathologische Frakturen — sonographisch nicht sicher erkennbar, Röntgen immer obligat
- Polytrauma — zügige Schnittbilddiagnostik hat Vorrang; Fraktursonographie darf keine Zeitverzögerung verursachen
- Gelenknahe Frakturen mit intraartikulärer Beteiligung (Ausnahme: Ergussnachweis als indirektes Zeichen)
- Schaftfrakturen bei Kindern — operative Versorgung regelhaft, Röntgen vorzuziehen
Fraktursonographie vs. Röntgendiagnostik: klinische Entscheidungshilfe
Diagnostische Gütekriterien im Vergleich
Für die leitlinienkonformen Indikationen zeigt die Fraktursonographie eine klinisch relevante diagnostische Überlegenheit. Bei Rippenfrakturen: Sensitivität 97 % (Sonographie) vs. 77 % (Röntgen), Spezifität 94 % vs. 100 % (Yousefifard 2016, Evidenzgrad 1++). Bei Klavikulafrakturen im Kindesalter liegt die Sensitivität der Sonographie mit 91 % über der des Röntgens mit 77 % (Yousefifard et al. 2016).
Auch bei langen Röhrenknochen belegt die Primärliteratur eine hohe diagnostische Güte: In der Studie von Khan et al. (2023, n = 251 Verdachtsfrakturen, 188 Patienten, Notaufnahme-Setting) erreichte die Sonographie eine Sensitivität von 100 % (95%-KI: 97,66–100) und eine Gesamtgenauigkeit von 91,23 %. Die Spezifität lag bei 76,84 % — erklärbar durch die inverse Beziehung zwischen Sensitivität und Spezifität sowie durch 22 sonographisch positive Fälle, die röntgenologisch nicht nachweisbar waren. CT-Kontrollen an einem dieser Fälle bestätigten die Fraktur sonographisch. Wichtige Limitation der Studie: Als Referenzstandard diente Röntgen, nicht CT; die Ergebnisse sind daher nicht uneingeschränkt generalisierbar.
Der entscheidende Einflussfaktor auf die diagnostische Genauigkeit ist laut Khan et al. (2023) die Expertise des Untersuchers — ein erfahrener Arzt erzielte Sensitivitätswerte von 100 %, während weniger qualifizierte Untersucher in anderen Studien deutlich schlechtere Ergebnisse zeigten.
Strahlenschutz als klinisches Argument
Das ALARA-Prinzip («as low as reasonably achievable») verpflichtet dazu, bei gleicher Sicherheit und Effizienz Röntgenstrahlung einzusparen. Kinder sind etwa zehnmal strahlensensibler als Erwachsene — kumulative Dosen durch Verlaufskontrollen summieren sich. In Deutschland wurden allein 2014 rund 40 Millionen Extremitätenaufnahmen durchgeführt; in 82,8 % der bei Kindern angefertigten Aufnahmen wegen Frakturverdachts fand sich kein Frakturnachweis.
Die Fraktursonographie erlaubt die strahlenfreie Verlaufskontrolle — Kallusbildung, Achsstellung und Konsolidierung sind sonographisch zuverlässig beurteilbar. Ultraschall kann Kallus bereits nach drei Wochen in 97 % nachweisen, Röntgen nur in 42 % (Akinmade 2018).
Wann bleibt Röntgen obligat?
- Gelenkbeteiligung oder intraartikuläre Fraktur nicht ausschließbar
- Operative Versorgung geplant — präoperative Bildgebung nach chirurgischem Standard
- Hochrasanztrauma / Polytrauma
- Sonographisch unklarer Befund trotz adäquater Technik
- Verdacht auf pathologische Fraktur
- Schaftfrakturen langer Röhrenknochen bei Kindern
Abrechnung der Fraktursonographie: EBM, GOÄ und UV-GOÄ
Neue EBM-Ziffer 33053: Fraktursonographie bei Kindern ab Oktober 2024
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Fraktursonographie bei Kindern mit Verdacht auf Fraktur langer Röhrenknochen der oberen Extremität in die MVV-Richtlinie aufgenommen. Der Bewertungsausschuss hat dafür die neue GOP 33053 in den EBM aufgenommen, die seit Oktober 2024 abrechnungsfähig ist.
| EBM-GOP | Leistungsinhalt | Punkte | Vergütung |
| 33053 | Fraktursonographie lange Röhrenknochen obere Extremität, Kinder bis 12 J. | 103 | 12,77 € |
Die GOP 33053 wird extrabudgetär vergütet — sie fällt damit nicht in das Regelleistungsvolumen (RLV) und belastet das Praxisbudget nicht. Die Leistung ist abrechenbar bei Neugeborenen, Säuglingen, Kleinkindern und Kindern bis zum vollendeten 12. Lebensjahr mit Verdacht auf Fraktur eines langen Röhrenknochens der oberen Extremitäten.
Abrechnungsausschlüsse: Die GOP 33053 ist am selben Behandlungstag nicht neben GOP 33050 und nicht neben radiologischen Extremitätenaufnahmen (GOP 34233) berechnungsfähig. Sie ist zudem nicht ansetzbar für die sonographische Stellungskontrolle nach einer konservativ behandelten Fraktur — in diesem Fall bleibt GOP 33050 die korrekte Abrechnungsgrundlage.
Abrechnungsberechtigt sind Fachärzte für: Allgemeinmedizin, Innere, Radiologie, Kinder- und Jugendmedizin, Orthopädie sowie Fachärzte des Gebiets Chirurgie (einschließlich Orthopädie und Unfallchirurgie gemäß (M-)WBO 2018) — jeweils mit KV-Genehmigung.
Abrechnung: Bis zur Anpassung der Qualitätssicherungsvereinbarung Ultraschalldiagnostik können die KVen befristete Genehmigungsbescheide unter Bezugnahme auf die Vorgaben in der MVV-Richtlinie erteilen. Stellen Sie den Antrag frühzeitig — die Übergangsregelung gilt nur bis zur Neufassung der QS-Vereinbarung.
GKV-Abrechnung nach EBM: GOP 33050 für übrige Indikationen
Für alle Fraktursonographie-Indikationen außerhalb der spezifischen Kinderindikation (GOP 33053) bleibt die GOP 33050 (Sonographie des Bewegungsapparates) die Abrechnungsgrundlage.
| EBM-GOP | Leistungsinhalt | Punkte | Vergütung (ca.) |
| 33050 | Sonographie Bewegungsapparat, je Sitzung | 183 | 6,50 € |
| 33051 | Zuschlag bei zusätzlicher Untersuchung | 100 | 3,55 € |
GOP 33050 fällt in das RLV und setzt die KV-Genehmigung nach Ultraschall-Vereinbarung (Anlage 3 BMV-Ä) voraus. Ohne Genehmigung droht Honorarrückforderung.
Privatärztliche Abrechnung nach GOÄ
Im privatärztlichen Bereich wird die Fraktursonographie nach GOÄ-Ziffer 410 abgerechnet. Der einfache Gebührensatz beträgt 11,66 €, bei 2,3-fachem Steigerungssatz 26,82 €. Für die Fraktursonographie existiert keine spezifische GOÄ-Ziffer — die analoge Anwendung der Ziffer 410 ist etabliert und vom BÄK-Kommentar gedeckt. Dokumentieren Sie in der Rechnung: „entsprechend GOÄ § 6 Abs. 2 analog Ziffer 410″.
| GOÄ-Ziffer | Leistungsinhalt | Einfachsatz | 2,3-fach |
| 410 | Ultraschall eines Organs / einer Region | 11,66 € | 26,82 € |
| 420 | Ultraschall von bis zu drei weiteren Organen im Anschluss an Nr. 410–418, je Organ | 4,66 € | 10,72 € |
| 401 | Zuschlag Duplex-Verfahren, ggf. einschl. Farbkodierung (nur Einfachsatz) | 23,32 € | — |
Bei Untersuchung mehrerer Körperregionen in einer Sitzung ist Ziffer 410 je Region berechnungsfähig — mit klarer Benennung jeder Region im Befundbericht.
UV-GOÄ: Besonderheiten bei Arbeitsunfallpatienten
Bei Arbeitsunfall- und Berufskrankheitspatienten gilt die UV-GOÄ (DGUV). Die Abrechnung erfolgt ebenfalls nach Ziffer 410 UV-GOÄ, jedoch mit abweichenden Punktwerten. Voraussetzung ist die D-Arzt-Zulassung oder die Beauftragung durch den D-Arzt — Leistungen ohne D-Arzt-Beteiligung sind gegenüber der BG nicht abrechenbar.
| UV-GOÄ-Ziffer | Leistungsinhalt | Vergütung |
| 410 | Ultraschall einer Region | ca. 14,00–18,00 € (je Vertrag) |
| 410a | Zuschlag Seitenvergleich | nach regionalem BG-Vertrag |
Befundung und Dokumentation nach DEGUM-Standard
Pflichtangaben im Befundbericht
Aus dem Ultraschallbild allein sind Untersuchungsregion und -ebene nicht sicher ersichtlich. Die S2e-Leitlinie (Abschnitt 2.1) fordert zwingend folgende Angaben in der Dokumentation:
- Patientenidentifikation, Seite, genaue Lokalisation
- Schallkopftyp und Frequenz (z. B. „Linearschallkopf 12 MHz“)
- Untersuchungsebene (longitudinal / transversal)
- Befund der Kortikaliskontur: intakt / unterbrochen / Stufenbildung / Deviation
- Periartikuläre / periostale Befunde: Hämatom, periostale Reaktion, Gelenkerguss
- Diagnose oder Verdachtsdiagnose mit ICD-10-Code
- Empfehlung zum weiteren Vorgehen (Röntgen, Verlaufskontrolle, Ruhigstellung)
Die Leitlinienkommission empfiehlt ausdrücklich, nach einem definierten Standard-Untersuchungsgang vorzugehen (Wrist-SAFE, Elbow-SAFE, Shoulder-SAFE), um den Dokumentationsaufwand gering zu halten.
Fotodokumentation und Bildarchivierung
In der Regel ist keine Videoaufnahme des dynamischen Untersuchungsgangs erforderlich, sofern alle geforderten Schnitte im Standbild dokumentiert sind (Ackermann et al. 2019). Die DEGUM empfiehlt mindestens zwei repräsentative Standbilder je Untersuchungsregion — je einen in Longitudinal- und Transversalschnitt. Bei pathologischem Befund zusätzlich Bilder mit und ohne Messcursor. Bildarchivierung im PACS, Aufbewahrungsfristen nach Landesrecht (in der Regel 10 Jahre).
Kurse und Weiterbildung: Qualifikationsnachweis in der Fraktursonographie
Qualifikationsanforderungen nach MVV-Richtlinie (G-BA-Beschluss Oktober 2024)
Für die neue GOP 33053 (Fraktursonographie bei Kindern) hat der G-BA die Qualitätssicherungsanforderungen im Beschluss vom Oktober 2024 festgelegt:
- Facharztanerkennung in einem der berechtigten Gebiete (Allgemeinmedizin, Radiologie, Kinder- und Jugendmedizin, Orthopädie, Chirurgie einschl. Orthopädie und Unfallchirurgie)
- Nachgewiesene Kenntnisse und Erfahrungen in der Durchführung und Befundung der Sonographie von Frakturen langer Röhrenknochen der oberen Extremitäten
- Strukturierte Fortbildung über mindestens 8 Stunden — alternativ zum Erfahrungsnachweis
- KV-Genehmigung nach Qualitätssicherungsvereinbarung Ultraschalldiagnostik
Die konkreten Anforderungen an Gerät, Untersuchungszahlen und Kursformate werden in der Qualitätssicherungsvereinbarung Ultraschalldiagnostik festgelegt, die derzeit noch angepasst wird. Bis dahin erteilen die KVen befristete Genehmigungsbescheide auf Basis der MVV-Richtlinien-Vorgaben.
DEGUM-Ausbildungsstruktur
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) strukturiert die Weiterbildung im Bereich Bewegungsapparat-Sonographie in drei Stufen:
| DEGUM-Stufe | Voraussetzungen | Schwerpunkt |
| Stufe I | Kurs (mind. 16 Std.), 400 dokumentierte Untersuchungen | Grundkenntnisse, Standardindikationen |
| Stufe II | Stufe I + Aufbaukurs + 1.000 Untersuchungen, Fallvorstellung | Erweiterte Diagnostik, Lehrtätigkeit |
| Stufe III | Stufe II + Gutachtertätigkeit / Publikationen | Referenzzentrumsstatus, Ausbildung |
Die S2e-Leitlinie betont: Ausbildung und Erfahrung sind für die sachgerechte Anwendung zwingend erforderlich und können durch spezialisierte Kurse, Hospitationen und praktische Tätigkeit erworben werden. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, ist es ausdrücklich kein Fehler, auf die Röntgendiagnostik zurückzugreifen.
Kursformate und Mindestanforderung
Für die GOP 33053 ist eine strukturierte Fortbildung von mindestens 8 Unterrichtsstunden à 45 Minuten als Qualifikationsnachweis erforderlich. Die Anforderung wurde mit Anpassung der QS-Vereinbarung Ultraschalldiagnostik (November 2025) von zunächst 6 auf 8 Stunden angehoben — damit liegt die Hürde weiterhin deutlich unter der DEGUM-Stufe I (16 Stunden).
- Grundkurse Bewegungsapparat (16 Std.): Theorie + Hands-on-Training, obligate Kasuistiken
- Spezialkurse Fraktursonographie (4–8 Std.): Fokus auf Kortikalisdiagnostik, Pädiatrie, Pitfalls
- Online-Lernmodule: Für Theorieinhalte geeignet, ersetzen nicht das vorgeschriebene Hands-on-Training
Tipp: Für die befristete KV-Genehmigung nach Übergangsregelung reicht ein 6-stündiger zertifizierter Kurs mit Nachweis über Kenntnisse in der Fraktursonographie der oberen Extremität. DEGUM-zertifizierte Kurse finden Sie unter degum.de.
Qualifikationsnachweis für weitere Abrechnungsgrundlagen
Für die KV-Genehmigung nach Ultraschall-Vereinbarung (Anlage 3 BMV-Ä, GOP 33050) sind zusätzlich nachzuweisen:
- DEGUM-Kursnachweis Bewegungsapparat Stufe I oder gleichwertiger Kurs (16 Std.)
- Dokumentationsnachweis von mindestens 400 Untersuchungen
- Gerätetechnischer Nachweis: Gerätetyp, Frequenzbereich, Linearschallkopf
Für die UV-GOÄ (BG-Patienten) ist der D-Arzt-Status Voraussetzung; der Antrag wird beim zuständigen DGUV-Landesverband gestellt.
FAQ: Häufige Fragen zur Fraktursonographie
Ab welchem Alter ist Fraktursonographie bei Kindern der Röntgendiagnostik vorzuziehen?
Die S2e-Leitlinie empfiehlt die Fraktursonographie als Primärdiagnostik grundsätzlich vom Neugeborenenalter bis zum Wachstumsabschluss. Die Altersgrenze von 12 Jahren gilt als Richtwert für die meisten Lokalisationen (distaler Unterarm, Ellenbogen, proximaler Humerus) — und entspricht dem Geltungsbereich der neuen EBM-GOP 33053. Ab dem 13. Lebensjahr beginnen Wachstumsfugen sich zu schließen; intraartikuläre Frakturen werden möglich, die sonographisch nicht sicher erfasst werden. Der genaue Zeitpunkt ist altersabhängig und variiert nach Geschlecht, Herkunft und endokrinologischer Entwicklung.
Wie zuverlässig ist die Fraktursonographie bei okkulten Frakturen?
Das konventionelle Röntgen ist bei Stressfrakturen nur in 15–50 % der Fälle positiv. Sonographisch sind Frühzeichen (Kortikalisunterbrechung, Periostverdickung, Kortikalisreaktion, Auslöschen von Reverberationsartefakten) erkennbar und können die Indikation zur MRT (Goldstandard) absichern oder entbehrlich machen. Bei langen Röhrenknochen zeigte Khan et al. (2023), dass Sonographie Kortikallücken bis 0,23 mm detektiert und dabei 22 Frakturen nachwies, die röntgenologisch nicht sichtbar waren.
Was sind die Qualifikationsvoraussetzungen für die neue GOP 33053?
Für die neue GOP 33053 genügt neben der Facharztanerkennung im berechtigten Gebiet eine nachgewiesene strukturierte Fortbildung von mindestens 6 Stunden sowie eine KV-Genehmigung. Bis zur Anpassung der Qualitätssicherungsvereinbarung Ultraschalldiagnostik erteilen die KVen befristete Genehmigungen auf Basis der MVV-Richtlinie. Aktuelle Kursangebote und Antragsunterlagen finden Sie bei Ihrer zuständigen KV und unter degum.de.
Welches Ultraschallgerät eignet sich am besten für die Orthopädie und Frakturdiagnostik?
Für die Fraktursonographie sind Linearschallköpfe im Frequenzbereich 7–18 MHz entscheidend — nicht das orthopädische Ultraschallgerät. Konsolengeräte, mobile Ultraschallgeräte (Laptop- oder Handheld-Geräte) sind gleichermaßen geeignet, sofern sie Hochfrequenz-Linearsonden unterstützen und eine ausreichende axiale Auflösung zur Darstellung von Kortikalisunterbrechungen im Submillimeterbereich bieten.
Die Frequenzwahl richtet sich nach Lokalisation und Patientenkollektiv: Für oberflächennahe Strukturen wie Metatarsalia, Klavikula oder Unterarmschaft bei Kindern sind 12–18 MHz zu bevorzugen. Bei tiefer liegenden Strukturen — proximaler Femur, adipöse Patienten — sind 7–9 MHz erforderlich; höhere Frequenzen hätten dort keine ausreichende Eindringtiefe.
Handheld-Geräte wie Butterfly iQ3 oder Philips Lumify sind in Notaufnahme und Präklinik etabliert, haben jedoch gegenüber stationären Hochfrequenzsystemen eine eingeschränkte axiale Auflösung. Für die elektive Frakturdiagnostik — insbesondere bei der Beurteilung feiner Kortikalisunterbrechungen oder pädiatrischer Wachstumsfugen — sind dedizierte Konsolen-Ultraschallgeräte mit hochauflösenden Linearsonden die zuverlässigere Wahl.
