Anaboard von Antelope Systems: Tablet für digitale Anamnese und Aufklärung

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Abstract – Anaboard von Antelope Systems im Überblick

  • Anaboard ist eine Tablet-Lösung der Antelope Systems GmbH & Co. KG (Düsseldorf) für digitale Anamnese, Patientenaufnahme und Patientenaufklärung in Arztpraxen und MVZ. Die erfassten Daten gehen per bidirektionaler Schnittstelle (HL7/FHIR, GDT, VDDS, REST) in das Praxisverwaltungssystem, darunter CGM- und medatixx-Systeme, T2med und Tomedo.
  • Die digitale Patientenaufklärung arbeitet laut Hersteller mit fortgeschrittener elektronischer Signatur (FES) nach Art. 26 eIDAS, Zeitstempeln und PDF/A-Archivierung. Sie ergänzt das nach § 630e Abs. 2 BGB vorgeschriebene mündliche Aufklärungsgespräch, ersetzt es aber nicht.
  • Die Patientendaten liegen auf dem Praxisserver und werden nach der Übertragung vom Tablet gelöscht. Das Online-Portal für die Anamnese von zu Hause hostet Antelope Systems im eigenen Rechenzentrum, was einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO erfordert.
  • Für Hausarztpraxen ist Anaboard als DETE-Software für die digitale HZV-Einschreibung von der HÄVG zugelassen (Q4-2026). Preise veröffentlicht der Hersteller nicht; eine belastbare Kalkulation erfordert ein Angebot mit getrennt ausgewiesenen Kosten für Hardware, Lizenz, Formulare und PVS-Schnittstelle.

Inhaltsverzeichnis

Antelope Systems: Wer steht hinter Anaboard?

Antelope Systems entwickelt und vertreibt Anaboard als eigenes Softwareprodukt für Arztpraxen und Kliniken. Das Unternehmen firmiert als Antelope Systems GmbH & Co. KG mit Sitz in Düsseldorf. Für Praxisinhaber heißt das: Hersteller, Support und Datenhaltung des Online-Portals liegen bei einem deutschen Anbieter.

Steckbrief

Unternehmensname (offiziell)
Antelope Systems GmbH & Co. KG
Website
anaboard.de (Produkt), antelope-systems.de (Unternehmen)
Gründungsjahr
2012
Hauptsitz
Heerdter Landstraße 193, 40549 Düsseldorf
Rechtsform / Register
GmbH & Co. KG, Amtsgericht Düsseldorf, HRA 25565
Beteiligungsstruktur
Komplementärin: Antelope Systems Management GmbH, Düsseldorf (HRB 68087)
Geschäftsführung
Dipl.-Inform. Mark Ludwig, Bianca Jessica Bohne (geschäftsführende Gesellschafter), Stand 2026
Produkt- und Markennamen
AnaBoard®, AnaBoard® Online-Portal, DETE-Modul (HZV-Einschreibung); Kooperation mit Doq Copilot (KI-Dokumentation)
Zulassungen
HÄVG-zugelassene DETE-Software (Q4-2026)

Angaben zu Mitarbeiterzahl und Umsatz veröffentlicht Antelope Systems nicht.

Antelope Systems Logo
Antelope Systems: Der Anbieter von AnaBoard.

Anaboard als Kernprodukt im Portfolio von Antelope Systems

Anaboard ist das Kernprodukt des Unternehmens. Der Hersteller beschreibt das AnaBoard® als spezielles Tablet zur papierlosen Patientenaufklärung. Es bildet die Dokumentation bis zur rechtskonformen digitalen Unterschrift elektronisch ab. Inzwischen deckt das System Anamnese, Patientenaufnahme und Aufklärung gemeinsam ab.

Zusätzlich kooperiert Antelope Systems im Bereich KI-Dokumentation. Partner ist Doq Copilot, ein KI-gestützter Dokumentationsassistent. Er überführt das Arzt-Patienten-Gespräch in strukturierte Berichte. Dieses Angebot ergänzt Anaboard, gehört aber nicht zum Kernprodukt.

Was ist das Anaboard Tablet?

Das Anaboard Tablet ist das Erfassungsgerät, auf dem Patienten Formulare ausfüllen und unterschreiben. Antelope Systems vermarktet Anaboard als Paket aus Tablet, Software und Support. Die Software läuft nicht isoliert auf dem Gerät. Sie arbeitet mit einer Serverkomponente in der Praxis zusammen, die die Daten an das PVS übergibt.

Hardware und Lieferumfang: Tablet, Stift, Signaturlösung

Die Hardware ist auf die Unterschrift ausgelegt. Laut Hersteller speichert das System biometrische Merkmale wie Position, Geschwindigkeit und Winkel zusammen mit der Unterschrift im Dokument. Außer einem tiefensensitiven Display sind dafür keine weiteren Geräte nötig.

Lassen Sie sich den aktuellen Lieferumfang im Angebot konkret ausweisen. Der Hersteller unterstützt bei der Auswahl der Endgeräte und bei der Anbindung an die bestehende IT-Infrastruktur.

Tablet statt Klemmbrett: Ablauf der Patientenaufnahme in der Praxis

Das Anaboard ersetzt das Klemmbrett im Wartezimmer durch einen digitalen Prozess in vier Schritten:

  1. Die MFA ruft den Patienten im PVS auf. Das PVS übergibt die Stammdaten an das Anaboard.
  2. Die Praxis lädt die erforderlichen Formulare auf das Tablet und übergibt es dem Patienten.
  3. Der Patient füllt die Bögen im Wartebereich aus und unterschreibt am Gerät.
  4. Das System überträgt die Daten an den Praxisserver und löscht sie danach vom Tablet.

Für Patienten ohne ausreichende Deutschkenntnisse ist die Mehrsprachigkeit relevant. Anaboard zeigt Inhalte in der Sprache des Patienten an und übersetzt sie ins Deutsche. Das reduziert Rückfragen und fehlerhafte Angaben bei der Erstanamnese.

Einlesen der Versichertenkarte und Zuordnung zum Patienten

Die Patientenzuordnung entscheidet über die Datenqualität. Anaboard setzt deshalb auf die Stammdaten aus dem PVS. Voraussetzung ist eine bidirektionale Schnittstelle des PVS- oder KIS-Anbieters. Sie gibt die Patientenstammdaten aus und liest die bearbeiteten Daten wieder ein.

Damit greift Anaboard auf die per eGK eingelesenen Stammdaten zurück, statt sie neu zu erfassen. Doppelt angelegte Patienten und Tippfehler in Namen oder Versichertennummer entfallen. Dieser Vorteil hängt aber vollständig davon ab, wie Ihr PVS die Schnittstelle bereitstellt.

Anaboard-Funktionen im Überblick

Anaboard bündelt vier Funktionsbereiche: Anamnese, Aufklärung, Online-Portal und Formularmanagement. Der Hersteller stellt Formulare, Fragebögen und Inhalte zur Patientenaufnahme und -aufklärung nach den Vorgaben der Praxis dar. Unterschriften, Anmerkungen und Zeichnungen dokumentiert das System mit.

Digitale Anamnese: Formulare, Fragebögen, Fachrichtungsvorlagen

Die digitale Anamnese auf dem Anaboard folgt den Vorgaben der Praxis, nicht einem starren Standardbogen. Die Fragebögen entstehen gemeinsam mit der Praxis und lassen sich jederzeit anpassen.

Daneben stehen Standardinhalte zur Verfügung. Ein Branchenportal nennt Standardformulare von perimed und forum-impfen.de sowie Abrechnungsformulare. Hinzu kommen Scoringbögen, etwa für Demenz und Depression, und individuelle Formulare für alle Fachbereiche. Die Website des Herstellers weist rund 14.800 individualisierte Formulare aus.

Digitale Patientenaufklärung mit Unterschrift am Tablet

Die digitale Patientenaufklärung ist der Bereich mit der höchsten Haftungsrelevanz. Hier verlangt die ärztliche Dokumentationspflicht den Nachweis von Gesprächsinhalt und Einwilligung. Anaboard stellt die Aufklärungsbögen am Tablet bereit. Der Arzt ergänzt direkt auf dem Gerät handschriftliche Anmerkungen und Zeichnungen. Das unterschriebene Dokument legt das System automatisch im Archiv ab.

Für den Nachweis kombiniert Anaboard mehrere Elemente. Der Hersteller setzt auf eine fortgeschrittene digitale Signatur und Zeitstempel für die einzelnen Aktionen. Zusätzlich wandelt das System Dokumente ins PDF/A-Format um, das nachträgliche Änderungen ausschließt. Die rechtliche Einordnung folgt im Abschnitt zu Datenschutz und Rechtssicherheit.

Online-Portal: Anamnese vor dem Termin von zu Hause

Das Online-Portal verlagert die Anamnese vor den Praxisbesuch. Der Patient erhält einen Link und füllt die Angaben auf einem beliebigen Endgerät aus. Das System überträgt die Daten anschließend automatisch ins PVS.

Für den Datenschutz nennt der Hersteller konkrete Maßnahmen. Antelope Systems hostet die Daten im unternehmenseigenen Rechenzentrum und verschlüsselt sie nach BSI-Vorgaben mit eigenem Schlüssel je Datensatz. Ein externer Datenschutzbeauftragter überwacht das Online-Portal.

Ergänzend gibt es einen Offline-Modus. Damit lässt sich das Anaboard auch bei Hausbesuchen nutzen. Die Übertragung ins PVS erfolgt, sobald das Gerät wieder mit dem Praxisnetzwerk verbunden ist.

Digitale Formulare und HZV-Einschreibung

Neben Anamnese und Aufklärung digitalisiert Anaboard weitere Praxisformulare, etwa die Einwilligung zum Datenschutz. Der Patient liest die Datenschutzerklärung am Tablet und unterschreibt digital. Das Dokument landet direkt im Praxisarchiv.

Für Hausarztpraxen unterstützt Anaboard die digitale HZV-Einschreibung per DETE. DETE steht für die vollständig digitalisierte Einverständnis- und Teilnahmeerklärung zur hausarztzentrierten Versorgung. Die HÄVG führt AnaBoard in ihrer Übersicht zugelassener DETE-Software für Q4-2026.

Zum Ablauf und zu den Voraussetzungen:

  • Startverträge: Zum Start sind die Verträge der AOK Baden-Württemberg und der GWQ dabei. Der Einführungszeitraum ist das dritte Quartal 2026.
  • PVS-Schnittstelle: Das PVS muss die DETE-Schnittstelle unterstützen. Ab Q3/2026 sind PVS-Hersteller verpflichtet, sie bereitzustellen.
  • Papieroption und Belegexemplar: Laut Hausärzteverband Baden-Württemberg bleibt die papiergebundene Einschreibung möglich. Ein Belegexemplar für den Patienten bleibt Pflicht.

Die HZV selbst beruht auf Hausarztverträgen nach § 73b SGB V.

PVS-Anbindung: Wie gelangen die Daten per GDT/HL7 ins PVS?

Die PVS-Anbindung bestimmt, ob Anaboard tatsächlich Arbeitszeit einspart. Antelope Systems unterstützt HL7/FHIR, GDT, VDDS, REST/JSON, JDBC (ODBC) und XML. Weitere Schnittstellen sind auf Anfrage möglich.

Technisch läuft die Übertragung über eine lokale Komponente. Eine Software auf dem Praxisserver empfängt die Daten per FTP über WLAN oder LAN vom Anaboard. Sie läuft unter Windows, Linux und macOS Server.

GDT vs. HL7: Datenexport oder bidirektionaler Austausch?

GDT und HL7 unterscheiden sich in Herkunft und Leistungsumfang:

  • GDT (Gerätedatentransfer): Der Qualitätsring Medizinische Software e. V. hat diesen Standard für den Datenaustausch zwischen Medizingeräten und PVS entwickelt. Er ist im ambulanten Bereich verbreitet. Seit März 2024 ist GDT 3.5 verfügbar.
  • HL7/FHIR: HL7 ist der internationale Standard für den Austausch zwischen KIS, LIS und RIS. FHIR öffnet ihn für webbasierte Anwendungen. Deshalb spielt FHIR vor allem bei Klinikanbindungen eine Rolle.

Entscheidend ist die Datenrichtung. Ein reiner Export legt das ausgefüllte Formular als PDF in der Akte ab. Ein bidirektionaler Austausch übernimmt zusätzlich die Stammdaten aus dem PVS. Er schreibt außerdem strukturierte Inhalte zurück, etwa Allergien oder Dauermedikation. Ein Branchenportal beschreibt die Anaboard-Anbindung als bidirektional über HL7/FHIR, GDT, VDDS und REST/JSON.

Ob Ihr PVS strukturierte Felder befüllt oder nur Dokumente ablegt, klären Sie vorab mit dem PVS-Hersteller.

Tipp: Lassen Sie sich die Anbindung für Ihr konkretes PVS demonstrieren. Prüfen Sie dabei drei Punkte: Wohin schreibt das System die Daten (Karteieintrag, strukturierte Felder oder PDF)? Welches Schnittstellenmodul benötigt Ihr PVS? Fallen beim PVS-Hersteller Zusatzkosten an?

Unterstützte PVS und Schnittstellen

Antelope Systems listet unter anderem folgende Systeme als erfolgreich angebunden auf (Auszug des Herstellers):

PVS-Hersteller / -GruppeSysteme mit Anaboard-Anbindung (laut Hersteller)
CGMAlbis, M1, MEDISTAR, Turbomed
medatixxmedatixx, EL – Elaphe Longissima, x.comfort, x.concept, x.isynet
Weitere AnbieterDATA-AL, Duria, Elefant, EVA, FIDUS, InterARZT, MedicalOffice, Medys, Nephro7 (medvision), Profimed, S3-Win, T2med, Tomedo, Quincy Win (FreyADV)
Klinik- und Radiologieumfeldmedavis, EDL XPlore, mesalvo

Die Liste nennt keine Schnittstellenart je System. Ob Ihr PVS über GDT, HL7 oder eine andere Schnittstelle angebunden wird, gehört deshalb ins Angebot.

Medienbrüche vermeiden: Stammdaten, Karteieintrag, PDF-Ablage

Medienbrüche entstehen, wenn Daten zwischen Systemen manuell übertragen werden. Laut Hersteller übertragen viele Praxen Personal- und Anamnesedaten weiterhin von Hand ins PVS.

Prüfen Sie drei Schwachstellen:

  • Stammdaten: Übernimmt Anaboard die Patientendaten aus dem PVS, oder legt die MFA den Patienten doppelt an?
  • Karteieintrag: Erscheinen relevante Angaben als lesbarer Eintrag in der Karteikarte oder nur als Anhang?
  • PDF-Ablage: Landet das signierte Dokument automatisch im richtigen Patientenarchiv?

Je mehr dieser Punkte automatisch laufen, desto mehr Zeit spart die Anmeldung.

Datenschutz und Rechtssicherheit

Anaboard verarbeitet Gesundheitsdaten und damit besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO. Für die Praxis als Verantwortliche zählen zwei Fragen: Wo liegen die Daten? Und wie belastbar ist die Dokumentation im Streitfall?

DSGVO: Verarbeitung von Gesundheitsdaten und Löschung auf dem Tablet

Antelope Systems setzt auf lokale Datenhaltung in der Praxis. Laut Hersteller löscht das Anaboard die Daten nach der Übertragung auf den Praxisserver unwiderruflich. An Dritte gehen sie nicht. Die biometrischen Unterschriftsdaten liegen verschlüsselt vor. Ein Gutachter erhält nur im Rechtsstreit Zugang.

Zwei Punkte sollten Sie dennoch klären:

  • Übertragungsweg: Der Hersteller nennt FTP als Übertragungsprotokoll. Klassisches FTP ist unverschlüsselt. Fragen Sie nach, ob SFTP oder FTPS zum Einsatz kommt. 
  • Online-Portal: Hier verarbeitet Antelope Systems die Daten im eigenen Rechenzentrum. Dafür benötigen Sie einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO.

Aufklärung und Dokumentation nach §§ 630e, 630f BGB

Das Anaboard ersetzt nicht das Aufklärungsgespräch. § 630e Abs. 2 S. 1 Nr. 1 BGB verlangt eine mündliche Aufklärung durch den Behandelnden. Ergänzend darf er auf Unterlagen in Textform Bezug nehmen. Digitale Aufklärungsbögen erfüllen genau diese ergänzende Funktion. Auch der Hersteller sieht Anaboard als Hilfe, um die Aufklärung strukturiert zu dokumentieren.

Anaboard deckt zwei weitere Pflichten ab:

  • Abschriften nach § 630e Abs. 2 S. 2 BGB: Das System druckt jedes Dokument vor der Archivierung automatisch aus oder versendet es auf Wunsch per E-Mail. Der Patient bestätigt den Erhalt am Tablet.
  • Aufbewahrung nach § 630f Abs. 3 BGB: Alle Dokumente legt das System als PDF/A-Dateien dauerhaft im Archiv ab. Die zehnjährige Aufbewahrungsfrist muss Ihr Archivsystem sicherstellen.

§ 630f Abs. 1 BGB lässt die Behandlungsakte ausdrücklich in elektronischer Form zu. Nachträgliche Änderungen müssen dabei samt Zeitpunkt erkennbar bleiben. Das PDF/A-Format unterstützt diese Anforderung.

Haftungsrisiko: Im Arzthaftungsprozess trägt der Behandelnde die Beweislast für die ordnungsgemäße Aufklärung (§ 630h Abs. 2 BGB). Fehlt die Dokumentation einer gebotenen wesentlichen Maßnahme, vermutet § 630h Abs. 3 BGB, dass sie nicht getroffen wurde. Ein signierter Bogen ohne dokumentiertes Gespräch reicht nicht aus. Halten Sie Gesprächsinhalt, Zeitpunkt und individuelle Risiken zusätzlich fest, etwa über die handschriftlichen Anmerkungen am Tablet.

Rechtssichere digitale Signatur: Anforderungen und Grenzen

Antelope Systems ordnet die Anaboard-Unterschrift als fortgeschrittene elektronische Signatur (FES) ein. Der Hersteller bezieht sich dabei auf Art. 26 der eIDAS-Verordnung. Dieser verlangt eindeutige Zuordnung, Identifizierbarkeit, alleinige Kontrolle des Unterzeichners und Erkennbarkeit nachträglicher Änderungen.

Die Grenzen sind klar. Eine FES ersetzt nicht die gesetzliche Schriftform. Dafür verlangt § 126a BGB eine qualifizierte elektronische Signatur (QES). Für die Einwilligung in die Behandlung schreibt das Gesetz keine Schriftform vor. Die Unterschrift dient dort dem Beweis.

Prüfen Sie den Einsatz vorab bei Dokumenten mit gesetzlichem Schriftformerfordernis. Das gilt etwa für bestimmte Wahlleistungsvereinbarungen im Klinikkontext.

Anaboard Kosten: Lizenzmodell und Preisstruktur

Antelope Systems veröffentlicht keine Preisliste für Anaboard. Laut Branchenportalen nennt der Hersteller Preise nur auf Anfrage. Die verfügbaren Drittangaben sind uneinheitlich und teils veraltet.

Kostenbestandteile: Hardware, Software, Formulare

KostenbestandteilVerfügbare AngabeQuelle / Einordnung
Lizenz19,90 € pro Board und MonatDrittangabe eines Branchenportals (2026), widersprüchlich und vom Hersteller nicht bestätigt
Komplettpaket (historisch)1.399 € zzgl. MwSt. für Tablet, Stift, Framework, Signatur, zwei FormulareÄlterer IWW-Anbietervergleich, nicht mehr aktuell
Vertragslaufzeit36 Monate MindestlaufzeitLaut früheren Angaben, beim Hersteller verifizieren
FormulareAbhängig von Anzahl und IndividualisierungsgradIndividuelles Angebot
PVS-SchnittstelleGgf. Modulkosten beim PVS-HerstellerJe nach PVS-Vertrag

Fordern Sie für eine belastbare Kalkulation ein detailliertes Angebot an. Es sollte Hardware, Lizenz je Gerät, Formularerstellung, Online-Portal, Einrichtung und Support getrennt ausweisen.

Kauf, Miete oder Leasing: Finanzierungsoptionen

Für Anaboard veröffentlicht der Hersteller kein Finanzierungsmodell. Die verfügbaren Angaben deuten auf ein Lizenzmodell mit fester Laufzeit hin. Bei 36 Monaten Laufzeit entspricht die Bindung in etwa einem klassischen Leasingzeitraum für IT-Hardware.

Betriebswirtschaftlich sind drei Fragen relevant:

  • Bilanzierung: Kaufen Sie die Tablets, aktivieren Sie sie als Wirtschaftsgüter. Laufende Lizenz- oder Mietzahlungen setzen Sie als Betriebsausgaben an.
  • Austausch: Bei Mietmodellen sollte der Austausch defekter Geräte geregelt sein.
  • Vertragsende: Prüfen Sie, ob die Hardware nach Laufzeitende in Ihr Eigentum übergeht oder zurückgeht.

Die steuerliche Behandlung klären Sie mit Ihrem Steuerberater.

Wirtschaftlichkeit: MFA-Zeitersparnis vs. laufende Kosten

Die Wirtschaftlichkeit von Anaboard hängt von Ihrer Formularmenge ab. Eine Beispielrechnung mit ausdrücklich angenommenen Werten:

ParameterAnnahme (Beispiel)
Digital erfasste Bögen pro Monat300
Eingesparte MFA-Zeit je Bogen (Abtippen, Scannen, Zuordnen)3 Minuten
Eingesparte Arbeitszeit pro Monat15 Stunden
Personalkosten MFA je Stunde (Arbeitgeberbrutto)30 €
Rechnerische Einsparung pro Monat450 €

Diesen Wert stellen Sie den monatlichen Lizenz-, Hardware- und Schnittstellenkosten gegenüber. Setzen Sie Ihre tatsächlichen Werte ein. Die Zeitersparnis je Bogen hängt direkt von der Integrationstiefe ab. Eine reine PDF-Ablage spart weniger als eine strukturierte Übernahme ins PVS.

Für welche Praxen eignet sich Anaboard?

Antelope Systems nennt als Zielgruppen Hausarzt- und Facharztpraxen, MVZ und Kliniken. Der Schwerpunkt liegt im ambulanten Bereich. Anaboard kommt in Krankenhäusern kaum zum Einsatz. Kliniken setzen eher auf umfassende Patientenportale.

Einzelpraxis, BAG und MVZ: Anzahl Tablets und Nutzerszenarien

Die Zahl der benötigten Tablets richtet sich nach dem Patientenaufkommen zur Spitzenzeit, nicht nach dem Tagesdurchschnitt. Eine Einzelpraxis mit wenigen Neupatienten pro Stunde kommt mit wenigen Geräten aus. Praxen mit hohem Durchsatz oder mehreren Anmeldestellen benötigen mehr.

Das Online-Portal verschiebt diese Rechnung. Füllen Patienten die Anamnese vorab zu Hause aus, sinkt der Bedarf an Tablets im Wartezimmer. Prüfen Sie im MVZ, ob alle Fachbereiche über dieselbe PVS-Instanz angebunden sind.

Fachrichtungen: Hausarztpraxis, Facharztpraxis, Ästhetik

Für Hausarztpraxen ist Anaboard durch die zugelassene DETE-Einschreibung und die Scoringbögen interessant. Facharztpraxen profitieren vor allem von individuell erstellten Aufklärungsbögen für ihr Leistungsspektrum.

Für ästhetische Praxen und Kliniken bietet Anaboard keine öffentlich ausgewiesenen Speziallösungen. Der Hersteller erstellt Formulare jedoch individuell. Damit lassen sich fachspezifische Anamnese- und Einwilligungsbögen abbilden. Klären Sie im Gespräch, ob Fotodokumentation und Vorher-nachher-Einwilligungen in den Workflow passen.

Einführung, Schulung und Support

Die Einführung umfasst drei Bausteine: Formularerstellung, Schnittstelleneinrichtung und Teamschulung. Der Aufwand für die PVS-Anbindung hängt von Ihrer IT-Landschaft ab. Laut Hersteller richtet sich die Anbindung nach der vorhandenen IT- und Systemlandschaft.

Antelope Systems bietet werktags von 8 bis 17 Uhr Support per Telefon und E-Mail. Planen Sie für die Umstellung eine Übergangsphase ein. Papierbögen bleiben in dieser Zeit als Rückfalloption verfügbar.

Anaboard im Vergleich: Alternativen zur Tablet-Anamnese

Anaboard konkurriert mit weiteren Anbietern für digitale Patientenaufnahme, die stärker auf das Smartphone der Patienten oder auf reine Cloud-Modelle setzen. Der zentrale Unterschied liegt im Betriebsmodell. Anaboard kombiniert praxiseigene Tablets mit lokaler Serverkomponente.

Anaboard vs. myMedax, Idana und Simpleprax

KriteriumAnaboardmyMedaxIdanaSimpleprax
AnbieterAntelope Systems, DüsseldorfSuxedo GmbH & Co. KG, SaarbrückenIdana, FreiburgSimpleprax
EndgerätePraxistablet + Online-PortalTablet, Smartphone, Browser (BYOD)Smartphone/Tablet der PatientenSmartphone/Tablet/Browser
DatenhaltungPraxisserver; Portal im eigenen RechenzentrumCloud oder On-PremisesCloud, Serverstandort DeutschlandCloud
PVS-SchnittstellenHL7/FHIR, GDT, VDDS, REST, JDBC, XMLGDT, HL7, FHIR, XML, RESTGDT (Standard)GDT, VDDS, FHIR, HL7
PreisAuf AnfrageKauf ab ca. 900 € oder MietePaketpreise auf Anbieterseite49 €/Monat + 19 € je weiterer Arzt
Quellen: Herstellerangaben und Medizinio-Übersichten, Stand 2026. Die Angaben vor Veröffentlichung jeweils beim Anbieter verifizieren.

Auswahlkriterien für Anamnese-Software

Für die Auswahl zwischen Anaboard und Alternativen sind fünf Kriterien entscheidend:

  • Integrationstiefe: strukturierte Datenübernahme vs. PDF-Ablage im PVS
  • Betriebsmodell: lokale Datenhaltung vs. Cloud, inklusive AVV-Pflichten
  • Endgeräte: praxiseigene Tablets vs. Patienten-Smartphone (BYOD)
  • Aufklärungsinhalte: juristisch geprüfte Standardbögen und Individualisierung
  • Vertragsbindung: Mindestlaufzeit, Kündigungsfristen, Hardware-Eigentum

Praxen mit hohem Datenschutzanspruch profitieren vom lokalen Ansatz. Eine Medizinio-Analyse bewertet Anaboard für Praxen ohne Cloud-Nutzung als attraktiv, da die Daten in der eigenen Hand bleiben. Sie wollen die Anamnese überwiegend vorab auf dem Patienten-Smartphone erheben? Dann finden Sie bei BYOD-orientierten Lösungen schlankere Modelle. Eine marktweite Übersicht bietet der Vergleich zur digitalen Anamnese.

FAQ: Häufige Fragen zu Anaboard

Lassen sich praxiseigene Anamnesebögen in Anaboard abbilden?

Ja. Antelope Systems gestaltet die Anamnesebögen gemeinsam mit der Praxis und passt sie bei Bedarf an. Bestehende Papierbögen dienen als Vorlage. Zusätzlich stehen Standardformulare, etwa von perimed, sowie Scoringbögen zur Verfügung. Klären Sie im Angebot, wie viele individuelle Formulare enthalten sind und was spätere Änderungen kosten.

Wie viele Anaboard Tablets benötigt eine Praxis pro Sprechstunde?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Maßgeblich ist zunächst, wie viele Patienten zur Spitzenzeit gleichzeitig Formulare ausfüllen. Hinzu kommt die durchschnittliche Ausfülldauer. Neupatienten mit vollständiger Erstanamnese binden ein Gerät deutlich länger als Bestandspatienten mit einem kurzen Update. Nutzt Ihre Praxis das Online-Portal, sinkt der Gerätebedarf.

Was passiert mit den Patientendaten bei Vertragsende?

Die über das Tablet erfassten Daten liegen nach der Übertragung im PVS und als PDF/A im Praxisarchiv. Sie verbleiben damit auch nach Vertragsende in Ihrer Praxis. Für Daten im Online-Portal regelt der Auftragsverarbeitungsvertrag Rückgabe und Löschung. Lassen Sie diese Fristen vor Vertragsabschluss schriftlich festhalten.

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